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Anti-Corona-Regeln - Kitas zu bis Sommer? Ethikerin warnt

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Wie lange kann eine Gesellschaft das aushalten? Eine Frage, die sich auch nach den ersten vorsichtigen Lockerungen stellt. ZDFheute sprach mit einer Medizinethikerin.

Die neuen Maßnahmen gegen Corona sind eine Perspektive, sagt die Medizinethikerin Alena Buyx. In der Gesellschaft gibt es viel Solidarität.

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Mehr Geschäfte dürfen öffnen, erste Schüler zur Schule gehen. Aber viele Einschränkungen bleiben. Alena Buyx ist Mitglied des Deutschen Ethikrats und hat mit ZDFheute über die aktuelle Situation gesprochen.

ZDFheute: Helfen die neuen Maßnahmen der Gesellschaft beim Durchhalten?

Alena Buyx: Aus ethischer Perspektive auf jeden Fall. Gestern wurde durch die Maßnahmen eine Perspektive aufgezeigt und ich glaube, das gibt jedenfalls für viele eine gewisse Sicherheit und auch den Eindruck, dass da ein Licht am Ende des Tunnels ist, dass wir uns Schritt für Schritt vorarbeiten zu einer Re-Normalisierung. Ich glaube, das erhöht auch die Motivation.

ZDFheute: Nicht für alle wird es besser. Ein Beispiel sind kleinere Kinder, die weiter nicht in Kita oder Grundschule gehen können.

Buyx: Ich kann das sehr gut verstehen. Ich selbst bin Mutter von zwei Kindern, die nicht in die Schule werden gehen können, jetzt zum geplanten Zeitpunkt und natürlich gibt es auch viele andere, die von Lockerungen nicht betroffen sind. Von denen wird weiterhin solidarisches Handeln eingefordert. Ich glaube aber, dass die meisten nach wie vor sehr stark unterstützen, dass wir das füreinander tun.

Die Politik gibt dem Gesundheitsschutz weiter Vorrang, trotz des hohen wirtschaftlichen und sozialen Preises. Eine richtige Entscheidung, kommentiert ZDF-Chefredakteur Peter Frey:

ZDFheute: Solidarität ist ein wichtiger Punkt in dieser Zeit. Sind wir dieser Situation aus ethischer Sicht gewappnet?

Buyx: Ich glaube, ja. Für jemanden, der sich so lange mit Solidarität beschäftigt, hat es mich tatsächlich auch beglückt zu sehen, dass das, was wir da theoretisch immer gesagt haben, dass der Mensch insgesamt ein pro-soziales Wesen ist und dass wir insgesamt als Gesellschaften große Solidaritätspotenziale haben, dass sich das bewahrheitet hat.

Die letzten Wochen haben gezeigt, was da wirklich mobilisiert werden kann. Wir haben aber auch immer gezeigt in unserer Arbeit, dass Solidaritätsressourcen und solidarische Praktiken nicht unbegrenzt sind und nicht endlos umgesetzt werden können.

ZDFheute: Was wären denn Ideen, um die Solidarität noch weiter zu erhalten?

Buyx: Also beispielsweise sollte man mit solchen Pauschalverboten: "Kitas zu bis Sommer!" - sicherlich vorsichtig sein. Das ist ganz sicher kein mildes Mittel. Und es gibt ganz viele kreative Ideen, dass man andere Räumlichkeiten noch hinzunimmt, also Turnhallen, die jetzt leer stehen, Gemeindehäuser, die leer stehen, da gibt es ja relativ viel, was man sich überlegen könnte, was man hinzunehmen könnte.

ZDFheute: Es gibt auch immer wieder die Idee, dass eine gewisse Herdenimmunität wichtig wäre, um das Virus zu besiegen. Wie sehen Sie das aus ethischer Sicht: Ist das vertretbar?

Buyx: Ich persönlich halte eine Strategie der ungeregelten Herdenimmunität für vollkommen inakzeptabel, weil wir wissen, dass die Opferzahlen dann sehr, sehr hoch wären. Und weil wir wissen, dass dann ganz bestimmte Gruppen ganz drastisch betroffen wären. Aber so lange wir keine Impfung und keine gut wirkenden Medikamente haben für dieses Virus und für diese Erkrankung, müssen wir natürlich auch daran denken, dass wir das Leben und das Leben in diesem Land in irgendeiner Weise weitergestalten müssen und eine Balance finden müssen.

Und deswegen wird es vermutlich darum gehen in der nächsten Zeit, diese Herdenimmunität langsam und verantwortungsvoll zu erreichen. Dass wir nicht die Kapazität unseres Gesundheitswesens überlasten, aber zugleich auch einen gewissen Effekt erreichen.

Das Interview führte Meike Srowig.

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