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RKI meldet mehr Corona-Fälle - Warum der R-Wert wieder ansteigt

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Die Corona-Fallzahlen in Deutschland steigen. Ebenso die Reproduktionszahl, die aktuell bei 1,79 liegt. Vor allem das Corona-Geschehen an vier Hotspots trägt zum Anstieg bei.

Nach Massenausbrüchen beim Fleischfabrikanten Tönnies und in einem Göttinger Hochhaus zeigt sich klar: Wo viele Menschen auf engem Raum zusammen sind, ist die Gefahr noch immer groß. In Cottbus hingegen gab es seit Wochen keine Neuinfektion.

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Die Zahl der Coronavirus-Infizierten nimmt aktuell wieder zu: 687 Neuinfektionen meldeten lokale Behörden dem Robert-Koch-Institut binnen eines Tages, 86 mehr als am Vortag. Am Freitag waren es sogar 770 neue Fälle. Das alles sind immer noch relativ geringe Fallzahlen, dennoch ist ein Trend nach oben zu erkennen.

Laut RKI ist auch die sogenannte Reproduktionszahl (R-Wert) gestiegen. Sie beschreibt, wie viele andere Menschen ein Infizierter ansteckt. Am Samstag lag der R-Wert bei bei 1,79 - am Freitag hatte er noch 1,06 betragen. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Hintergrund zum R-Wert

Vier Orte befördern Corona-Infektionsgeschehen

Mitarbeiter von Tönnies vor einem Werkstor
In einer Tönnies-Fleischfabrik wurden über Tausend Mitarbeiter positiv auf Corona getestet.
Quelle: dpa

Als Grund für die steigenden Zahlen nennt das RKI Infektionsgeschehen an vier Orten - in den Landkreisen Gütersloh und Warendorf, sowie in Magdeburg und Berlin. Diese schlagen sich deshalb so stark in den Statistiken nieder, weil die Anzahl der Neuerkrankungen in Deutschland relative gering ist, erklärt das RKI in seinem Situationsbericht vom 20. Juni.

Dieser Wert reagiert auf kurzfristige Änderungen der Fallzahlen empfindlich, wie sie etwa durch einzelne Ausbruchsgeschehen verursacht werden können. Dies kann insbesondere bei einer insgesamt kleinen Anzahl von Neuerkrankungen zu verhältnismäßig großen Schwankungen führen.
Robert-Koch-Institut

Was steckt hinter den steigenden Fallzahlen an den vier genannten Standorten?

Gütersloh und Warendorf

Der nordrhein-westfälischen Landkreise Gütersloh ist laut RKI aktuell der Orte mit den höchsten Fallzahlen pro 100.000 Einwohner. Dort beträgt die Zahl aktuell knapp 423 Fälle pro 100.000. Im benachbarten Warendorf sind es 230. Grund für den Anstieg: Der Corona-Ausbruch in einer Fleischfabrik des Konzerns Tönnies.

Dort sind über Tausend Mitarbeiter positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden. Bis das RKI alle Fälle in seiner Statistik erfasst hat, kann es aber dauern.

Durch die Dateneingabe und Datenübermittlung entsteht von dem Zeitpunkt des Bekanntwerdens des Falls bis zur Veröffentlichung durch das RKI ein Zeitverzug, sodass es Abweichungen hinsichtlich der Fallzahlen zu anderen Quellen geben kann.
Robert-Koch-Institut

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach geht davon aus, dass es in dem Betrieb "erhebliche Verstöße gegen Hygieneregelungen" gegeben habe.

Schüler mit Schutzmasken in Düsseldorf

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von Katja Belousova

Viele der ausländischen Billiglohn-Kräfte, die in Fleischindustrie arbeiten, leben zum Teil auf engstem Raum in Massenunterkünften zusammen. Zudem gehen Experten davon aus, dass auch die niedrigen Temperaturen bei der Fleischverarbeitung eine Verbreitung von Sars-Cov-2 befördern.

Berlin-Neukölln

Wohnhaus unter Quarantäne in Berlin-Neukölln
In Neukölln wurden mehrere Wohnblöcke unter Quarantäne gestellt.
Quelle: dpa

In Berlin-Neukölln beträgt die Zahl der Fälle pro 100.000 Einwohner aktuell etwa 286. Wie unter anderem der RBB berichtete, war der Ausbruch am 5. Juni bei Schülern aufgefallen, die zwar unterschiedliche Schulen besuchten, aber im gleichen Wohnhaus lebten.

Recherchen des Gesundheitsamts hätten ergeben, dass viele Infizierte an einem christlichen Gottesdienst teilgenommen hätten. Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU) erklärte dem RBB:

Bei der Nachverfolgung hat es am Anfang wegen Sprachbarrieren ein bisschen gehakelt.
Falko Liecke (CDU)

Mehrere Wohnblöcke in Neukölln wurden unter Quarantäne gestellt. In den betroffenen Haushalten lebten bis zu zehn Personen zusammen. Das könnte ein Indiz dafür sein, warum Sars-Cov-2 sich verbreiten konnte: Wenn viele Menschen auf engstem Raum leben steigt das Infektionsrisiko.

Der erneute Corona-Ausbruch in einem Schlachtbetrieb und in Wohnblöcken im Berliner Bezirk Neukölln macht auf bereits bestehende Missstände aufmerksam.

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Magdeburg

Geschlossene Schule in Magdeburg
Elf Schulen mussten in Magdeburg schließen.
Quelle: dpa

Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt kommt aktuell auf etwa 91 Fälle pro 100.000 Einwohner. Das Bundesland war bisher vergleichsweise glimpflich durch die Corona-Krise gekommen. Die Fallzahlen gehörten mit zu den niedrigsten in Deutschland. Deshalb hob Sachsen-Anhalt auch als erstes die Kontaktbeschränkungen auf.

Nun ist Magdeburg Corona-Hotsport geworden. Dort wurden nach Pfingsten Infektionen bei zwei Rückkehrern aus Schweden gemeldet. Danach stieg die Zahl der Infizierten immer weiter an - vor allem in der rumänischen Gemeinde. 19 Hausaufgänge in den Stadtteilen Neue Neustadt und Salbke wurden als Folge unter Quarantäne gestellt. Mehrere Schulen mussten schließen.

Krzysztof Blau, Integrationsbeirat der Stadt Magdeburg, warnte in der "Magdeburger Volksstimme" vor einer Stigmatisierung bestimmter Communitys. Es gäbe jetzt wichtigeres zu diskutieren als die Frage nach der Nationalität. Entscheidend sei, welche Maßnahmen sofort getroffen werden könnten. Außerdem müsste die Stadtverwaltung den Zugang zu nicht deutschsprachigen Communitys verbessern.

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