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Mehr Naturschutz als Mittel gegen Pandemien

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Experten appellieren an Politik - Mehr Naturschutz als Mittel gegen Pandemien

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Künftig werde es mehr Pandemien geben und sie könnten noch verheerender ausfallen als Covid-19 - davor warnt jetzt der Weltbiodiversitätsrat. Ein Gegenmittel: mehr Naturschutz.

Brandrodung im tropischen Regenwald
Naturschutz als Mittel gegen Pandemien
Quelle: picture alliance/WILDLIFE

Der Kernsatz des von 22 internationalen Wissenschaftlern vorgelegten Berichts ist unmissverständlich: "Ohne vorbeugende Strategien wird es häufiger zu Pandemien kommen, sie werden sich schneller verbreiten, mehr Menschen töten und der Effekt auf die globale Wirtschaft wird verheerender sein als je zuvor." Der Weltbiodiversitätsrat (IPBES) geht dabei davon aus, dass Krankheiten von Wildtieren in Zukunft öfter auf den Menschen übertragen werden.

Laut IPBES entstehen 70 Prozent der Krankheiten auf diesem Weg - neben Covid-19 war das auch bei Ebola, AIDS oder der Spanischen Grippe so. Jedes Jahr kommen etwa fünf neue Krankheiten dazu, aus denen - zumindest theoretisch - Pandemien werden könnten. Und der "Vorrat" neuer Erreger scheint unerschöpflich: In Säugetieren und Vögeln gibt es geschätzt etwa 1,7 Millionen unentdeckte Viren, mit bis zu 850.000 davon könnte sich auch der Menschen infizieren, vermutet der IPBES.

Zunehmende Kontakte zu Erregern führen zu Pandemien

Das Problem dabei: Der Mensch rückt immer näher an die wilden Wirte heran und lässt dabei der Natur immer weniger Raum, um mit den Viren fertig zu werden. Peter Daszak vom IPBES erklärt dazu:

Die gleichen menschlichen Aktivitäten, die den Klimawandel und den Verlust der Artenvielfalt vorantreiben, erhöhen auch das Risiko von Pandemien.

Immer mehr Land werde zugebaut, Urwald gerodet und intensiv bewirtschaftet. Zudem nehme der Handel mit Wildtieren zu. Das alles führe zu mehr Kontakten zwischen Mensch oder Vieh zu neuen Krankheitserregern. "Das ist der Weg, der zu Pandemien führt."

Forscher der Universität Ulm haben herausgefunden, dass sich Erreger in intakten Ökosystemen schwerer ausbreiten. Wenn es viele verschiedene Arten in einem Lebensraum gibt, haben befallene Tiergruppen weniger Kontakt zu Artgenossen. In gestörten Systemen gibt es nur noch wenige dominante Arten, die eine große Fläche bevölkern. Die Erreger breiten sich aus. Der Schutz der Artenvielfalt ist daher auch ein Schutz vor Pandemien.

Volker Angres, Leiter der ZDF-Umweltredaktion, erklärt, was Biodiversität für die Menschheit bedeutet.

Beitragslänge:
8 min
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Prävention gegen Pandemien: Wildtierhandel eindämmen

Die Forderung des Weltbiodiversitätsrats: Beim Kampf gegen Pandemien müsse der Fokus künftig stärker auf der Prävention liegen. So kritisiert Daszak:

Wir verlassen uns immer noch auf den Versuch, Krankheiten einzudämmen und zu kontrollieren, nachdem sie ausgebrochen sind.

Stattdessen müssten schon jetzt zum Beispiel mögliche Risikogebiete beobachtet, der Wildtierhandel eingedämmt, vor allem aber die Natur besser geschützt werden.

Auch Herstellung, Handel und Konsum von Nahrungsmitteln müssten nachhaltig werden. "Die Tatsache, dass der Mensch in der Lage ist, die Natur so grundlegend zu verändern, muss nicht immer nur zu negativen Effekten führen", sagt Daszak. Er könne diese Macht auch nutzen, um gegenzusteuern.

WWF-Appell an Politik: Mehr Naturschutz als Mittel gegen Pandemien

Die Umweltorganisation WWF sieht dabei die Politik in der Pflicht. "Die EU ist einer der größten Pro-Kopf-Importeure von landwirtschaftlichen Rohstoffen", sagt WWF-Experte Arnulf Köhncke. Sie müsse nun "umgehend ein wirksames Gesetz vorlegen, das den Import von umweltzerstörerischen Produkten untersagt." Er fordert ein Umdenken auch in der Wirtschaft:

Eine intakte Natur ist ein Bollwerk gegen neue Krankheitserreger und Pandemien und muss endlich als entscheidender Schlüsselfaktor für unsere Gesundheit wahrgenommen werden.

Für die Wissenschaftler des Weltbiodiversitätsrates sind gerade auch die Kosten ein Argument, das für eine verbesserte Prävention spricht. Der finanzielle Schaden durch die Covid-19-Pandemie wurde im Sommer auf weltweit etwa 16 Billionen US-Dollar geschätzt, könnte aber noch weit höher ausfallen. Vorbeugende Weichenstellungen seien dagegen um ein Vielfaches billiger, heißt es im IPBES-Bericht.

Mark Hugo ist Redakteur in der ZDF-Umweltredaktion.

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