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"Sich selbst mit positiven Gefühlen impfen"

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Gut durch die Krise kommen - "Sich selbst mit positiven Gefühlen impfen"

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Die Corona-Krise trifft viele Menschen ins Mark. Im ZDFheute-Interview spricht der Resilienzforscher Klaus Lieb darüber, wie es gelingt, die innere Widerstandskraft zu stärken.

Resilienzforscher Klaus Lieb erklärt im Interview, wie Sie Ihre innere Widerstandskraft verbessern können. Das kann helfen Krisen-Zeiten besser zu überstehen.

Beitragslänge:
3 min
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ZDFheute: Viele Menschen sind in der Corona-Krise körperlich und seelisch besonders belastet. Welche Faktoren helfen besonders, harte Zeiten gut zu überstehen?

Klaus Lieb: Es sind sowohl Verhaltens- als auch Einstellungsfaktoren: Dazu gehört zum Beispiel, in der Lage zu sein, auch unter besonderem Stress soziale Kontakte aufrecht zu erhalten und sich Unterstützung zu holen von anderen Menschen.

Viel hängt auch von der inneren Einstellung zum Stress ab: Menschen, die aus stressigen Situationen Motivation ziehen, Probleme zu bewältigen, sind resilienter als jene, die sich von Stress herunterziehen lassen. Eine starke Resilienz haben auch Menschen, die grundsätzlich eine positive Sicht auf die Welt haben und sagen: Ich lass mich nicht unterkriegen, ich schaffe das!

ZDFheute: Welche Möglichkeiten haben gefährdete Menschen, sich innerlich zu stabilisieren?

Lieb: Es gibt viele einfache Techniken, die Resilienz zu stärken, und man muss dafür auch nicht immer gleich zu einem Therapeuten gehen. Gerade in Krisenzeiten, in denen man besonders unter Druck steht, geht es darum, sich kleine Auszeiten zu nehmen, in denen man sich mit positiven Gefühlen impft. Etwa, indem man etwas Schönes mit der Familie macht. Anderen hilft Musik, ein Film, sportliche Aktivität oder die Unterstützung eines Freundes.

Es geht also um Selbstfürsorge. Niemand muss sich den ganzen Tag negativen Gefühlen ausliefern. Jeder ist für seine Emotionen verantwortlich und kann sie beeinflussen.

Letztlich geht es darum, etwas zu tun, das einem selbst guttut.
Klaus Lieb, Resilienzforscher

ZDFheute: Einfacher gesagt als getan, oder?

Lieb: Resilienz, also der gesunde Umgang mit Stress, kommt viel häufiger vor, als dass Menschen mit Stress nicht zurechtkommen. Viel hängt dabei tatsächlich von der persönlichen Sichtweise ab: Wenn es mir gelingt, zu der schwierigen aktuellen Situation einen anderen Blick zu finden, dann kann ich die Herausforderungen besser bewältigen.

Wer sich schwer tut, kann auch mal auf frühere Krisen zurückschauen und sich fragen, wie man die überwunden hat und welche Werkzeuge man dabei gewonnen hat, um die Probleme von heute zu bewältigen.

ZDFheute: Aber was können Menschen machen, die denken, in ihrem Leben insgesamt viel mehr Negatives als Positives erlebt zu haben?

Lieb: Bei diesen Menschen ist die Fähigkeit zur Resilienz beeinträchtigt. Normalerweise reifen und wachsen die Menschen an schwierigen Lebenssituationen, die sie bewältigt haben. Aber wenn es zu viele, zu große Belastungen gegeben hat, dann kann man daran auch zerbrechen und psychisch krank werden.

In der jetzigen Situation mache ich mir vor allem Sorgen um Menschen, die etwa wegen Arbeitsplatzverlust in große finanzielle Schwierigkeiten geraten. Dort könnten Depressivität, Suchterkrankungen und Suizidraten zunehmen. Da wäre es auch euphemistisch zu sagen: Die Leute sollen einfach mal positiv denken. Da muss der Staat unterstützen - und tut es auch wirkungsvoll.

ZDFheute: Es kommt also auf solidarisches Handeln im Staatsgebilde an?

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Es wäre falsch nur zu sagen, die einzelnen Bürger müssten sich jetzt alle zusammenreißen – die Gesellschaft als Ganzes muss etwas tun.
Klaus Lieb, Resilienzforscher

Lieb: Dass wir gut durch die Krise kommen, ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Wir haben einen Stresstest für Deutschland, wo wirklich jeder betroffen ist.

Wir sehen viele Beispiele von solidarischem Handeln, in denen Menschen in besonders schwierigen Situationen geholfen wird. Das setzt neue Kräfte frei. Weil jene, die gut mit der Krise zurechtkommen, ihre Kraft an andere weitergeben.

Das Interview führte Marcel Burkhardt.

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