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Corona: Prostituierte in Not - "Zehn Euro ohne Gummi"

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Prostituierte trifft die Corona-Pandemie besonders hart. Die Bordelle sind geschlossen und die Frauen sind ihren Kunden zunehmend ausgeliefert. Vielen droht Obdachlosigkeit.

Die Not der Sexarbeiterinnen

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Kurfürstenstraße: Ein Dutzend Frauen in engen Hosen und hohen Schuhen laufen den Bordstein auf und ab. Auf Berlins bekanntestem Straßenstrich gehen die Geschäfte weiter, trotz Corona.

Die Not der Frauen wird sich immens verschärfen

"Trotz Quarantäne gehen die Mädchen arbeiten", erzählt eine Rumänin, die hier seit Jahren steht. Sie fügt hinzu: "Einige arbeiten für zehn Euro - ohne Gummi." Denn es kämen immer weniger Kunden - und die können im Überangebot der Frauen ihre Preise durchsetzen.

Gerhard Schönborn hat in seinem Café Neustart schon viele Frauen beraten. Er betrachtet das Geschehen vor der Haustür mit großer Sorge:

Die Frauen sind noch mehr den Männern ausgeliefert, weil sie auf das Geld noch mehr angewiesen sind, als vorher schon.
Gerhard Schönborn, Café Neustart

Und damit ändere sich auch das, was die Frauen machen müssen.

Dazu kommt: Viele Orte, an die sich die Frauen bisher zurückziehen konnten - Notunterkünfte, Duschmobile, Kleiderkammern, Nachtcafés - wurden in Folge der Maßnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus geschlossen, so auch das Beratungscafé von Gerhard Schönborn. Er warnt: Die Not der Frauen werde sich immens verschärfen.

Wie, das hat die Bulgarin Crissa in den letzten Tagen erlebt. Auch Crissa arbeitet als Prostituierte auf der Kurfürstenstraße. Ihre Notunterkunft wurde geschlossen. Jetzt schlafe sie auf der Straße, im Park, erzählt sie:

Viele Leute, viele Frauen schlafen auf der Straße.

Und Crissa habe beobachtet, dass neue Frauen dazugekommen sind. Auch Gerhard Schönborn befürchtet, dass bald noch mehr Frauen auf der Straße stehen, denn alle Bordelle wurden geschlossen.

Frauen warten auf Ende des Kontaktverbotes

Aurel Johannes Marx ist Bordell-Betreiber, er zeigt seinen leeren Laden, das Bordell Lankwitzer 7. Dort, wo sonst an einem Freitagabend Kunden auf Prostituierte gewartet haben, liegen verwaiste Bettdecken.

Und die Frauen, wo sind die jetzt? "Die Frauen sitzen alle in Wohnungen von uns, zumindest die, die nicht nach Hause kommen und hoffen, dass irgendwann die Ukraine wieder aufmacht, oder dass andere Länder wieder aufmachen", erzählt Marx.

Solange versuche er, soweit es ginge, die Frauen zu finanzieren. Aber der Bordell-Betreiber fordert auch vom Staat Hilfsangebote. Schließlich sei auch sein Bordell ein Wirtschaftsunternehmen, das nichts zu verschenken habe: "Ein, zwei, drei Wochen mittragen würde sicherlich gehen. Aber das Ganze jetzt über ein, zwei, drei Monate mitzutragen, dann kracht es  hier richtig."

Vom Bordell in private Wohnungen

Prostituierte auf Kundensuche - im Internet gibt es zahlreiche Kontaktanzeigen und der Bordell-Betreiber weiß: Auch in der Corona-Krise kaufen Männer Sex. Aber das Geschäft habe sich verlagert vom Bordell in private Wohnungen.

Verständlich, findet Marx: "Das kann man denen auch gar nicht übel nehmen, wenn da nur noch ein 50er in der Tasche haben und da hinten der Supermarkt weiterhin Geld haben will, müssen sie ja irgendwas machen, um an Geld ranzukommen."

Und das sei in der Privatwohnung im Zweifel immer noch besser, als sich in die Kurfürstenstraße zu stellen.

Wie viele Frauen schon obdachlos sind, ist schwer zu sagen. Wahrscheinlich einige hundert. Fest steht: Viele Frauen sind ohne Hilfe.

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