Sie sind hier:

Steigende Corona-Fallzahlen - Warum Obergrenzen allein nicht weiter helfen

Datum:

Der Fokus auf Grenzwerte von Neuinfektionen für Corona-Maßnahmen wird zur Gefahr. Was gut gegen isolierte Infektionsherde half, ist machtlos gegen das organische Wachstum.

Immer mehr Landkreise in Deutschland bewegen sich auf kritische Schwellenwerte bei den Neuinfektionen zu. Je nach Bundesland liegt der Wert bei 30, 35, bzw. 50 Fällen pro 100.000 Einwohner im Sieben-Tage-Schnitt. Darüber drohen empfindliche Einschnitte des öffentlichen Lebens.

Wo hat sich die Obergrenze bewährt?

Aktuell greifen solche Maßnahmen in Offenbach, wo der besagte Infektionswert am Freitag auf 52 angestiegen ist. Die Stadtverwaltung verschärfte die Maskenpflicht an vielen öffentlichen Orten, Kontaktbeschränkungen wurden ausgeweitet. In der Gastronomie gilt seit Samstag eine Sperrstunde ab Mitternacht.

Die Obergrenzen für Neuinfektionen gelten seit Mai. Nach dem Abflauen der ersten Infektionswelle sollte so lokal gezielt gegen Ansteckungsherde vorgegangen werden. Hof, Coesfeld oder Dingolfing-Landau: Das waren Kreise, in denen man das Infektionsgeschehen so schnell wieder unter Kontrolle brachte. Ein Übergreifen auf benachbarte Regionen konnte verhindert werden.

ZDFheute Infografik

Wir integrieren Bilder und andere Daten von Drittanbietern, u.a. die Software von Datawrapper für die Darstellung von ZDFheute Infografiken. Mit Ihrer Zustimmung werden diese angezeigt und die genutzte IP-Adresse dabei an externe Server übertragen. Über den Datenschutz dieser Anbieter können Sie sich auf den jeweiligen Seiten informieren. Um Ihre zukünftigen Besuche zu erleichtern, speichern wir Ihre Zustimmung in den Datenschutzeinstellungen. Ihre Zustimmung können Sie im Bereich „Mein ZDF“ jederzeit widerrufen.

Ist sie auch in der aktuellen Pandemielage das beste Werkzeug?

Angesichts der jetzt aber bundesweit stetig steigenden Fallzahlen stellt sich die Frage, ob der Grenzwert nur gegen lokal begrenzte Masseninfektionen in Betrieben oder Kirchgemeinden ein gutes Mittel ist – und wirkungslos gegen ein langsames organisches Anwachsen.

Der Epidemiologe Prof. Dr. Gérard Krause, Leiter des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung in Braunschweig, sagt ZDFheute:

Die lokalisierte, fokussierte Strategie halte ich weiterhin für sinnvoll. Die Beschränkung auf einen einzelnen numerischen Grenzwert ist aus meiner Sicht nicht sachgerecht und war es auch nie.
Prof. Dr. Gérard Krause, Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung

Schon im April warnte Lothar Wieler, Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), davor, in der Bewertung der Pandemielage nur auf eine Messzahl zu konzentrieren. Es sei "nicht hilfreich, wenn auch in der Öffentlichkeit immer nur auf einen Faktor bezogen wird", so Wieler damals mit Blick auf die Reproduktionszahl R.

Im schlimmsten Fall kann der große Fokus auf den Grenzwert als Messgröße auf Kreisebene dazu führen, dass Teile Deutschlands über Monate zwischen harten und leichten Gegenmaßnahmen wechseln. Das wäre eine enorme Belastung für Bürger, Unternehmen und Verwaltung, die das koordinieren müssten. So ein Leben in ständiger Unsicherheit ist das exakte Gegenteil der einflussreichen Pandemie-Strategie "Hammer and Dance".

Welcher Ansatz sollte stattdessen verfolgt werden?

Krause warnt davor, angesichts steigender Infektionszahlen jetzt wieder eine weitgehende Einschränkung des öffentlichen Lebens wie einen Lockdown in Erwägung zu ziehen:

Ich halte den Ansatz, generalisiert die Mobilität und die Berufsausübung aller Menschen einzuschränken unter Berücksichtigung unserer inzwischen gewonnenen Kenntnisse für nicht verhältnismäßig.
Prof. Dr. Gérard Krause, Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung

Für Krause stünden die negativen Folgen nicht angemessen im Verhältnis zum gewünschten Effekt, schwere Krankheitsverläufe zu verhindern. Er warnt davor, dass die Debatte um einen Lockdown innovativere Lösungsansätze und wichtige Lernprozesse verdrängt:

Die Diskussion darum lenkt uns wieder einmal davon ab, worum es eigentlich geht: die hochbetagten Menschen mit hohem Risiko für schwere Krankheitsverläufe besser zu schützen, ohne sie sozial zu isolieren. Hier bedarf es noch mehr Aufmerksamkeit, Kreativität und Ressourcen.
Prof. Dr. Gérard Krause, Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung
ZDFheute Update

Nachrichten | In eigener Sache - Jetzt das ZDFheute Update abonnieren 

Starten Sie gut informiert in den Tag oder Feierabend. Verpassen Sie nichts mit unserem kompakten Nachrichtenüberblick am Morgen und Abend. Jetzt bequem und kostenlos abonnieren.

Aktuelles zur Coronavirus-Krise

An einer Nadelspitze neben dem Oberarm es Patienten hängt ein Tropfen.

Corona-Debatte bei Lanz - Stiko: Impf-Zulassung für Kinder ab 5 kommt  

  • Untertitel

Die Stiko kündigt die Zulassung eines Kinderimpfstoffs ab fünf Jahren an. Es gibt auch schon einen konkreten Zeitplan für Dezember. Allerdings bleiben die Risiken vorerst ungewiss.

von Sebastian Lang
Videolänge
74 min
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Entweder hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert, oder deine Internetverbindung ist derzeit gestört. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der ZDFmediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.