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Kinder in der Corona-Krise - Mehr psychische Probleme als erwartet

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Die psychische Belastung von Kindern durch die Corona-Pandemie ist deutlich höher, als bislang vermutet wurde. Vor allem arme Familien seien betroffen, heißt es in einer Studie.

Archiv: Schüler mit Mundschutz, aufgenommen am 18.05.2020
Schüler mit Mundschutz
Quelle: dpa

Sie sind häufiger gereizt, niedergeschlagen oder können schlecht einschlafen: Die Corona-Krise hat die Lebensqualität und psychische Gesundheit von vielen Kindern und Jugendlichen in Deutschland einer neuen Studie zufolge verschlechtert.

Betroffen seien vor allem Kinder aus wirtschaftlich schwächeren Familien, sagte die Leiterin der sogenannten Copsy-Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), Ulrike Ravens-Sieberer.

Die meisten Kinder und Jugendlichen fühlen sich belastet, machen sich vermehrt Sorgen, achten weniger auf ihre Gesundheit und beklagen häufiger Streit in der Familie.
Ulrike Ravens-Sieberer

Bei jedem zweiten Kind habe das Verhältnis zu seinen Freunden durch den mangelnden physischen Kontakt gelitten.

Die Ergebnisse sollen Handlungsempfehlungen für die Prävention liefern. "Wir brauchen dringend Konzepte, wie wir die Familien in belasteten Phasen besser unterstützen können", sagte Ravens-Sieberer.

Verschlechterung des psychischen Wohlbefindens

Im März 2020 habe sich das Leben für die Kinder und Jugendlichen schlagartig verändert. Auch die Stimmung in den Familien habe sich verschlechtert, es habe mehr Streit gegeben. 71 Prozent der befragten Kinder und Jugendlichen spürten der Studie zufolge im Zuge der Pandemie seelische Belastungen.

Zwei Drittel der Befragten sehen ihre Lebensqualität als niedrig an - vor der Krise waren es laut UKE nur ein Drittel.

Wir haben mit einer Verschlechterung des psychischen Wohlbefindens in der Krise gerechnet. Dass sie allerdings so deutlich ausfällt, hat auch uns überrascht.
Ulrike Ravens-Sieberer

Vermehrt psychische Auffälligkeiten

Das Risiko für psychische Auffälligkeiten steige von rund 18 Prozent vor Corona auf 31 Prozent während der Krise. Hyperaktivität, emotionale Probleme und Auffälligkeiten im Verhalten gab es laut Studie häufiger. Auch psychosomatische Beschwerden wie Bauchschmerzen, Kopfschmerzen oder Einschlaf-Schwierigkeiten seien vermehrt aufgetreten.

"Fehlende finanzielle Ressourcen und ein beengter Wohnraum führen ebenfalls zu einem hohen Risiko für psychische Auffälligkeiten", erklärte die Leiterin der Studie.

Expertin warnt vor Dramatisierung

Ravens-Sieberer warnt davor zu dramatisieren. Andere Befragungen hätten bereits gezeigt, dass die Belastungen mit zunehmenden Lockerungen abgenommen hätten. "Um das allerdings wissenschaftlich abzusichern, brauchen wir natürlich Daten im Zeitverlauf."

Deshalb seien weitere Untersuchungen geplant, dabei solle es auch einen Vergleich mit anderen europäischen Ländern geben.

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