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Was macht die Pandemie mit der Psyche?

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Neue Corona-Beschränkungen - Was macht die Pandemie mit der Psyche?

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Nach der Urlaubs- und Ferienzeit kommt der Alltag zurück - mit neuen Corona-Regeln. Wie reagiert unsere Psyche auf das Wechselspiel von Lockerungen und Beschränkungen?

Archiv: Stress im Homeoffice.
Was sind die seelischen Folgen der Corona-Krise?
Quelle: Colourbox

Ein Bußgeld für Maskenverweigerer, mögliche Teilnehmerbegrenzungen bei Feiern mit Freunden und Familie und keine Großveranstaltungen mehr in diesem Jahr: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und die Ministerinnen und Minister der Länder haben am Donnerstag auf steigende Corona-Fallzahlen reagiert und einheitliche, strengere Regeln beschlossen.

Die Einschränkungen folgen auf die Ferien- und Urlaubszeit, die wohl einige genutzt haben dürften, um etwas Abstand von Corona zu bekommen - und etwas Normalität zu suchen. Nun wird es wieder strenger. Was macht das mit den Menschen in Deutschland? Wie reagiert die Psyche darauf?

Nach langen Beratungen mit den Länderchefs hat die Bundeskanzlerin die neuen Regeln vorgestellt. Die Bekämpfung der Pandemie sei nach wie vor eine Gesamtherausforderung.

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Mehr Patientinnen und Patienten in den Praxen

Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen berichten derzeit noch öfter von Gefühlen der Wut, Resignation, Aggression und sozialem Rückzug bei ihren Patientinnen und Patienten. Und behandeln in der Folge mehr Fälle von Ängsten und Depressionen. Das sagt Gebhard Hentschel. Er ist Vorsitzender der Deutschen Psychotherapeutenvereinigung (DPtV) und kann aus dem Praxisalltag erzählen.

Dabei betont er die unterschiedlichen Voraussetzungen und die Anpassungsfähigkeit bei jedem Menschen:

Jeder Mensch reagiert anders auf Krisen.
Gebhard Hentschel, DPtV

Dennoch lasse sich eine weitere Entwicklung ablesen: "Die Menschen kommen verstärkt zu uns." Es seien ganz unterschiedliche Themen, die die Menschen in die Praxen trieben: eine Mutter, die die Belastung von Homeoffice, Kinderbetreuung und einem resginierten Partner in Kurzarbeit schultern muss. Oder ein Patient mit Angst vor Impfungen oder Erkrankungen. Die Folge: Der Bedarf an Behandlungen aufgrund von Angststörungen und Depressionen sei gestiegen, so der DPtV-Vorsitzende.

Depression ist ein Tabuthema. Besonders Männern fällt es oftmals schwer, sich professionelle Hilfe zu suchen. Der 35-Jährige Andy Feind will das Schweigen brechen und mit dem Stigma aufräumen.

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Mehr häusliche Gewalt im familiären Umfeld

Die Pandemie betrifft nicht nur Erwachsene enorm. "Wir sehen, dass die Fälle häuslicher Gewalt bei Kindern und Jugendlichen zunehmen", sagt Gebhard Hentschel. Davor hatten Expertinnen und Experten zu Beginn der Krise gewarnt. Eine Umfrage hatte im Juli einen Anstieg der Fälle von häuslicher Gewalt gezeigt.

Auch das Beratungstelefon "Nummer gegen Kummer" hatte im Mai ein erhöhtes Anrufaufkommen vermeldet - vor allem seitens der Eltern. Und heute? Bis Juni seien die Zahlen gleichbleibend hoch, im Juli leicht sinkend, nun stiegen sie wieder, teilt die Hilfsorganisation auf Anfrage mit. Im Gegensatz zu den Zahlen der Psychotherapeutenvereinigung habe man hier einen deutlichen Anstieg von Beratungen zu häuslicher Gewalt aber nicht verzeichnet.

Archiv: Schüler mit Mundschutz, aufgenommen am 18.05.2020

Kinder in der Corona-Krise -
Mehr psychische Probleme als erwartet
 

Die psychische Belastung von Kindern durch die Corona-Pandemie ist deutlich höher, als bislang vermutet wurde. Vor allem arme Familien seien betroffen, heißt es in einer Studie.

Kommt die große Angst?

Was passiert jetzt, wenn weiterhin nichts sicher ist, es keine Planbarkeit gibt und man sich wieder auf striktere Einschränkungen einstellen muss - kommt die große Angst? Eher nicht, sagt Gebhard Hentschel. "Die Menschen haben sich auf das Virus eingestellt und wissen, wie man sich verhält. Sie kennen die Maßnahmen wie Abstands- und Hygieneregeln und wissen, was sie bewirken können."

Langfristfolgen sind noch einmal etwas anderes. Es gibt weder eine Datengrundlage noch vergleichbare Situationen aus jüngerer Vergangenheit, aber Erfahrungswerte: "Die Pandemie ist eine prägende Zeit und wird Folgen haben. An unausgleichbare Langzeitfolgen glaube ich aber nicht", so Hentschel.

Denn Ängste und Ungewissheit sind die eine Seite. Auf der anderen Seite stehen positive Entwicklungen. Man habe zum Beispiel eben nicht nur Fälle von häuslicher Gewalt in Familien, sagt Gebhard Hentschel. Familien profitierten auch von der Entschleunigung, die die Pandemie mit sich gebracht habe. Dementsprechend unterschiedlich würden auch die Langzeitfolgen auf die Psyche ausfallen.

Die Wirksamkeit jedes Einzelnen

Und auf noch etwas Positives möchte der Psychotherapeut hinweisen: die große Solidarität und Verantwortlichkeit der meisten Menschen in der Krise. Es habe ihn überrascht, wie die teils erheblichen Einschränkungen angenommen und mitgetragen worden seien.

Dass die Maßnahmen dann auch gewirkt haben, sei nicht nur aus gesundheitlicher Sicht wichtig, sondern auch aus psychologischer: "Die Menschen haben erlebt, dass sie wirksam sein können und der Pandemie nicht ausgeliefert sind". Das wiederum helfe jetzt, wenn die Fallzahlen steigen und Maßnahmen wieder strenger werden.

"maybrit illner“ mit dem Thema "Corona trifft nicht alle gleich – schwindet die Solidarität?" vom 2. Juli 2020, um 22:15 Uhr im ZDF.

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Der Autorin auf Twitter folgen: @bunnytsukinoo.

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