Sie sind hier:

Rechte von Pauschalreisenden - Wenn das Reiseziel zum Hotspot wird

Datum:

Das Coronavirus hat auch die Urlaubszeit fest im Griff. Welche Rechte haben Pauschalreisende, wenn sich Covid-19 an ihrem Urlaubsort rasant ausbreitet?

Urlauber an Strand
Pauschalreisende haben derzeit Einiges zu beachten.
Quelle: dpa

Die Rechte von Pauschalreisenden richten sich danach, ob sich die Corona-Fälle am Urlaubsort schon vor Reiseantritt oder erst während des Urlaubs häufen. Zum Begriff: Eine Pauschalreise liegt nur dann vor, wenn zumindest zwei Reiseleistungen zusammen gebucht oder auf Wunsch des Reisenden zusammengestellt werden, zum Beispiel Flüge und Hotel.

Vor Beginn der Reise gilt stets: Wer Urlaub gebucht hat, muss die Reise nicht antreten. Der Rücktritt vom Reisevertrag kann ohne Angabe von Gründen erklärt werden. Im Falle des Rücktritts muss der Reiseveranstalter den Reisepreis innerhalb von 14 Tagen erstatten. Jedoch kann er grundsätzlich eine angemessene Entschädigung, die sogenannte Stornogebühr, verlangen.

Wenn sich der Urlaubsort zum Hotspot entwickelt

Die Entschädigung muss ausnahmsweise nicht gezahlt werden, wenn am Urlaubsort oder in dessen unmittelbarer Umgebung "unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände" auftreten, die den Ablauf der Reise oder den Weg dorthin erheblich beeinträchtigen.

Wegen Corona-Anstieg - Reisewarnung für drei spanische Regionen 

Bislang stand in der EU nur Luxemburg auf der RKI-Liste der Risikogebiete. Jetzt kommen drei Regionen in Spanien hinzu. Für Urlauber ist das nicht unerheblich.

Videolänge

Der Ausbruch einer Pandemie ist ein solcher unvermeidbarer, außergewöhnlicher Umstand. Wer die Reise wegen steigender Infektionszahlen am Urlaubsort oder in dessen unmittelbarer Nähe storniert, muss daher grundsätzlich keine Stornogebühr bezahlen.

Buchung vor Ausbruch der Pandemie

Wer beispielsweise seinen diesjährigen Sommerurlaub an den österreichischen Wolfgangsee im vergangenen Jahr gebucht hat, kann ohne finanzielle Nachteile vom Reisevertrag zurücktreten; denn dort sind aktuell vermehrt Infektionen mit dem Coronavirus aufgetreten. Mit dem Ausbruch einer Pandemie konnte zum Buchungszeitpunkt schließlich niemand rechnen.

Buchung nach Ausbruch der Pandemie

Was ist aber, wenn man vor wenigen Wochen eine Pauschalreise an den Wolfgangsee gebucht hat, die in Kürze beginnen soll? Ob man den Reisevertrag auch in diesem Fall stornieren kann, ohne dem Reiseveranstalter eine Stornogebühr zahlen zu müssen, ist durch die Gerichte noch nicht geklärt.

Urlaub in Paris

Corona-Pandemie - Wo in Europa Sommerurlaub möglich ist 

Sommerferien in Zeiten von Corona - damit sind die möglichen Reiseziele weltweit eingeschränkt. Doch innerhalb Europas sind viele beliebte Ziele wieder erreichbar.

Für die Verpflichtung zur Zahlung einer Stornogebühr spricht, dass der Urlaubswillige im Zeitpunkt des Vertragsschlusses wusste, dass weltweit ein sehr dynamisches Virus grassiert, es immer wieder neue Hotspots gibt und auch das Urlaubsziel ein solcher werden kann. Das Szenario ist somit vorhersehbar.

Gegen diese Sichtweise spricht jedoch, dass der Gesetzgeber gerade die Vorsehbarkeit solcher außergewöhnlicher Umstände 2018 aus dem Gesetz gestrichen hat.

Empfehlungen für die Buchung

Aufgrund der unklaren Rechtslage empfiehlt es sich, derzeit auf zweierlei zu achten. Erstens: besser eine Pauschalreise statt eine Individualreise buchen. Zweitens: vertraglich vereinbaren, dass bei vermehrten Corona-Ausbrüchen am Reiseziel und in dessen Umgebung oder bei einer Reisewarnung des Auswärtigen Amts keine oder nur eine sehr geringe Entschädigung an den Veranstalter zu zahlen ist.

Die Rechtslage nach Reiseantritt

Wenn man sich schon am Urlaubsort befindet und plötzlich in der unmittelbaren Umgebung die Zahl der Corona-Infizierten stark ansteigt, muss man die Situation nicht bis zum Ende der geplanten Reisezeit „aussitzen“. Wer in einer solchen Situation schnellstmöglich zurück nach Hause möchte, kann den Pauschalreisevertrag ohne vorherige Fristsetzung kündigen.

