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Warum wir erst am Anfang der Pandemie sind

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Kampf gegen Corona - Warum wir erst am Anfang der Pandemie sind

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Auch wenn über weitere Lockerungen der Corona-Maßnahmen diskutiert wird: Die Pandemie ist noch ganz am Anfang. Warum das so ist und wie lange wir noch mit dem Virus leben müssen.

Menschen mit Masken im öffentlichen Bus
Um die Corona-Krise zu bewältigen brauchen wir einen langen Atem - voraussichtlich bis ins Jahr 2021.
Quelle: imago / ZDF

Die Pandemie sei die "größte Bewährungsprobe seit Beginn der Bundesrepublik". Sie sei eine "demokratische Zumutung". Wir bewegen uns "auf dünnem Eis" - mit drastischen Worten warnt Bundeskanzlerin Merkel in ihrer Regierungserklärung, das Erreichte im Kampf gegen das Coronavirus zu riskieren.

Die Regierungserklärung der Kanzlerin in voller Länge:

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nennt die Corona-Pandemie eine "demokratische Zumutung". Sie warnt davor, das bisher Erreichte durch zu forsche Lockerungen zu verspielen.

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26 min
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Und einen Satz, den Merkel heute im Bundestag gesagt hat, hört man auch an anderer Stelle immer wieder: Deutschland stehe erst am Anfang der Pandemie. Doch woher wissen wir das?

Entscheidend: Dunkelziffer der Infektionen

Ohne Schutzmaßnahmen oder Impfungen breitete sich das Coronavirus mit exponentieller Geschwindigkeit aus, bis etwa zwei Drittel der Menschen infiziert wären, das sind in Deutschland etwa 55 Millionen.

Erst dann wäre eine Herdenimmunität erreicht und die Ausbreitung gestoppt. Davon sind wir in Deutschland jedoch weit entfernt.

Claus Kleber erklärt, warum wir in Deutschland erst am Anfang der Epidemie stehen (Stand vom 13. April).

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Hierzulande wurden bislang insgesamt gut 150.000 Corona-Fälle offiziell registriert. Entscheidend ist aber die Frage: Wie hoch ist die Dunkelziffer? Eine in Österreich durchgeführte Studie ergab, dass fast dreimal so viele Menschen mit dem Virus infiziert sind, wie in der offiziellen Statistik angegeben. Die Zahl der durchgeführten Tests pro Einwohner in Österreich ist etwa mit der in Deutschland vergleichbar.

Lange keine Herdenimmunität in Sicht

Selbst die vielfach zitierte "Heinsberg-Studie" des Virologen Hendrik Streeck errechnete zwar eine vielfach höhere Dunkelziffer - aber auch sie nennt einen Anteil von "nur" 15 Prozent der Bevölkerung, der sich - teils ohne Symptome zu entwickeln - bereits mit dem Virus infiziert habe.

Und das, obwohl der Kreis Heinsberg ein Corona-Hotspot ist und Kritiker Streeck methodische Fehler vorwerfen, die dazu führen, dass die Anzahl der Infizierten überschätzt werde. So oder so - in Deutschland ist, so wie in allen anderen Ländern, eine Herdenimmunität nicht in Sicht.

Mathematische Modelle sagen Covid-19-Entwicklung voraus

Forscher der Universität Heidelberg, des FIAS in Frankfurt und des Forschungszentrums Jülich versuchen mit Computersimulationen das Ende der Corona-Epidemie in Deutschland vorauszuberechnen. Keines der Modelle lässt hoffen, dass die Krise schnell überstanden ist.

"Lassen wir die Kontaktsperren so weiterlaufen und ändern wir nichts, dann sehen wir einen Verlauf bis zum Ende dieses Jahres. Heben wir die Maßnahmen auf, gibt es eine weitere Infektionswelle und das Geschehen dauert noch länger", sagt Maria Barbarossa von der Uni Heidelberg/FIAS im ZDFheute-Interview.

Auch der Versuch, schnell eine Herdenimmunität aufzubauen, wird nach Meinung von Wissenschaftlern nicht funktionieren. Die Mathematiker Wolfgang Bock von der TU Kaiserslautern und Thomas Götz von der Universität Koblenz-Landau haben das ebenfalls mit Rechenmodellen herausgefunden:

Medikamente und Impfstoffe frühestens 2021

"Wir konnten an unseren Simulationen sehen, dass eine Strategie, die darauf abzielt, die Krankheit kontrolliert durchlaufen zu lassen, ohne dass das Gesundheitssystem überansprucht wird, scheitert", so die Forscher.

Daher ruht die Hoffnung auf der Entwicklung von Medikamenten und Impfstoffen. Doch selbst unter optimalen Bedingungen rechnen Experten damit nicht vor 2021. Und selbst das sehen manche noch skeptisch: Englands Chefmediziner Chris Whitty sagte am vergangenen Mittwoch, die Wahrscheinlichkeit für Impfstoff oder Medikamente im kommenden Jahr sei "unglaublich gering".

Fazit: In Deutschland ist - selbst unter den günstigsten Annahmen und unter Berücksichtigung einer sehr hohen Dunkelziffer - erst ein kleiner Teil der Bevölkerung mit dem Virus in Berührung gekommen. Bis eine Herdenimmunität aufgebaut ist beziehungsweise Medikamente oder ein Impfstoff zur Verfügung stehen, wird es wohl noch mindestens bis nächstes Jahr dauern.

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