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Die Sorgen pflegender Angehöriger

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Demenzkranke in der Corona-Krise - Die Sorgen pflegender Angehöriger

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Pflegende Angehörige sind in der Corona-Krise am Limit: Tagespflegeeinrichtungen sind geschlossen - und das Budget wird für die Einzelbetreuung zuhause oft nicht gezahlt.

Junge und ältere Frau sitzen auf der Bettkante
Nicht nur ältere Menschen können auf die Hilfe von Angehörigen angewiesen sein.
Quelle: imago/photothek

Bei fast allem braucht Erika Schug Hilfe, denn die 81-Jährige ist dement. Würde man ihr die Mahlzeiten nicht hinstellen, würde sie sogar vergessen zu essen. "Doch das Schlimmste sind die Ängste, unter denen meine Mutter leidet", erzählt Stefan Schug.

Tagespflegeeinrichtungen geschlossen

Vor dem Corona-Lockdown besuchte Erika Schug zweimal die Woche eine Tagespflegeeinrichtung des Demenzvereins Saarlouis. Die Gemeinschaft in der Gruppe tat Erika Schug gut. Gemeinsame Mahlzeiten, Musik, Gesellschaftsspiele, Bewegungstherapie - all das sind Bausteine, die den Kranken soziale Kontakte ermöglichen und die Lebensqualität steigern. Gleichzeitig werden ihre Familien entlastet, betont Andreas Sauder von der Landesfachstelle Demenz Saarland.

Auszeiten sind  enorm wichtig für Angehörige, denn Demenzkranke zeigen oft ein Verhalten, das nicht nur von Verwirrtheit und Unsicherheit geprägt ist, sondern auch von Angst und Aggression.

Während Besuche in Seniorenheimen unter strengen Auflagen wieder erlaubt sind, ist vielerorts eine Tagesbetreuung von Pflegebedürftigen immer noch nicht möglich. Gerade wenn die Angehörigen arbeiten müssen, ist die Situation kaum zu bewältigen.

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Während des Corona-Lockdowns waren die meisten Tagespflegeeinrichtungen komplett geschlossen. Allmählich werden die Pforten wieder geöffnet, wegen der strengen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen aber oft nur für sehr wenige Patienten. Eine Alternative kann die mobile häusliche Betreuung sein, die einige Einrichtungen mit ihren Mitarbeitern stundenweise anbieten. Doch immer wieder gebe es Fälle, in denen die Kostenübernahme durch die Pflegekassen Probleme bereite, berichtet Andreas Sauder. Er weiß von Angehörigen, die wochenlang auf Antwort warten.

Budget wird nicht ausgezahlt

Stefan Schug ist einer dieser Angehörigen. In den letzten sechs Wochen, so Schug, habe er mehrfach mit der Knappschaft, bei der seine Mutter versichert ist, telefoniert, doch eine konkrete Antwort bekam er lange Zeit nicht. Pflegebedürftigen steht ab Pflegegrad 2 ein Tagespflegebudget zum Besuch einer Tagespflegeeinrichtung zu. Doch wegen der Schließung während des Lockdowns wurden diese Gelder vielfach nicht abgerufen.

Pflege-Expertin Susanne Hallermann skizziert mögliche Auswege.

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Sie flossen, so der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), in den Pflegerettungsschirm, der unter anderem den Pflegeeinrichtungen zur Verfügung steht, um beispielsweise Mindereinnahmen in der Corona-Krise auszugleichen und Löhne weiter zu zahlen. Ein gesetzlicher Anspruch der Versicherten, Tagespflegeleistungen in Form von Pflegegeld oder Sachleistungen in der häuslichen Pflege zu nutzen, besteht derweil nicht.

Laut Pressestelle der AOK haben sich die Pflegekassen darauf verständigt, dass das Personal von Tagespflegeeinrichtungen zu den Pflegebedürftigen nach Hause gehen und der Leistungsbetrag für die Tagespflege abgerechnet werden könne. Da jedoch der gesetzliche Anspruch fehle, liege eine Kostenerstattung im Ermessen der jeweiligen Kasse.

Verein fordert Hilfe für pflegende Angehörige

Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. (DAlzG) sieht deshalb dringenden Handlungsbedarf in der Politik und fordert vom Gesetzgeber flexiblere Unterstützungsmöglichkeiten. Bislang aber seien pflegende Angehörige nicht ausreichend berücksichtigt. "Und dies, obwohl sie mit 75 Prozent den größten Teil der Pflegebedürftigen in Deutschland versorgen; ohne sie wäre das System vollkommen überfordert", sagt Monika Kaus, Vorsitzende der DAlzG.

ZDFheute hat auch die Knappschaft, bei der Stefan Schugs Mutter Erika versichert ist, kontaktiert und um Erläuterungen gebeten. In der vor kurzem erhaltenen Antwort heißt es: "Sofern Frau Schug die Leistungen der Tagespflege durch das Pflegepersonal dieser Einrichtung in der Häuslichkeit in Anspruch nehmen möchte, bestehen keine Bedenken, diese Leistungen aus dem Leistungsbetrag der Tagespflege (§ 41 SGB XI) abzurechnen."

Anspruch nicht auf Einzelbetreuung übertragbar?

Das klang vor einigen Tagen noch anders. Stefan Schug hatte nämlich einen Brief von der Knappschaft erhalten. Darin wurde ihm mitgeteilt, dass der Anspruch aus der Tagespflege leider nicht auf eine stundenweise häusliche Einzelbetreuung übertragbar sei, dagegen könne er aber Widerspruch einreichen.

Wenig später jedoch meldete sich eine Mitarbeiterin der Pflegekasse erneut telefonisch bei ihm mit einem neuen Sachstand: Er müsse keinen Widerspruch einlegen, der Antrag werde doch genehmigt. 

Archiv: Eine alte und demenzkranke Frau am 29.11.2012

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