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Statistische Untersuchung : Studie: Corona-Maßnahmen zeigen erste Wirkung

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Vor zwei Wochen wurden Maßnahmen beschlossen, die das öffentliche Leben einschränken. Seitdem hat sich die Zuwachsrate der Covid-19-Infektionen fast halbiert, so eine Studie.

Archiv, Ein Hinweisschild "Bitte halten Sie Abstand" an einem Kiosk in München.
Eine der Corona-Maßnahmen: Abstand halten, und zwar mindestens 1,50 Meter im öffentlichen Raum.
Quelle: EPA

Seit dem vergangenen Freitag, 20. März, hat sich die Zuwachsrate der durch das Coronavirus verursachten Covid-19-Infektionen in Deutschland fast halbiert. Bis gestern betrug sie durchschnittlich 14 Prozent pro Tag, zuvor hatte sie bei durchschnittlich 27 Prozent gelegen.

Zu diesen Ergebnissen sind Wirtschaftswissenschaftler der Johannes Gutenberg-Universität Mainz (JGU) und der Universität Regensburg gekommen. Die Forscher verwendeten eine statistische Methode, die üblicherweise in der Arbeitsmarktforschung benutzt wird und wendeten sie auf die von der Johns Hopkins Universität veröffentlichten Zahlen zur Verbreitung von Covid-19 an.

Was die Corona-Zahlen aussagen sehen Sie hier:

Social Distancing als erfolgreiche Maßnahme

Den Grund für den Rückgang sehen die Forscher in den umfangreichen Maßnahmen von Bund und Ländern zur Reduzierung sozialer Kontakte. Schulen und Kindergärten sind geschlossen. Seit dem 14. März finden keine Bundesligaspiele und andere Sportveranstaltungen mehr statt. In vielen Universitäten wurden Prüfungen abgesagt.

Ziel dieser Maßnahmen, die einem Bund-Länder Beschluss vom 13. März folgten, ist es, die Anzahl der sozialen Kontakte und damit der Infektionen und Neuerkrankungen an Sars-CoV-2 zu reduzieren. Gleiches gilt für die darauffolgenden Schließungen in der Gastronomie und der Unterhaltung sowie Ausgangsbeschränkungen.

"Allgemeiner Tenor öffentlicher Aussagen von Virologen, Politikern und vielen Medienbeiträgen war es, man müsse nun einige Zeit abwarten, um zu sehen, ob die Maßnahmen greifen. Nun ist es so weit, dass wir statistisch gesichert sagen können, dass die Maßnahmen offenbar gegriffen haben", heißt es in einer Pressemitteilung der JGU Mainz, die ZDFheute vorliegt.

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Wälde: "Lage wird weniger schnell schlimm"

Gewisse Verzögerungen sind zu beachten, bis sich Maßnahmewirkungen in den Daten niederschlagen können: vor allem durch die Inkubationszeit, die um circa fünf Tage streut, aber auch durch den Gang zum Arzt oder die Dauer für einen Test. Nun zeigen sich laut dem Forscherteam, bestehend aus Tobias Hartl und Enzo Weber von der Universität Regensburg und Klaus Wälde von der JGU, die ersten Ergebnisse dieser Maßnahmen.

Trotzdem: Die Zahl der Neuinfektionen wächst. Wie passt das zusammen? "Wir bestreiten nicht, dass die Anzahl der Infektionen steigt. Wir sagen, dass die Zuwachsrate, also der prozentuale Anstieg geringer wird", sagt Wälde auf Nachfrage. "Die Lage ist weiterhin schlimm und wird vermutlich noch Wochen so andauern, aber sie wird weniger schnell schlimm."

Zum Vergleich: Nach Daten der John Hopkins Universität gab es von gestern auf heute einen Zuwachs von 4.337 Personen. Das entspricht etwa 12 Prozent. Laut RKI kam es zu einem Zuwachs von 4.954 Personen. Das entspricht 15 Prozent. In beiden Fällen ist der Zuwachs deutlich unterhalb des durchschnittlichen täglichen Zuwachses von 27 Prozent, den wir vor dem 20. März messen.

Ergebnisse sind kein Grund zur Entwarnung

Entscheidend sei, dass die Zuwachsrate abgenommen hat. Und das zu einem Zeitpunkt, an dem man glaubhaft folgern könne, dass dieser Rückgang der gewünschte Effekt der am 13. März beschlossenen Maßnahmen ist. "Unser Ergebnis unterstützt also die Beschlüsse von Bund und Ländern", so Wälde.

Die Lage bleibt beunruhigend, aber es gibt einen Silberstreif am Horizont.
Klaus Wälde, Volkswirtschaftler

Die Bund-Länder Maßnahmen hätten gegriffen und die Zuwachsraten sehr deutlich reduziert. "Das ist ein sehr großer Effekt, der so nicht zu erwarten war. Ich als Bundesgesundheitsminister wäre stolz."

Dennoch: "Das ist aber leider kein Grund zur Entwarnung", sagt Wälde gegenüber ZDFheute. "Auch 14 Prozent mehr Infektionen pro Tag ist ein großes Problem. Aber eben viel besser als 27 Prozent".

Auf welcher Datengrundlage basiert die Studie?

Im Gegensatz zum Robert-Koch-Institut, das Daten der Gesundheitsämter in Deutschland sammelt, verwendet die Johns Hopkins Universität Daten aus mehreren Quellen und sei dadurch möglicherweise nicht ganz so verlässlich, aber aktueller.

Auf der anderen Seite sei in den letzten Tagen klar geworden, dass die Übermittlung der Daten nicht immer perfekt funktioniere und deswegen die Daten des RKI Schwankungen und Verzögerungen unterliegen, die genaue Analysen erschweren.

Somit sei ein Rückgriff auf andere Datenquellen eine weitere Möglichkeit Fragen zu beantworten. Unsicherheit, wie gut die Datenquellen die Realität beschrieben, bestehe in jedem Fall.

Dennoch sei es so gut wie ausgeschlossen, dass die nun beobachtete Trendabflachung nicht der Wirklichkeit entspreche: "Aufgrund der dauerhaft starken Abnahme der Zuwachsraten beträgt die statistische Sicherheit unserer Ergebnisse mehr als 99,9 Prozent."

Bereits am vergangenen Montag hatten die Forscher nach Auswertung von Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) einen Bruch der Zuwachsrate prognostiziert.

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