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"Die Rhön ist auch schön"

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Wie verändert uns Corona?‎ - "Die Rhön ist auch schön"

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Auch in Pandemiezeiten wollen die Deutschen reisen und entdecken ‎"notgedrungen" andere Ziele für sich. Das hat auch Auswirkungen auf die Reisebranche.

Blick vom Kreuzberg über Bischofsheim in der Rhön
Quelle: Klaus Seiffert

"Eigentlich fliegen wir im Herbst gerne eine Woche nach Mallorca. ‎Das war uns jetzt aber zu heiß wegen Corona. Naja: Die Rhön ist ‎auch schön." ‎David Müller erkundet mit Frau und Tochter derzeit die ‎Naturschönheiten rund um Bad Kissingen. In "normalen Zeiten" wären sie ‎jetzt in Palma, gerne mitten unter Leuten, sagt er. ‎2020 fühlt sich aber wenig "normal" an.

Deshalb machen die Müllers "notgedrungen", wie sie sagen, Herbsturlaub ‎unweit von daheim - und lauschen nun doch freudig überrascht dem ‎inbrünstigen Röhren eines Hirsches in einem Wildpark statt ‎der Meeresbrandung am Mittelmeer: "Man muss sich anpassen. Das hier ‎hat ja auch was."

‎"Sicherheit geht vor"

Derzeit scheint sich ein Trend zu verfestigen, den Jacob Fuest vom ‎Versicherer Allianz Partners vor Wochen so beschrieb: "Heimaturlaub ‎boomt, es gilt Auto statt Flugzeug und vor allem Sicherheit geht vor."‎ Eine repräsentative Studie im Auftrag des Versicherers Allianz Partners ‎kam zu folgenden Ergebnissen:‎

  • Die Deutschen verzichten in der Pandemie auf Fernreisen. Flog ‎‎2019 noch jeder fünfte Befragte in ein Urlaubsland außerhalb der ‎Europäischen Union, so war es zuletzt nur etwa einer von 16.‎
  • Vor Corona war jedem fünften Befragten die Qualität der ‎medizinischen Versorgung im Urlaub wichtig; nun jedem dritten.‎
  • Jeder vierte Deutsche gab an, für 2020 überhaupt keinen Urlaub ‎zu planen.

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Kundenumfragen geben Thomas Mueller, dem Geschäftsführer des ‎Anbieters "SKR Reisen", immerhin Hoffnung, dass künftig wieder bessere ‎Tage für die Branche kommen. Demnach wollen "85 Prozent der Kunden ‎wieder ihre Reisepläne verfolgen, sobald ein Corona-Impfstoff vorliegt", ‎schreibt Mueller auf ZDFheute-Anfrage. ‎

Wieder mehr Stornierungen

Für die Zwischenzeit aber gilt: Reiseveranstalter - egal ob groß, ob klein - ‎sind schwer getroffen von den Folgen der Pandemie.

Die Corona-Pandemie ‎vermasselt uns ordentlich das Geschäft. Zurzeit hagelt es mal wieder ‎Stornierungen. Das ist schon brutal und geht mir ziemlich an die Nieren.
Rainer Stoll, Chef ‎des Familienbetriebs "Travel to Nature"

‎Stoll sagt, dass viele seiner Kunden wieder reisen möchten, aber auch ‎unzählige Fragezeichen hätten. "Vorhin hat mich ein Kunde angerufen und gesagt: 'Ich halte es ‎hier nicht mehr aus, ich muss raus! Was habt ihr für mich, wo ‎kann ich noch hin?' Und dann kamen die Fragen zu eventuellen ‎Corona-Risiken, der Kranken-Versorgung vor Ort, einem ‎möglichen Kranken-Rücktransport et cetera et cetera."

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Alle Detailfragen habe er dem Anrufer nicht beantworten können. "Vieles ‎ändert sich ja auch täglich und ist ziemlich komplex", sagt Stoll. Der Kunde ‎wollte dann erstmal abwarten - und sich kurzfristig entscheiden.‎

"Reisen in der Bubble"‎ bevorzugt

Ein ähnliches Kundenverhalten beobachten sie auch beim Branchenriesen ‎Tui. Sprecher Aage Dünhaupt sagt: "Der Trend geht zu kurzfristigen ‎Buchungen. Die Leute entscheiden - auch auf Basis der Nachrichtenlage - ‎zwei bis drei Tage vor Urlaubsbeginn, wohin es gehen soll."‎

Um möglichst viele Risiken auszuschließen, entscheiden sich Dünhaupt ‎zufolge viele Menschen "für ein Reisen in der Bubble, für Service aus einer ‎Hand, etwas mehr Abgeschlossenheit oder Abgeschiedenheit als das ‎früher vielleicht der Wunsch war".

Dünhaupt spricht im gleichen Atemzug von einem "Comeback der ‎Pauschalreise". Ein aktueller Beleg: Mit dem Wegfall der Reisewarnungen ‎für die Kanarischen Inseln in dieser Woche sei die Nachfrage nach solchen ‎Angeboten direkt wieder stark angestiegen.

Die Gäste fühlen sich am Strand von Fuerteventura und im Hotel ‎mit hohen Hygienestandards sicherer als in Berlin in der S-Bahn.
Aage Dünhaupt

Rainer Stolls erwachsene Kinder entwickeln derweil neue Konzepte für ‎lokalen Tourismus im Schwarzwald. "Die gestiegene Nachfrage nach ‎solchen Angeboten stimmt mich doch recht zuversichtlich, dass wir in dem ‎Feld was bewegen können", sagt Stoll.

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Trend zu individuellem Naturerlebnis

Die Zuversicht stützt auch eine Studie der Hochschule Fresenius; demnach ‎favorisieren die Deutschen derzeit sehr stark Ferienwohnungen, in denen ‎sie sich selbst versorgen können - und Maskenzwang keine Rolle spielt.‎

Wachsenden Geschmack an individuellem Natururlaub findet auch David ‎Müller in der Rhön: "Eigentlich gibt es hier alles, was wir brauchen, um mal ‎ein paar Tage zu entspannen", sagt er.

Manchmal liegt das Gute so nahe ‎‎– man muss es nur sehen. Corona hat uns gewissermaßen gezwungen, die ‎Augen aufzumachen.
David ‎Müller

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