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Pessachfest in besonderen Zeiten

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Jüdisches Leben - Pessachfest in besonderen Zeiten

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Kein Gottesdienst in der Synagoge. Kein gemeinsames Essen in der Gemeinde. Keine Reise zur Familie. Ein Pessachfest wie 2020 hat es in der jüdischen Geschichte noch nicht gegeben.

Ein Mann nimmt an einem jüdisch-orthodoxen Ritual teil, bei dem er Brot verbrennt.
"Gesäuertes" darf während des Pessachfests nicht gegessen werden. Damit ist vor allem Brot gemeint. Es wird bei einem jüdisch-orthodoxen Ritual verbrannt.
Quelle: dpa

Es ist das Fest, an dem die ganze Familie von überall her zusammenkommt, in der Synagoge Gottesdienste gefeiert werden und am Tisch gemeinsam gegessen wird. Normalerweise. Doch Pessach ist in diesem Jahr anders. Auch eines der wichtigsten Feste des jüdischen Jahres ist überschattet von der Corona-Krise.

Trotz der Einschränkungen wird Pessach, das an die Befreiung des Volkes Israel aus der ägyptischen Sklaverei erinnert, gefeiert. Nur anders als sonst. Denn normalerweise feiern gläubige Juden das Pessachfest so:

Pessach in Corona-Zeiten: eine besondere Herausforderung

Die aktuellen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Eindämmung des Coronavirus wirken auch tief in den Ablauf des Pessachfestes hinein. Der Gottesdienst in den Synagogen fällt aus. Der Sederabend kann nicht als gemeinsame Feier im erweiterten Familien- und Freundeskreis oder in großer Runde in der Gemeinde stattfinden.

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Hinzu kommt: Eigentlich ist die Nutzung von Elektrizität oder elektrischen Geräten nach jüdischem Religionsrecht an solchen Feiertagen verboten. In der Corona-Krise erlauben die orthodoxen Rabbiner allerdings die Teilnahme per Video am Pessachfest. Auch sonst gibt es in den jüdischen Gemeinden große Kreativität und viel Einfallsreichtum, um trotz des gebotenen körperlichen Abstands doch Nähe zu schaffen.

Mit Kreativität und Einfallsreichtum zum Miteinander

Die israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern hat vergangenen Sonntag ein "Beispiel-Seder" per Videokonferenz durchgeführt. Gemeindemitglieder, die bisher noch keinen Seder geleitet haben und nun aufgrund der Umstände im Familienkreis diese Rolle übernehmen müssen, konnten so den Ablauf noch einmal gemeinsam mit dem Gemeinderabbiner durchgehen.

Die jüdische Gemeinde Hanau bietet sogar einen online übertragenen "Live-Seder" an. In Nürnberg hat sich die jüdische Gemeinde ebenfalls mit solchen Online-Tools beholfen, um so gut es geht eine Atmosphäre der Gemeinsamkeit zu schaffen. Jo-Achim Hamburger, Vorsitzender der israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg betont:

Eines hat uns das Coronavirus nicht genommen, den Zusammenhalt. Unser Glauben hat uns schon durch viele schwere Zeiten getragen.
Jo-Achim Hamburger, israelitische Kultusgemeinde Nürnberg

Eine besondere Zeit auch mit besonderen Chancen

Optimistisch blickt auch die liberale jüdische Bloggerin Juna Großmann aus Berlin auf dieses besondere Pessach-Fest: "Die aktuelle Situation bietet mit all den virtuellen Hilfsmitteln, die sich daraus entwickelt haben, auch eine große Chance."

Sie ist ein wunderbarer Türöffner, der es auch Menschen nicht-jüdischen Glaubens möglich macht, am jüdischen Leben teilzuhaben.
Juna Großmann, jüdische Bloggerin

Für Rabbiner Professor Andreas Nachama bleibt der live übertragene Gottesdienst in virtueller Form dagegen nur eine Hilfskonstruktion: "Er kann sicher nicht ersetzen, was ein religiöses Miteinander ausmacht." Doch auch der Vorsitzende der Allgemeinen Rabbinerkonferenz Deutschland betont: "Jeder Rabbiner soll in seiner eigenen Gemeinde einen geeigneten Zugang zu Alternativen zu den Gottesdiensten finden."

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