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Trend zu Eskalationen? - Party in Corona-Zeiten: Ein Blick ins Land

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Während Corona trifft sich die Partyszene draußen. In Stuttgart, Frankfurt und Berlin eskalierte die Lage. Einzelfälle oder ein Trend? Eine Umfrage bei Polizeibehörden.

Archiv, Berlin: "DJ Himself" legt im Volkspark Hasenheide bei einer Party auf.
Raver-Party im Berliner Volkspark Hasenheide (Archivbild).
Quelle: dpa

Es ist ein lauer Sommerabend, elektronische Musik schallt in die Dunkelheit des Parks. Kleine Grüppchen sitzen auf Decken zusammen, haben Kühltaschen mit Bier und anderen Getränken dabei. Die Stimmung im Volkspark Hasenheide in Berlin-Neukölln wirkt einladend - wäre da nicht Corona.

Ein unangemeldeter Rave mit 3.000 Menschen ist in Zeiten einer Pandemie schlichtweg eine schlechte Idee - und außerdem verboten. Erlaubt wäre eine Veranstaltung mit maximal 1.000 Menschen, vorheriger Genehmigung der Stadt, unter Einhaltung der Corona-Regeln. Wenig überraschend also, dass die Berliner Polizei die Party schnell aufgelöst hat.

Frankfurt, Stuttgart, Berlin: Einzelfälle oder bundesweiter Trend?

Die Räumung verlief friedlich und ohne gewaltsame Ausschreitungen, teilte die Berliner Polizei am Sonntag mit. Anders als in Frankfurt am Main und in Stuttgart: In beiden Städten hatten sich in den letzten Wochen an zwei Abenden regelrechte Mobs gegen Polizeibeamte gebildet.

Haben die Ausschreitungen gegen Polizeibeamte infolge der Corona-Maßnahmen bundesweit zugenommen? Und: Welche Rolle spielen die Corona-Partys dabei? Der Rave im Volkspark Hasenheide war schließlich keine Ausnahme - mehrere Partys in Berlin und anderen Großstädten sorgten bereits für Empörung.

Party in Zeiten von Corona: Lage in Deutschland

ZDFheute hat mit Polizeibehörden im ganzen Land über die Lage gesprochen. Die wichtigsten Erkenntnisse:

  • Immer mehr Menschen treffen sich an öffentlichen Plätzen, in Parks oder privaten Haushalten
  • Die häufigsten Gründe hierfür: geschlossene Clubs und Bars wegen der Corona-Beschränkungen
  • Unmittelbare Corona-Bezüge haben die Zusammenkünfte selten
  • Übermäßiger Alkoholkonsum und Gruppendynamiken sorgen vereinzelt für Ausschreitungen
  • Eskalationen bei Zusammenkünften gab es schon vor der Corona-Pandemie
  • Mehrheit der Behörden verzeichnet keine aggressive Grundstimmung gegenüber der Polizei

Überblickskarte: Corona-Partyszene in Deutschland

Polizei warnt vor Verallgemeinerung

Ja, es treffen sich viele Menschen in der Öffentlichkeit. Grund dafür sei aber kein wachsender Protest gegen die Beschränkungen, sondern schlicht gutes Wetter und die Tatsache, dass Clubs und Bars derzeit geschlossen seien. Ob sich mehr Menschen als früher treffen, wird nicht erfasst, heißt es vonseiten der Behörden.

Damit würde eine Zunahme der Meldungen wegen Ruhestörungen einhergehen, schlussfolgert die Leipziger Polizei. Die einzelnen Fälle könnten aber nicht "verallgemeinert werden", sagte die Sprecherin. Auch Andreas Krombacher, Sprecher der Polizei Stuttgart, warnt vor falschen Schlüssen:

Wir haben natürlich wie jedes Jahr im Sommer Treffen an öffentlichen Plätzen. Das ist in diesem Jahr nicht anders als zuvor.

Ausnahme München: Stimmung teils "angespannter"

Eine zunehmende Feierlaune seit Beginn der Corona-Maßnahmen hat lediglich die Polizei in München festgestellt. Dabei wurde "zumindest in Teilen eine angespanntere Grundstimmung als in den Vorjahren wahrgenommen", so die Sprecherin.

Die Polizeibehörden in Mannheim, Leipzig, Dresden, Frankfurt (Oder), Stuttgart, Cottbus und Bremen teilen diese Einschätzung nicht. In den Städten seien keine unmittelbaren Corona-Bezüge oder aggressiveren Tendenzen festgestellt worden. Auch eine Sprecherin der Berliner Polizei erklärt nach den Vorfällen vom Wochenende: "Die Örtlichkeiten wurden bereits vor der Corona-Pandemie bei gutem Wetter stark frequentiert."

Quelle der Umfrage: Polizeipressestellen der Städte Berlin, Bremen, Dresden, Leipzig, München, Stuttgart, Mannheim, Cottbus, Frankfurt (Oder) und Frankfurt am Main sowie Hamburg. Weitere Anfragen laufen noch.

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