Corona-Test und Neuinfektionskurve in Deutschland
Grafiken

Coronavirus - Wie viele sich infizieren und sterben 

Wie breitet sich das Coronavirus aus? Infografiken, Zahlen und Daten zur Entwicklung von Covid-19 in Deutschland und weltweit - immer aktuell.

von M. Hörz, R. Meyer, M. Zajonz

Der Reiseveranstalter darf den gezahlten Reisepreis für bereits erbrachte und noch zu erbringende Reisebestandteile, wie etwa Hin- und Rückflug, behalten. Aber: Für vertragliche Leistungen, die Urlauber aufgrund des Abbruchs nicht mehr in Anspruch nehmen können, muss der Veranstalter Ersatz leisten.

So muss der Anbieter den Urlauber nach der Kündigung des Reisevertrages – soweit die Beförderung im Vertrag enthalten ist – so schnell wie möglich mit einem gleichwertigen Verkehrsmittel zu dem Ort bringen, an dem die Reise begonnen hat. Außerdem muss er dem Urlauber bis zur Abreise eine Unterkunft zur Verfügung stellen. Die Kosten hierfür hat der Veranstalter zu tragen.

Stornoregelungen für Risikogebiete

Spricht das Auswärtige Amt eine Reisewarnung aus, können Pauschalreisende - jedenfalls bei Buchung vor Pandemieausbruch - grundsätzlich vom Reisevertrag zurücktreten, ohne eine Stornogebühr zahlen zu müssen. Dies gilt auch, wenn am Urlaubsziel noch kein Hotspot entstanden ist. Denn eine Stornogebühr fällt bereits dann nicht an, wenn nur eine gewisse Wahrscheinlichkeit eines Corona-Ausbruchs am Urlaubsort besteht.

Indiz für eine solche Wahrscheinlichkeit ist - neben der amtlichen Reisewarnung - auch ein Hinweis der Weltgesundheitsorganisation (WHO) oder des Robert-Koch-Instituts (RKI). Wer etwa im Januar 2020, vor Ausbruch der Pandemie, eine Pauschalreise in das katalonische Barcelona für August 2020 gebucht hat, und wegen der Reisewarnung des Auswärtigen Amts vom 31. Juli 2020 die Reise nicht antreten möchte, kann vom Vertrag zurücktreten, ohne dem Veranstalter eine Entschädigung zahlen zu müssen.

Aber Vorsicht: Wer die Reise nach Barcelona etwa erst für Oktober 2020 gebucht hat, sollte diese nicht vorschnell stornieren. Es empfiehlt sich, erst einmal die Entwicklung der Infizierten-Zahlen im Blick zu behalten und zu prüfen, ob das Auswärtige Amt die Reisewarnung aufrechterhält.

Aktuelles zur Coronavirus-Krise

Mann auf Roller fährt an Graffiti von Krankenschwester als Superheldin vorbei

Tests, Restriktionen, Impfungen - So geht es anderen Ländern mit Omikron 

Die Omikron-Variante hat sich weltweit rasant ausgebreitet und hält viele Länder fest im Griff. International sind die Reaktionen darauf aber recht unterschiedlich. Ein Überblick.

von Carolin Wolf
China vor Olympia

Omikron bei Null-Covid-Strategie - China zwischen Olympia und Corona 

In wenigen Tagen startet Olympia in Peking: Millionen-Städte müssen in den Lockdown, Bürger werden weggesperrt und leiden stillschweigend zu Hause. Alles für das gute Image.

von Ulf Röller, Jenifer Girke
München: 5000 Euro in 50-Euro-Scheinen werden am Schalter einer Sparkasse in einer Geldzählmaschine gezählt. Archivbild

Weniger Falschgeld im Umlauf - Corona bremst Blüten aus 

Es sind weniger falsche Euro-Scheine im Umlauf als vor der Pandemie. Corona macht auch den Geldfälschern zu schaffen. Die Absatzmärkte scheinen zu fehlen.

Menschen mit Mund-Nase-Schutz in einer Fußgängerzone in Essen. (Archivbild)

Nachrichten | heute - Zustimmung zu Corona-Politik wächst 

Laut ZDF-Politbarometer bleibt Corona das dominierende politische Problem. Doch trotz steigender Infektionszahlen nimmt die Zufriedenheit der Bevölkerung mit den Maßnahmen zu.

28.01.2022
von Julia Schröter
Videolänge
Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Sie haben sich mit diesem Gerät ausgeloggt.

Sie haben sich von einem anderen Gerät aus ausgeloggt, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Ihr Account wurde gelöscht, Sie werden automatisch ausgeloggt.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.

An dieser Stelle würden wir dir gerne die Datenschutzeinstellungen anzeigen. Entweder hast du einen Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiviert, welcher dies verhindert, oder deine Internetverbindung ist derzeit gestört. Falls du die Datenschutzeinstellungen sehen und bearbeiten möchtest, prüfe, ob ein Ad-Blocker oder ähnliches in deinem Browser aktiv ist und schalte es aus. So lange werden die standardmäßigen Einstellungen bei der Nutzung der ZDFmediathek verwendet. Dies bedeutet, das die Kategorien "Erforderlich" und "Erforderliche Erfolgsmessung" zugelassen sind. Weitere Details erfährst du in unserer Datenschutzerklärung.