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Lockerungen in Russland - Wandertage in Moskau

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Neun Wochen lang mussten die Einwohner Moskaus zu Hause bleiben. Die Regeln der Ausgangssperre sind deutlich strenger als in Deutschland. Jetzt ist Erleichterung in Sicht.

Eine Schaukel auf einem verwaisten Spielplatz inmitten Moskauer Plattenbauten. Das Flatterband strahlt keine Abschreckung mehr aus, dafür hängt es schon zu lange. Und der Anblick ist für das kleine Mädchen auch einfach zu verlockend. Schnell drauf auf die Schaukel, die Mutter lässt sie.

Ein bisschen Freiheit, etwas Bewegung, obwohl es verboten ist. Das war von ein paar Tagen und ist nur eines von vielen Beispielen, die zeigen, dass es die Moskauer schon vor den Lockerungen nur noch schwer in den eigenen vier Wänden hielt.

Neun Wochen lang strenge Ausgangsbeschränkungen

Seit Ende März durften die Hauptstädter ihre Wohnung nur verlassen, um im nächsten Supermarkt einzukaufen, einen Hund spazieren zu führen, zur Arbeit zu gehen oder eine dringende Angelegenheit, zum Beispiel einen Arztbesuch, zu erledigen. Theoretisch. In der Praxis funktionierte auch der Besuch in einem Gartencenter, das trotz Corona-Lockdown geöffnet hatte.

Viele Moskauer haben die Selbstisolierung mit Fassung ertragen. Andere haben ihre eigenen Regeln aufgestellt. Friseure boten per SMS Hausbesuche an. Und Bars schenkten im Keller für "gute Freunde" aus. Geschichten wie diese kursieren zuhauf. Im Ausloten des informellen Sektors ist Russlands Gesellschaft kreativ und geübt.

Drei Spaziergänge wöchentlich

Ab heute nun wird die Ausgangssperre offiziell gelockert. Die Stadtparks öffnen wieder, genau wie einige Geschäfte. Spaziergänge und Sport im Freien sind wieder erlaubt, aber nach Zeitplan. Dreimal pro Woche wird den Moskauern "Freigang" gewährt.

Zwischen 9 und 21 Uhr dürfen sie im Umkreis von zwei Kilometern um ihre Meldeadresse flanieren. Die Tage, an denen sie raus dürfen, verrät eine Karte im Internet.

Moskauer Stadtplan mit den  Spaziergangs-Regelungen
Moskauer Stadtplan mit den Spaziergangs-Regelungen
Quelle: google.com

Moskaus Stadtplan gleicht einem bunten Flickenteppich: Jedes Gebäude wurde einer von sechs Gruppen zugeordnet. Je nach Gruppe gelten unterschiedliche Spaziergeh-Tage. Sport hingegen darf man täglich draußen machen - von 5 bis 9 Uhr morgens und mit Mundschutz.

Weiterhin braucht man für jede Fahrt durch die Stadt einen QR-Code, den man im Internet beantragen muss. Vor Beginn der Lockerungen erinnerte die Stadtverwaltung noch mal an die Videoüberwachung mit Gesichtserkennung. Wer ohne gültigen Digitalpass draußen erwischt wird, dem drohen hohe Strafen.

Weiterhin rund 9.000 Neuinfektionen mit Covid-19 täglich

Die Öffnung kommt zu einem Zeitpunkt, an dem in Russland in Sachen Corona von Entspannung noch keine Rede sein kann. Auch wenn sich die Zahl etwas abgeschwächt hat, durchbrachen die registrierten Neuerkrankungen am Wochenende die Mauer von 400.000 Fällen. Russland liegt damit auf Platz 3 der weltweiten Rangliste der Corona-Fälle, hinter Brasilien und Spitzenreiter USA.  

In Moskau werden derzeit etwa 2.000 Neuinfektionen registriert - noch im Mai waren es zeitweise dreimal so viel. Und so wagt der Bürgermeister jetzt, bei der Gratwanderung zwischen Gesundheit und Wirtschaft, einen Schritt Richtung Wiederbelebung des Geschäftslebens.

Bilanz über Moskauer Wandertage in zwei Wochen

Es regnet, es ist kalt: der Moskauer Sommeranfang fällt ungewöhnlich ungemütlich aus. Zu ausschweifenden Spaziergängen lädt das nicht ein, und so scheinen die Straßen der Hauptstadt kaum voller als in der vergangenen Woche. Masken werden getragen - aber zum guten Teil unter dem Kinn.

Bilanz über die Moskauer Wandertage soll in zwei Wochen gezogen werden. Der Kreml hofft, dass man die Beschränkungen bis zum 24. Juni noch weiter lockern kann. Dann nämlich will Präsident Putin die Militärparade auf dem Roten Platz nachholen. Die war eigentlich zum Tag des Sieges am 9. Mai geplant, musste aber abgesagt werden.

Bürgermeister Sobjanin, in der Corona-Krise meist in der Rolle des Mahners, gab hingegen bekannt, er gehe davon aus, dass die Beschränkungen so lange anhalten, bis ein Impfstoff gefunden sei. Prognosen zu stellen, ist in Russland in diesen Tagen auch nicht einfacher als im Rest der Welt.

Von Phoebe Gaa und Christian Semm, ZDF-Auslandsstudio Moskau

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