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Was taugen die neuen Supermasken?

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Sollen Coronaviren töten - Was taugen die neuen Supermasken?

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Neuartige Gesichtsmasken können angeblich Coronaviren unschädlich machen. Kann das funktionieren? Und ist das der Durchbruch gegen die Pandemie? Experten sind skeptisch.

Eine Frau mit einer Schutzmaske in einer Straßenbahn am 23.04.2020 in Köln
Frau mit Alltagsmaske im Zug - angeblich deaktivieren neue Supermasken 99 Prozent der Coronaviren. Kann das stimmen?
Quelle: dpa

Die Versprechen in der Pressemitteilung des Herstellers "i3 BioMedical Inc." klingen überzeugend: "Die äußere Oberfläche der Maske inaktiviert innerhalb von Minuten >99% der Coronavirussuspension." Das sei von Wissenschaftlern der University of Toronto bestätigt worden. Nach Angaben des Herstellers kommt eine Beschichtung mit Trijodid zum Einsatz. In Deutschland sollen die Masken nach Angaben der Firma in den nächsten Wochen zu kaufen sein, ab ca. 6,50 Euro das Stück, heißt es in einer Mail an ZDFheute.

Auch andere Hersteller entwickelten keimtötende Textilien, beispielsweise das Schweizer Unternehmen Livingguard, das stolz auf Tests der Freien Universität Berlin verweist, die die Wirksamkeit bestätigten. Masken von Livingguard werden bereits für rund 35 Euro pro Stück von der Firma Wingguard vertrieben.

Idee dahinter ist glaubwürdig

Die Masken der israelischen Firma Argaman Technologies Ltd. wiederum desinfizieren sich selbst mittels einer Kupferdioxid-Verbindung. Sie stehen nach Angaben des Hersteller kurz vor der Einführung auf den europäischen Markt. Auf der Firmen-Website ist die Maske bereits zu haben, für ca. 43 Euro pro Stück.

Was muss, das muss – so denken wohl die meisten beim Thema Mund-Nasen-Schutz. Und trotzdem wird weiter leidenschaftlich diskutiert. In der Straßenbahn, beim Friseur und auf den Einkaufsmeilen. Die Maske wird zum Symbol in diesen Corona-Zeiten.

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Grundsätzlich ist es tatsächlich möglich, Masken mit einer keimtötenden Oberfläche zu entwickeln. Das Prinzip, dass die antimikrobielle Oberfläche einer Maske Keime deaktiviert, klinge erst mal plausibel, sagt Jörg Feldmann, Pressereferent der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin im Gespräch mit ZDFheute.

Masken bieten keinen vollständigen Schutz

Das Problem: "Masken sind ja nicht vor allem da, um mich selbst zu schützen, sondern um andere zu schützen", so Feldmann. "Wenn ich auf Hygiene achte und ausreichend Abstand halte und eine Mund-Nase-Bedeckung trage, brauche ich so eine Maske nicht." Sie vermittle allerdings eine Scheinsicherheit - denn auch eine antimikrobielle Maske schütze nicht zu 100 Prozent: "Wenn ich einen Tropfen ins Auge kriege, kann ich auch angesteckt werden. Zudem schließt sie nicht dicht ab gegen Aerosole".

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Der Infektionsforscher Dr. Thomas Jacobs vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) hält die Erfindungen grundsätzlich ebenfalls für glaubwürdig und wirksam. Dass die Spezial-Masken nun der Durchbruch im Kampf gegen die Corona-Pandemie sind, glaubt er jedoch nicht. Im Interview mit RTL sagt er, dass Masken ohnehin nur geeignet seien, die Zeit zu überbrücken, "bis wir vernünftige Impfstoffe haben, die auch wirken". Jacobs weist darauf hin, dass auch eine normale Alltagsmaske schon "sehr viel Schutz bietet".

Zusatzschutz hat Zusatzpreis

Jörg Feldmann vom Bundesanstalt für Arbeitschutz und Arbeitsmedizin gibt zur keimtötenden Maske außerdem zu bedenken: "Dieser Zusatzschutz hat natürlich einen Zusatzpreis. Es gibt auch so etwas wie Overprotection. Es wird immer viel Werbung gemacht - '99 Prozent der Keime werden getötet!' - aber: Seife und gute Hygiene reichen am Ende auch."

Fazit: Dass das Prinzip einer keimtötenden Maske funktioniert, ist plausibel. Dennoch bietet auch sie keinen 100 prozentigen Schutz vor Ansteckung. In der Regel reicht es, eine normale Alltagsmaske zu tragen, um andere nicht zu gefährden.

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