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Zu wenig Tests, zu wenig Kontrolle

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Corona in Pflegeheimen - Zu wenig Tests, zu wenig Kontrolle

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Viele Bewohner von Altenheimen leiden unter Corona-Maßnahmen. Abgeschottete Heime, ausgesetzte Kontrollen und überbelastetes Pflegepersonal sind eine fatale Kombination.

Eine Besucherin unterhält sich im Besuchsraum des Elisabeth-Roock-Haus mit ihrer Angehörigen.
Nordrhein-Westfalen, Solingen: Corona-Alltag in einem Solinger Pflegeheim. Bewohner und Pflegekräfte in Heimen leiden ganz besonders unter den Corona-Maßnahmen.
Quelle: dpa

Die Hälfte aller etwa 9.400 Toten im Zusammenhang mit Covid-19 in Deutschland kommt aus dem Umfeld von Altenheimen. Es trifft vor allem Bewohner, aber auch Pflegekräfte und Betreuer. Pflegeheime haben sich, um Ansteckungen zu vermeiden, teilweise fast komplett von der Außenwelt abgeschottet. Der Arbeitsaufwand ist durch Hygienemaßnahmen für das Pflegepersonal deutlich gestiegen.

Stark vernachlässigte Bewohner

Frontal 21 liegen aktuelle Bilder und Videos aus Altenheimen vor, die stark vernachlässigte Bewohner zeigen. Pflegekräfte, die anonym bleiben wollen, berichten: "Die Personalsituation in der Pflege war noch nie gut. Aber wir hatten immer Angehörige oder Therapeuten, die ins Haus gekommen sind und die den Alltag ein bisschen gefüllt haben. Das fehlt komplett."

Es ist wirklich nur noch waschen, essen, ab ins Bett.
Anonyme Pflegekraft

Hedwig Francois-Kettner, ehemalige Vorsitzende des Aktionsbündnisses Patientensicherheit, kommt zu einem alarmierenden Befund. Die Situation sei teilweise "unmenschlich und es ist unter jeder Würde". Deswegen fordert sie: "Hier muss genauer hingeschaut werden." Es könne nicht sein, dass der öffentliche Gesundheitsdienst oder der Medizinische Dienst der Krankenkassen nicht vor Ort kontrolliere. Tatsächlich sind  Überprüfungen von Heimen vor Ort wegen der Corona-Krise ausgesetzt.

In ihrer ersten Sendung der diesjährigen Sommerstaffel erfährt Dunja Hayali in einem Pflegeheim von vielen menschlichen Schicksalen.

Beitragslänge:
10 min
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Pflegebetroffene Menschen werden abgeschottet

Missstände in den Pflegeheimen hat auch die Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen (BIVA-Pflegeschutzbund) registriert. Tausende betroffene Angehörige haben sich in den vergangenen Monaten an den Pflegeschutzbund gewandt und über Abschottung ihrer Angehörigen geklagt.

Verbraucherschützer warnen bei den Pflegekosten. Archivbild

Kabinett -
Pflege-Rettungsschirm soll verlängert werden
 

Erstattung von Corona-Mehrkosten, Unterstützung bei häuslicher Pflege: Das Kabinett will den Rettungsschirm für die Pflege verlängern. Das reicht Patientenschützern nicht aus.

Dem BIVA-Pflegeschutzbund liegen nach eigenen Angaben zahlreiche Berichte über gehäufte Pflegemängel vor wie z. B. Gewichtsabnahmen, zu wenig Flüssigkeitszufuhr oder Druckgeschwüre. In einem aktuellen Positionspapier fordert der Verband mehr Transparenz, Kontrollen und Pflicht-Tests für die Pflegebranche. Laut Verband seien es doch vor allem Infektionen beim Personal, die den Virus ins Heim gebracht hätten.

Frontal21-Umfrage: Pflegepersonal wird nicht regelmäßig und verdachtsunabhängig getestet

Auch viele Pfleger und Pflegerinnen fordern, dass sie besser und regelmäßiger als bisher auf Corona getestet werden. So hat Heinz Fleck, Leiter eines Altenheims in Fröndenberg bei Dortmund, eine Petition gestartet, wonach Pflegepersonal regelmäßig alle 14 Tage getestet werden soll:

Wir in der Pflege sind die Personengruppe, die am nächsten am Menschen arbeitet und wir brauchen die Sicherheit.

Bisher sieht die aktuelle Test-Strategie des Robert-Koch-Instituts (RKI) vor, dass auch in Pflegeheimen nur anlassbezogen getestet wird. Nur in Gebieten mit hohen Neuerkrankungsraten und dort, wo besonders krankheitsgefährdete Gruppen leben, kann "regelmäßig, z.B. alle zwei Wochen, getestet werden".

Kliniken und Pflegeheime sind besonders auf viele Corona-Tests angewiesen. In einigen Bundesländern wird dort bereits flächendeckend getestet – zum Beispiel in Baden-Württemberg.

Beitragslänge:
2 min
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Diese Kann-Bestimmung des RKI führt dazu, dass in keinem Bundesland eine regelmäßige, flächendeckende und verdachtsunabhängige Testung des Pflegepersonals durchgeführt wird. Das hat eine Frontal21-Umfrage ergeben.

Nur in Sachsen und Nordrhein-Westfalen soll dann regelmäßig Pflegepersonal getestet werden, wenn das Infektionsgeschehen in Landkreisen bestimmte Schwellenwerte überschreitet. Einer Ausweitung der Tests erteilt NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) Frontal21 gegenüber eine Absage: "Wir kommen natürlich auch an die Grenzen unserer Kapazitäten."

Dunja Hayali -
"Riesen-Spagat" für die Pflegeleitung
 

Die Corona-Pandemie hat ganz Deutschland getroffen. Auch vor Pflegeheimen machte das Virus nicht Halt. Wie erleben Pflegekräfte, Pflegebedürftige und Angehörige den Corona-Alltag?

von Dunja Hayali
Videolänge:
2 min

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