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Rechte Schwerkranker und Sterbender wahren

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Palliativmedizin in der Krise - Rechte Schwerkranker und Sterbender wahren

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Menschen, die an einer schweren Krankheit leiden oder im Sterben liegen, trifft die Corona-Krise hart. Oft bleibt ihnen der Besuch von Angehörigen und Freunden verwehrt.

Fläschen mit Schmerzmittel für sterbenskranke Patientin
Schmerzmittel für schwer kranke Patientin
Quelle: dpa

Die Kontaktsperre in der Corona-Krise führt in Kliniken und Pflegeeinrichtungen zu Unsicherheiten. Dabei ist für Palliativpatienten die Nähe zu Angehörigen oder Freunden besonders wichtig.

Es sind berührende Fälle, mit denen Professor Lukas Radbruch verdeutlicht, welchen Zwängen Patienten in der Corona-Pandemie unter Umständen ausgesetzt sind. Es sind die Fälle der Menschen, die auf Palliativmedizin angewiesen sind - eine Behandlung also, die nicht auf Heilung, sondern auf Linderung von Schmerzen und Beschwerden und die Verbesserung der Lebensqualität zielt.

Hospiz-Begleiter dürfen vielerorts ihre Patienten nicht mehr besuchen, um sie in den letzten Lebensstunden zu begleiten. Besonders betroffen sind Menschen die keine Angehörigen mehr haben.

Beitragslänge:
2 min
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"Ich weiß von zwei Krebspatienten", erzählt Professor Radbruch, "die eine spezielle palliative Chemotherapie ablehnten." Diese Art der Behandlung wäre nur stationär in einer Klinik möglich gewesen. Dort aber war den Patienten kein Besuch erlaubt.

Deshalb sind sie daheim geblieben, bei ihren Familien.
Prof. Lukas Radbruch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin

Professor Radbruch ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin (DGP). Immer wieder weist seine Fachgesellschaft in diesen Tagen daraufhin, dass Palliativpatienten von den strengen Besuchsverboten ausgenommen sind und die Verordnungen der Bundesländer Ausnahmen unter bestimmten Voraussetzungen vorsehen.

In vielen Kliniken und Pflegeheimen werde dies aber nicht umgesetzt aus Angst vor einer Corona-Infektion. "Oft sehen wir eine rigorose Haltung in den Einrichtungen", berichtet auch Paul Herrlein, Vorstandsvorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft Hospiz Saarland e.V..

Zuwendung genauso wichtig wie Medizin

Morphin und Nächstenliebe, so lauten Grundprinzipien der Hospizarbeit. Sie stehen gleichberechtigt nebeneinander. Medikamente wie Opiate lindern Schmerzen und helfen, Atemnot und Erstickungsgefühle zu vermeiden. "Aber Schwerkranke und Sterbende brauchen genauso die Nähe von Menschen, die ihnen etwas bedeuten", mahnt Paul Herrlein.

Deshalb fordern Palliativ- und Hospizdienste dringend ausreichend Schutzkleidung, nicht nur für ihre Mitarbeiter, sondern auch für die Angehörigen der Kranken.


Regional wie überregional haben Palliativmediziner Empfehlungen erarbeitet, die als Orientierungshilfen in der Corona-Krise dienen und sich an Ärzte, Pflegepersonal und Patienten gleichermaßen richten. Informationen zu Hygiene- und Schutzmaßnahmen sind hier genauso zusammengestellt wie Hinweise zu Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht.

Betroffene brauchen Beratung

Viele Schwerkranke leiden in der Corona-Pandemie unter großer Unsicherheit. Da ist zum einen die Sorge, die schwere Vorerkrankung könne im Fall einer zusätzlichen Corona-Infektion ein Ausschlusskriterium sein, das den Patienten eine intensivmedizinische Behandlung verwehrt. Zum anderen gibt es aber auch Kranke, die einen Klinikaufenthalt ablehnen, jedoch um die Gewährleistung ambulanter palliativer Therapien fürchten.

"Unseres Teams sind auch in der Corona-Pandemie da und tun ihr Bestes, um die Patienten zu versorgen und zu schützen", betont Professor Lukas Radbruch. Paul Herrlein fügt hinzu: "Mehr denn je ist eine gute Beratung der Patienten und ihrer Angehörigen gefragt."

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