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Unterricht im Corona-Winter - Luftfilter: "Keine 100-prozentige Sicherheit"

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Schule im Winter? Umluftreinigungsgeräte könnten die Virenlast in der Luft in Klassenräumen deutlich senken - doch auch diese Technik stößt an ihre Grenzen, erklärt Christoph Kaup.

Das Umweltbundesamt hat eine Empfehlung an alle Schulen rausgegeben, wie durch richtiges Lüften Viren aus der Raumluft entfernt werden. Alle 20 Minuten sollte stoßgelüftet werden.

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ZDFheute: Über das Lüften von Schulräumen ist wohl noch nie so viel gesprochen worden wie in diesem Jahr. Was ist die beste Technik dafür?

Christoph Kaup: Wir erkennen in der Corona-Krise, dass Luft ein Lebensmittel ist. Wie bei anderen Lebensmitteln wollen wir nichts Gammeliges, Ungesundes, sondern etwas Frisches. Auch in Schulen wären Frischluftanlagen am sinnvollsten. Aber die Installationen sind aufwändig.

Kurzfristig bleiben deshalb als Möglichkeiten regelmäßiges Lüften und das Aufstellen von Umluftreinigungsgeräten. Diese sollten die gesamte Raumluft im Turnus von zehn bis 15 Minuten nahezu komplett von Keimen befreien können.

ZDFheute: Das bringt wirklich eine gewisse Sicherheit?

Kaup: Mit den Geräten, die aktuell in der Diskussion sind, bekommen Sie es hin, die Virenlast in der Luft sehr, sehr, sehr deutlich zu senken. In Schulräumen mit solchen Geräten würde ich meine Kinder als sicher aufgehoben empfinden.

Grafik Aerosolverbreitung in Klassenzimmer

Nachrichten | Panorama - Corona-Risiko im Klassenzimmer 

ZDFheute: Allerdings braucht die Technik auch immer eine bestimmte Zeit, um die Luft zu reinigen. Ein Restrisiko bleibt also erhalten, oder?

Kaup: Die Technik kann viel, aber eine 100-prozentige Sicherheit kann auch sie nicht bieten. Das ginge nur bei unendlich hohem Luftwechsel. Dann würden Keime sofort abtransportiert werden, aber dann hätten Sie auch einen Orkan im Raum.

ZDFheute: Reicht nicht auch ein gründliches Durchlüften der Schulräume im 20-minütigen Turnus, wie vielerorts inzwischen vorgesehen?

Kaup: Beim Lüften spielen viele Faktoren eine Rolle: Steht der Wind auf dem Fenster, wird man mehr Luft in den Raum bekommen als wenn der Wind nicht auf dem Fenster steht.

Es ist auch nicht damit getan, dass man frische Luft in den Raum bringt. Sie muss die verbrauchte und keimbelastete Luft verdrängen. Das ist bei der reinen Fensterlüftung schwer vorhersehbar.

Im Herbst und Winter sollte zwar die Lüftung gut funktionieren aufgrund des hohen Temperaturunterschiedes zwischen drinnen und draußen, aber die Kinder sitzen dann mit Mänteln und Mützen im Unterricht und frieren. Dann könnten Sie den Unterricht auch gleich draußen auf dem Pausenhof machen. Da gibt es vernünftigere Lösungen.

Offene Fenster einer Grundschule in Stuttgart.

Lüften im Corona-Winter - Mit Mütze und Schal im Klassenzimmer 

Im Winter wird wegen Corona ein kalter Wind durch viele Schulen wehen. Für den Infektionsschutz soll oft gelüftet werden. Mützen und Handschuhe werden damit zur Grundausstattung.

ZDFheute: Als Experte für Klimatechnik beraten Sie die Politik, als Geschäftsführer einer Firma für Klimatechnik verdienen Sie auch an Luftfiltergeräten. Befinden Sie sich da nicht in einem Interessenkonflikt?

Kaup: Nein, der besteht nicht. Ich befasse mich seit 20 Jahren ernsthaft mit dem Thema und empfehle raumlufttechnische Lösungen bereits seit vielen Jahren und nicht erst jetzt in Zeiten von Corona.

ZDFheute: Die Tendenz geht dahin, Luftfilter in deutschen Schulen aufzustellen. Gibt es überhaupt genügend Geräte?

Kaup: Das Interesse ist extrem gestiegen, das stimmt. Wir registrieren auch die ersten Auftragseingänge dafür. Aber es wird wohl ein bisschen sein wie an Weihnachten: Das kommt auch immer so plötzlich, und zwei Tage vorher müssen auf einmal die Geschenke her. Dann ist der Kunde aber vielleicht gezwungen, das zu nehmen, was noch übrig ist.

So ein bisschen wird es wohl auch bei den Umluftgeräten sein. Ein Produzent, der Komponenten für unsere Geräte herstellt, hat uns schon mitgeteilt, dass die Lieferzeiten länger werden, weil die Nachfrage so groß ist. Falls ein echter Run auf die Geräte starten sollte, wird es mit Sicherheit erstmal Engpässe geben.

Das Interview führte Marcel Burkhardt.

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