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Was bedeutet der Anstieg der Reproduktionszahl?

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Ansteckungen mit Coronavirus - Was bedeutet der Anstieg der Reproduktionszahl?

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Die Eins ist die magische Grenze: Liegt der R-Wert darunter, flaut die Corona-Pandemie ab - das hat das RKI immer betont. Jetzt ist die Zahl wieder gestiegen. Was das heißt.

Zahlreiche Besucher gehen über einen Markt am Wiener Platz in Köln am 23.04.2020
Hängt der Anstieg des R-Werts mit den Lockerungen zusammen?
Quelle: dpa

Mit der sogenannten Reproduktionszahl ist einer der entscheidenden Werte zum Coronavirus in Deutschland zuletzt gestiegen - und hat einen kritischen Wert überschritten.

Seit Ausbruch der Corona-Pandemie schauen Politiker und Experten auf die Zahl, wenn es um Lockerungen oder Verschärfungen der Corona-Maßnahmen geht.

Kontinuierlicher Anstieg bei der Reproduktionszahl seit Mittwoch

Was steckt hinter ihr? Die Zahl gibt an, wieviele weitere Menschen ein Infizierter im Schnitt ansteckt. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts von Sonntagabend lag der Wert bei 1,13.

Damit ist eine selbstgesteckte Grenze überschritten. Denn: Das RKI hat immer wieder betont, um die Epidemie abflauen zu lassen, müsse die Reproduktionszahl unter 1 liegen.

Anfang Mai lag der Wert nach RKI-Angaben über mehrere Tage zwischen 0,7 und 0,8. Am Mittwoch gab das RKI den Wert noch mit 0,65 an, seitdem war er kontinuierlich gestiegen.

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Was bedeutet der Anstieg?

Wie diese Entwicklung zu lesen und zu interpretieren ist, ist aber alles andere als trivial. Zunächst muss man wissen, dass die Angabe, dass ein Infizierter im Schnitt 1,10 weitere Menschen ansteckt, nicht die momentane Situation abbildet.

Aus methodischen Gründen bezieht sich der Wert auf Infektionen, die schon vor einer gewissen Zeit stattfanden. Ob die von Bund und Ländern beschlossenen Lockerungen mit dem Anstieg zusammenhängen, kann man deshalb davon nicht ablesen.

Es ist außerdem möglich, dass der R-Wert später wieder korrigiert wird, wenn sich die Datengrundlage verbessert oder die Berechnungsgrundlage verändert wird - so erst kürzlich geschehen.

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Statistische Schwankungen werden verstärkt

Zudem betont das RKI, dass der R-Wert immer mit einer gewissen Unsicherheit behaftet ist. Denn durch die insgesamt niedrigeren Fallzahlen würden statistischen Schwankungen verstärkt.

Deshalb könne noch nicht bewertet werden, ob sich der während der letzten Wochen sinkende Trend der Neuinfektionen weiter fortsetzt - oder es zu einem Wiederanstieg der Fallzahlen kommt. Man müsse die Entwicklung in den nächsten Tagen aufmerksam beobachten.

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Welche Zahlen sind noch wichtig?

Das RKI weißt darauf hin, dass die Reproduktionszahl nicht alleine als "Maß für Wirksamkeit/Notwendigkeit von Maßnahmen" herangezogen werden könne. Wichtig seien außerdem die absolute Zahl der täglichen Neuinfektionen sowie die Schwere der Erkrankungen.

Die absolute Zahl der Neuinfektionen müsse klein genug sein, um eine effektive Nachverfolgung von Kontaktpersonen zu ermöglichen und die Kapazitäten von Intensivbetten nicht zu überlasten. Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen pro Tag ist nach einer RKI-Übersicht seit Anfang April mit Schwankungen rückläufig.

Epidemiologe: Menschen schon vor Lockerungen zu Normalität zurückgekehrt

Auch Dirk Brockmann, Experte für Modellierungen von Infektionskrankheiten an der Humboldt-Universität in Berlin, betont, dass der R-Wert nur eine grobe Schätzung und von vielen Faktoren abhängig sei.

Trotzdem lasse sich aus dem Anstieg von 0,65 auf 1,10 ein Hypothese ableiten. Brockmann geht davon aus, dass sich darin widerspiegelt, dass die Menschen bereits vor den am Mittwoch beschlossenen Lockerungen langsam zur Normalität zurückgekehrt sind.

Man treffe sich wieder etwas mehr und sei generell mehr unterwegs. Das führe zu mehr Ansteckungen, so zumindest die These. Generell müsse die Entwicklung des Infektionsgeschehens jedoch über einen längeren Zeitraum beobachtet werden.

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