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"Ruhe vor dem Sturm" auf Deutschlands Intensivstationen

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Lage in Krankenhäusern - "Ruhe vor dem Sturm" auf Deutschlands Intensivstationen

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Viele Kliniken bereiten sich auf den Pandemie-Ernstfall vor. Ist er bereits eingetreten? Ein Überblick zur Lage in Deutschlands Intensivstationen.

Ein Bett in einer Intensivsation in einem Krankenhaus in Recklinghausen am 20.03.2020
Durch die Ausbreitung des Coronavirus und die Zunahme der Fallzahlen werden derzeit bundesweit elektive Eingriffe verschoben und die Intensivbettenkapazität aufgestockt.
Quelle: dpa

Neue Sauerstoffgeräte, abgesagte Operationen und Notfall-Dienstpläne: Die Vorbereitungen für den Ernstfall in Deutschlands Krankenhäusern laufen. Bisher ist dieser aber noch nicht eingetroffen. Aktuelle Zahlen belegen: Trotz weltweiter Corona-Pandemie ist die aktuelle Lage in Deutschlands Intensivstationen überschaubar.

"Ruhe vor dem Sturm"

Derzeit sind laut "Intensivregister" 691 Betten mit Coronavirus-Patienten belegt - also weniger als 3 Prozent aller vorhandenen Intensivbetten (Stand: 24. März, 14 Uhr). Insgesamt gibt es in Deutschland rund 1.200 Intensivstationen mit 28.030 Betten, zählen Statistisches Bundesamt und die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI).

Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) verfügt über eine der größten Intensivstationen Deutschlands. Ein dort praktizierender Arzt bestätigt: "Hier herrscht die Ruhe vor dem Sturm." Von einer Überlastung sei noch nichts zu spüren, so der Mediziner, der anonym bleiben möchte.

Register für Covid-19-Patienten

Die Anzahl von 691 Corona-Patienten geht aus einem neu gegründeten "Intensivregister" hervor. Es basiert auf dem freiwilligen Datenaustausch von Kliniken mit der DIVI, dem Robert Koch-Institut (RKI) und der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG). Anspruch auf Vollständigkeit erhebt es nicht.

Bisher erfasse das Register etwa die Hälfte aller Kliniken mit Intensivstationen, so DIVI-Sprecher Torben Brinkema. Insbesondere die Zahlen kleinerer Krankenhäuser fehlten noch. Eine verpflichtende "Erfassung der intensivmedizinisch behandelten Fälle" sehe das Gesundheitsministerium aktuell nicht vor, sagte ein Sprecher.

Trotz hoher Kapazitäten: Keine Entwarnung

Um für schwerere Verläufe des Coronavirus gewappnet zu sein, benötigen Intensivstationen ausreichend Beatmungsgeräte. In Italien gab es einen dramatischen Engpass. In Deutschland gibt es laut DKG etwa 25.000 Beatmungsplätze. Bei der aktuellen Coronavirus-Patientenanzahl also kein Grund zur Sorge?

"Deutschland hat EU-weit die mit Abstand höchsten Kapazitäten bei Betten, Intensivbetten und Beatmungsplätzen", sagte ein DKG-Sprecher. Eine EU-Studie bestätigt das. Trotzdem sei dies kein Grund zur Entwarnung: "Trotz aller Vorbereitung werden die nächsten Wochen mit sehr großen Anstrengungen für Pflegekräfte, Ärzte und viele andere Mitarbeiter im Gesundheitswesen verbunden sein."

Corona-Maßnahmen für Gesundheitssystem

Experten rechnen mit einem rasanten Anstieg der Fälle. Auch wenn derzeit noch wenig davon zu spüren ist: Eine Patientenwelle mit Coronavirus-Erkrankten könnte das Gesundheitssystem an seine Grenzen bringen.

In Vorbereitung auf eine mögliche Coronavirus-Patientenwelle, sind derzeit viele Maßnahmen im Gespräch. Das Gesundheitsministerium kündigte Hilfen im Umfang von bis zu zehn Milliarden Euro an. Zudem könnte der Bundesarbeitsminister das Arbeitszeitgesetz über eine Notverordnung lockern.

Hohe Anforderungen ans Pflegepersonal

Die Ruhezeiten für Beschäftigte im Gesundheitswesen könnten dann auf neun Stunden verkürzt werden, sagte Verdi-Chef Frank Werneke im Interview mit heute.de und kritisierte solche Überlegungen von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) scharf.

Einer Krankenpflegerin, die nicht namentlich genannt werden möchte, wurden derartige Pläne bereits von ihrer Krankenhausleitung angekündigt: Sollte es zu einer Überlastung der Kapazitäten kommen, müssten die Pfleger sich auf zehntägige Schichtdienste einstellen - weit mehr als üblich.

Vorbereitung auf "Lazarett-Szenarien"

Viele Kliniken bereiten sich auf einen Anstieg der Corona-Patienten vor: "Wir haben sehr viel Zeit um Vorkehrungen zu treffen, um im Ernstfall möglichst viele Kapazitäten freizuhaben", so der UKE-Arzt. Dazu zählten Schulungen für Mitarbeiter, um diese kurzfristig auf der Intensivstation einzusetzen.

Der katholische Krankenhausverband bereitet sein Personal ebenfalls auf den Ernstfall vor:

Wir setzen uns mit unvorstellbaren Lazarett-Szenarien auseinander.
Ingo Morell, Katholischer Krankenhausverband

Dies umfasse auch die seelsorgerische Betreuung des Personals.

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