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Komplexitätsforscher Thurner - Pandemie-Bekämpfung mithilfe von Mathematik

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Bringen uns die Maßnahmen gegen das Coronavirus weiter? Ein Blick auf die Zahlen kann uns bei der Einschätzung helfen, sagt der Mathematiker Stefan Thurner im ZDFheute-Interview.

Eine Frau schaut auf einen Bildschirm mir aktuellen Zahlen zur Pandemie
Quelle: dpa

ZDFheute: Die erste Welle scheint fast geschafft. Wie geht es jetzt weiter?

Stefan Thurner: Nachdem jetzt in vielen Ländern verschiedene Maßnahmenpakete zu verschiedenen Zeitpunkten eingeführt worden sind, und da ich von jedem Land die Infektionskurven kenne, kann man jetzt zurückrechnen, wie gut welche Maßnahme funktioniert hat. Man kann eine Reihung machen, also wie wichtig ist Mundschutz im Vergleich zu Grenzschließung. Wie wichtig ist Kommunikation mit der Bevölkerung im Vergleich zu Schließung von Schulen und so weiter.

ZDFheute: Wie hängen die Maßnahmen und die aktuellen Infektionskurven zusammen?

Thurner: Länder, die keine oder erst sehr spät Lockdowns gemacht haben, also Schweden, USA, England, eine ganze Reihe von Ländern, Russland, haben diese linearen Verläufe. Länder wie Italien, Deutschland, Österreich, Frankreich haben auch so einen linearen Verlauf, der aber abflacht - der seit Ende März sehr stark abflacht. Das ist der Grund, warum wir besser dastehen und warum die Maßnahmen sinnvoll waren.

Vor einem Liniendiagramm steht der Großbuchstabe R. Im Hintergrund sind zwei große, gezeichnete Viren zu sehen.

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Was sind die wichtigsten Zahlen zur Pandemie und was bedeuten sie?

ZDFheute: Welchen Einfluss haben soziale Strukturen auf die Ausbreitung?

Thurner: Wir haben es jetzt wieder gesehen, wie zentral soziale Netzwerke sind. Das Virus steckt sich über soziale Kontakte an und ein sozialer Kontakt ist ein Link in einem sozialen Netzwerk. Wenn man das nicht berücksichtigt, wenn man das nicht in die Modelle steckt, dann kommen falsche Prognosen raus.

ZDFheute: Was müssen unsere Sozialsysteme aus der Krise mitnehmen?

Thurner: Was man schon mitnehmen sollte, ist, dass man soziale Netzwerke ändern kann und kurzfristig sollte und muss. Einfach als Verhaltensregel, um einer Krise beizukommen. Also wie eine Verhaltensregel, so wie wir in der Schule lernen, was bei einem Feueralarm zu tun ist. […] Genauso könnte man das auch im Epidemie-Fall lernen, sodass man auch psychisch, moralisch vorbereitet ist, und dass man auch weiß, das funktioniert und das geht auch wieder vorbei, das ist eine Krise und man kommt da durch.

Hätte man die Ausbreitung verhindern können? Kommt eine zweite Welle? Mathematiker bekämpfen die Pandemie mit rechnerischen Mitteln.

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ZDFheute: Was müssen wir für eine zweite Welle beachten?

Thurner: Wenn es regional zu unnachvollziehbaren Fällen kommt, müsste diese Region lokal niedergefahren werden oder abgeschottet werden. […] Ich glaube, das ist zentral für die zweite Welle, dass man chirurgisch eingreifen kann, dass man sich institutionell und logistisch und erziehungsmäßig so einstellt, dass man die einzelnen Fälle unter Kontrolle hat.

ZDFheute: Warum sind Vorhersagen nur auf ein paar Tage ausgerichtet?

Thurner: Das muss man sich vorstellen, wie beim Wetterbericht. Sie können eine Woche in die Zukunft ganz gute Prognosen machen. Wenn es zwei Wochen in die Zukunft geht, wird die Sache schon wieder nicht mehr so gut und wenn Sie vorhersagen wollen, wie das Wetter am 15. Dezember ist, glaubt Ihnen das natürlich niemand - zurecht.

Das Interview führte Jenifer Girke. Der Autorin auf Twitter folgen: @JeniferGirke

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