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Lateinamerikas Angst vor dem Kollaps

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Coronavirus - Lateinamerikas Angst vor dem Kollaps

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Unter der Last des Coronavirus drohen Wirtschaft und Politik in Mittel- und Südamerika zusammenzubrechen. Ein Überblick über die aktuelle Lage.

Medizinisches Personal kontrolliert die Gesundheit der Bewohner in Buenos Aires, Argentinien
Medizinisches Personal kontrolliert den Gesundheitszustand der Bewohner in Buenos Aires.
Quelle: ap

Die Vorboten sind schon da: In Chile oder Bolivien gehen die Menschen auf die Straße, um gegen die Quarantäne oder deren Auswirkungen zu demonstrieren, in Argentinien droht die Zahlungsunfähigkeit und am Amazonas ist die Lage für die Indigenen dramatisch.

Corona-Pandemie verhindert Neuwahlen

In Bolivien wächst die Wut der Menschen, dass die ausstehenden Neuwahlen wegen der Corona-Pandemie immer noch nicht stattfinden. Aus Protest blockierten Anhänger des inzwischen in Argentinien im Exil lebenden Ex-Präsidenten Evo Morales wichtige Verbindungsstraßen. Ihre Forderungen: Endlich Neuwahlen.

Boliviens Ex-Präsident Evo Morales in Buenos Aires.
Boliviens Ex-Präsident Evo Morales.
Quelle: Natacha Pisarenko/AP/dpa/Archivbild

Morales sagte jüngst: "Eine Übergangsregierung muss Wahlen so schnell wie möglich durchführen, deswegen heißt sie ja Übergangsregierung." Der Linkspolitiker war nach den umstrittenen Wahlen im Oktober 2019 wegen Vorwürfen des Wahlbetruges zurückgetreten. Eine OAS-Kommission sprach in einem Abschlussbericht von schwerwiegenden Manipulationsversuchen.

Morales weist Betrugsvorwürfe zurück

Unter Berufung auf eine neue Studie aus den USA weist Morales inzwischen die Vorwürfe zurück und spricht von einem Putschversuch gegen ihn. Der Morales nahestehende Linkspolitiker Luis Arce führt die jüngsten Umfragen an.

Die rechtsgerichtete Interimspräsidentin Jeanine Áñez regiert seit mehreren Monaten, obwohl ihr inzwischen eigentlich die demokratische Legitimation fehlt. Im Nachbarland Chile gingen zuletzt wieder Demonstranten auf die Straße, weil die angekündigte Hilfe des Staates nicht ankommt.

Trotz Coronakrise feierten die Bolivianer ihr Fest des 16. Juli in La Paz
Trotz Corona-Krise feierten die Bolivianer ihr Fest des 16. Juli in La Paz.
Quelle: epa

Argentinien hat Schuldenprobleme

In Argentinien sind die wirtschaftlichen Probleme durch die Corona-Krise noch größer geworden. Am Freitag endet eine Frist, zu der das Land rund 500 Millionen US-Dollar Zinsen und Tilgung an Gläubiger leisten muss. Kann Buenos Aires das nicht, droht wieder einmal eine Zahlungsunfähigkeit.

Der linksgerichtete Präsident Alberto Fernandez hat das Problem zum Teil von seinem konservativen Vorgänger Mauricio geerbt. Bei seinem Amtsantritt vor wenigen Monaten und noch vor Corona hatte Fernandez das Ziel ausgegeben, die Armut zu bekämpfen und die Wirtschaft zu stabilisieren.

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Armutsrate in Argentinien könnte auf 45 Prozent steigen

Beides wird nun deutlich schwieriger: Laut Schätzungen der Katholischen Universität in Buenos Aires könnte die Armutsrate noch einmal auf 45 Prozent steigen, ein wieder einmal bankrottes Argentinien würde zudem wenig attraktiv für dringend benötigte internationale Investoren.

Argentiniens neuer Präsident Alberto Fernández. Archivbild
Argentiniens Präsident Alberto Fernández. Archivbild
Quelle: Natacha Pisarenko/AP/dpa

Sollte es Fernandez, der in der aktuellen Corona-Krise durch seinen harten Kurs eine Katastrophe wie im Nachbarland Brasilien verhindert hat, gelingen, die Gläubiger zu überzeugen und eine Neuverhandlung erreichen, hätte er Zeit gewonnen, um neues Vertrauen zu generieren - auch wenn das Problem damit erst einmal nur verschoben ist. Scheitert er, droht dem Land das wirtschaftliche Chaos.

Angst am Amazonas

In Brasilien sind erstmals binnen 24 Stunden mehr als 1.100 Menschen in Verbindung mit dem Coronavirus gestorben. Experten schätzen die Dunkelziffer um ein Vielfaches höher.

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1 min
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Inzwischen wütet die Pandemie im Amazonas-Becken und bedroht die dort lebenden indigenen Völker. In Brasilien ist die Lage besonders dramatisch. Dort steigen nicht nur die Zahl der infizierten Ureinwohner, sondern auch die illegale Abholzung, die inzwischen wieder einen Stand wie im Jahr 2008 unter dem damaligen Präsidenten Lula da Silva erreicht hat.

Im Schatten der Corona-Krise wüten die illegalen Holzfäller wie nie zuvor.

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6 min
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Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro lässt keinen Willen erkennen, die beiden Probleme wirklich ernsthaft zu bekämpfen. "Die Sprache, die er benutzt, unterstützt die Gewalt in Brasilien", sagte die brasilianische Aktivistin Sonia Guajajara im Gespräch mit ZDFheute.

Jene Personen, die in indigene Territorien einmarschieren und Gewalt anwenden wollen, fühlen sich durch die Regierung autorisiert.
Sonia Guajajar

In den anderen Amazonas-Ländern ist die Lage nicht weniger dramatisch: Venezuela fälscht nach Einschätzung des kirchlichen Netzwerkes REPAM die Zahlen der infizierten Indigenen, in Kolumbien werden die Ureinwohner Opfer eines maroden Gesundheitssystems. In Bolivien steht ein Ex-Minister wegen Korruption beim Kauf von Beatmungsgeräten unter Verdacht.

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Gewagter Sprung ins Nichts
 

Der Winter wird hart. Hunderttausende könnten ihren Job verlieren, ihre Lebensgrundlage. Zu hoffen ist, dass …

von Wulf Schmiese
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1 min
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