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Corona bei einer Papaya?

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Probleme bei Covid-19-Tests - Corona bei einer Papaya?

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Tansanias Präsident behauptet, eine Papaya und eine Ziege seien positiv auf das Coronavirus getestet worden. Er fiel bereits mit anderen zweifelhaften Aussagen auf.

Papayas
Corona bei einer Papaya? - Die Aussage von Tansanias Präsident im ZDFheute Check (Symbolbild)
Quelle: dpa

Der Präsident von Tansania, John Magufuli, behauptet, dass Coronatests bei einer Papaya und einer Ziege positiv gewesen seien. Man habe bei dem Tier und der Frucht Proben entnommen, menschliche Namen auf die Proben geschrieben und sie in ein Labor geschickt. Auf die Papaya-Probe habe man "Elizabeth Ane, 26, weiblich" geschrieben, damit das Labor nicht misstrauisch wird. "Sollen jetzt alle Papayas in Isolation?", fragte der Präsident provokant.

Magufulis spielt die Gefahr durch die Corona-Pandemie seit Wochen herunter, sein Umgang mit der Krise wurde schon häufig kritisiert. Der Staatschef schlug vor, gegen das Virus zu beten und Dampf einzuatmen. Auch kündigte er an, ein angebliches Corona-Heilmittel aus Madagaskar zu kaufen - dabei handelt es sich um eine Art Tee. Laut der Weltgesundheitsorganisation gibt es jedoch noch keine Studien, die die Wirksamkeit des Stoffs gegen Covid-19 belegen.

Archiv: John Magufuli (m) aufgenommen am 05.11.2015
John Magufuli, Präsident von Tansania, fiel mit zweifelhaften Aussagen zum Coronavirus auf - er riet dazu, zu beten und Dampf einzuatmen (Archivbild).
Quelle: Reuters

Bei Tigern wurde das Coronavirus bereits nachgewiesen. Wie wahrscheinlich ist es, dass Magufuli mit seinem aktuellen Vorwurf Recht hat? Welchen Grund könnte es für die positiven Ergebnisse bei der Ziege und der Papaya geben?

Möglichkeit 1: Ein Infizierter hat das Virus auf die Ziege und die Papaya gehustet oder anderweitig übertragen.

"Wenn jemand mit Coronavirus auf eine Papaya hustet, wird er die Papaya kontaminieren - wenn sie aufgeschnitten ist, auch innen, ansonsten außen an der Schale. Das Virus wäre dann vermutlich nachweisbar", sagt der Epidemiologe Andreas Gerritzen, der das Medizinische Labor Bremen leitet, in dem täglich rund 800 Proben auf das Coronavirus untersucht werden. "Das Virus ist auf Oberflächen relativ gut haltbar", sagt Gerritzen.

Im Paul-Ehrlich-Institut hat man von einer Infektion einer Pflanze mit dem Coronavirus noch nichts gehört. Auch wisse man nicht, ob es Testkits gibt, die geeignet sind, um Pflanzen auf das Coronavirus zu testen. Präsident Magufuli nannte keine Details zur Testweise, sprach lediglich davon, dass man das Innere der Papaya getestet habe.

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Dass Ziegen das Coronavirus haben und verbreiten können, hält das Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit für sehr unwahrscheinlich. Zwar sind bereits Corona-Infektionen bei Tigern und Katzen nachgewiesen worden. "Man muss aber noch untersuchen, ob sie es auch weitergeben können", sagte eine Sprecherin.

"Hühner und Schweine sind dagegen nicht infizierbar und geben das Virus nicht weiter", sagte sie und verweist auf Studien ihres Instituts. Ihnen lägen keine Hinweise dazu vor, dass Ziegen an dem Virus erkranken könnten. Möglich sei aber, dass ein Mensch mit einer hohen Viruslast das Tier etwa angehustet habe und die Probe dadurch positiv ausgefallen ist.

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Möglichkeit 2: Die Testkits waren mit dem Virus kontaminiert oder fehlerhaft.

Der Staatschef des ostafrikanischen Landes beklagte, die importierten Testkits seien "mangelhaft". Die Tests wurden von der afrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC und der Stiftung des Alibaba-Gründers Jack Ma bereit gestellt. "Wir wissen, dass die Tests, die Tansania benutzt, sehr gut funktionieren", sagte John Nkengasong, Leiter von Africa CDC.

Auch die WHO widersprach der Darstellung des Präsidenten: "Wir sind überzeugt, dass die Tests, die gestellt wurden und die auf dem internationalen Markt sind, (...) nicht mit dem Virus kontaminiert sind", sagte die Afrika-Leiterin der WHO, Matshidiso Moeti. Nach Magufulis Äußerungen wurde die Leiterin des nationalen Labors suspendiert.

Möglichkeit 3: Das Labor hat unsauber gearbeitet und die Probe kontaminiert.

Laborchef Andreas Gerritzen: "Wenn in einem Labor nicht sauber gearbeitet wird, ist es möglich, dass eine corona-positive Probe eine andere kontaminiert." Das PCR-Verfahren als solches sei "sehr anfällig für Kreuzkontaminationen." Bei einem PCR-Test wird ein Abstrich aus dem Mund-, Nasen- oder Rachenraum gemacht und im Labor auf das Erbgut des Virus hin untersucht. Auch die Sprecherin vom Friedrich-Loeffler-Institut sagte: "Wenn dem Labor ein Fehler unterlaufen ist, sollte man das auch zugeben."

WHO fürchtet bis zu 190.000 Tote

Tansania verzeichnet der Africa CDC zufolge 480 Corona-Fälle. Ein Grund für die vergleichsweise niedrige Zahl könnte sein, dass nur wenig getestet wird. Die Weltgesundheitsorganisation befürchtet, dass in Afrika im ersten Jahr der Corona-Pandemie bis zu 190.000 Menschen sterben könnten.

Mit Material von Reuters und dpa.

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