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"Wie ein Betreuer im Corona-Kindergarten"

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Gastronom sorgt sich vor Herbst - "Wie ein Betreuer im Corona-Kindergarten"

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Von der Corona-Krise gebeutelt blicken viele Geschäftsleute bang in die nahe Zukunft: Gastronom Marcel da Silva will sich nicht unterkriegen lassen: "Wir kämpfen uns durch!"

Gastronom Marcel da Silva in seinem Restaurant
Gastronom Marcel da Silva kämpft mit den Auswirkungen der Corona-Krise.
Quelle: ZDF

Marcel da Silva hat die Bilder noch vor Augen: das junge Paar und die große, dampfende Paella. Dem 42-jährigen Wirt huscht ein kurzes Lächeln übers Gesicht, aber dann werden seine Lippen ganz schmal:

"Das war für lange Zeit das letzte Essen, das ich hier servieren konnte, danach war alles down im Restaurant. Wir mussten uns mit dem Lieferservice über Wasser halten."

Corona-Lockdown: "Braucht kein Mensch ein zweites Mal"

Ein halbes Jahr ist es her, als das öffentliche Leben in Deutschland plötzlich still stand. "Das braucht kein Mensch ein zweites Mal", sagt da Silva, "das könnte vielen Geschäftsleuten buchstäblich das Genick brechen." Er selbst gibt sich optimistisch, sagt aber auch:

Corona hat ein riesengroßes Loch in unser Geschäft gerissen. Wir haben zehn Wochen komplett auf Sparflamme gekocht.
Marcel da Silva, Gastronom

Nun, da in Deutschland die Zahl von Covid-19-Infektionen wieder deutlich steigt, wächst bei Gesundheitsexperten die Sorge vor einer großen zweiten Corona-Welle. Virologen wie Martin Stürmer von der Uni Frankfurt mahnen zur Vorsicht: Jeder müsse sich etwa hinterfragen, "inwieweit wir im Herbst und Winter weiter in der Form Restaurants besuchen".

Das Gastgewerbe rechnet mit Umsatzverlusten "historischen Ausmaßes". Der Branchenverband Dehoga fordert darum zusätzliche Hilfen aus der Politik.

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Wenn die Großveranstaltungen wegfallen ...

Für Gastronomen, die sich landauf und landab bemühen, eine Vielzahl von behördlichen Hygieneauflagen einzuhalten, ist das harter Tobak. Sie dürfen derzeit ohnehin nur deutlich weniger Gäste bewirten als vor Beginn der Pandemie. Marcel da Silva und sein Schwiegervater Agostinho da Silva (58) verweisen in ihrem Mainzer Restaurant auf große Freiräume: "Da und da und da …, überall haben wir Tische rausgeräumt, dass sich die Leute nicht zu nahekommen."

Die üblichen großen Geburtstagspartys, Hochzeiten, Tauf-, Kommunions-, Vereins- und Weihnachtsfeiern im portugiesischen Lokal "UDP" fallen flach. "Das tut weh, weil es echte Löcher reißt", sagt da Silva. Von den entgangenen Einnahmen durch die ausgefallene Fußball-Europameisterschaft will er gar nicht reden. Er winkt ab:

Mann, was war die Bude da sonst immer voll.
Marcel da Silva

Das Hotel- und Gaststättengewerbe hat enorm in der Corona-Krise gelitten - heute zieht die Branche Bilanz. "Es gibt erhebliche Umsatzverluste", sagt Verbandspräsident Zöllick im ZDF.

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Regelbetrieb im Restaurant läuft zumindest wieder

Immerhin: Das alltägliche Geschäft läuft wieder. Wer da Silva und sein Team abends besucht, kann auch beobachten, wie sie die Gäste, wenn es nötig ist, freundlich aber bestimmt auf die Hygieneregeln hinweisen.

Die meisten Leute sind vernünftig, nur manchmal fühle ich mich ein bisschen wie der Betreuer im Corona-Kindergarten.
Marcel da Silva, Gastronom

Er vermittelt das Gefühl: Wir haben alles im Griff! Und: Bitte kein weiteres Störfeuer von außen. Denn der Druck ist ohnehin schon groß: Die Existenz einer achtköpfigen Familie und fünf Angestellter hängt am Betrieb. Falls da Silva Angst haben sollte vor der Unberechenbarkeit der Corona-Pandemie, so kann er sie gut verbergen. Der ehemalige Kampfsportler lächelt verschmitzt und sagt: "Wir nehmen es sportlich und kämpfen uns durch - es muss ja irgendwie weitergehen."

Corona-Schrecken hallt nach

Da Silvas Ehefrau Melanie teilt seinen Optimismus, der Corona-Schrecken vom Frühjahr und die finanziellen Sorgen haben allerdings Spuren hinterlassen: "Natürlich bleibt der Gedanke an den Lockdown im Kopf. Und die Angst, ob man das noch einmal wegstecken könnte."

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Wie viel Party ist gestattet? Wo darf gefeiert werden, wie viele dürfen vorbeikommen? Je nach Bundesland variieren die Corona-Regeln für private Feiern stark. Hier ein Überblick.

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Hinzu kommen Sorgen um die Gesundheit von Eltern und Großeltern und um die Kinder: "Da frage ich mich schon, wie gut die Kleinen das psychisch wegstecken und wie sehr sie momentan in ihrer schulischen Entwicklung beeinträchtigt sind", sagt Melanie da Silva. "Homeschooling? Echt sch…wierig!"

Diese Sorge teilt ihr Ehemann mit ihr, er sagt aber auch: "Die Kinder sind zum Glück gesund und munter, und wir sind einfach nur froh darüber." Halb im Scherz, halb im Ernst fügt er hinzu, dass ihn Corona gelehrt habe, dankbar für geregelten Schulunterricht zu sein: "Hoffentlich bleibt uns Homeschooling erspart, das war ehrlich gesagt echt sch...wierig", sagt auch Marcel da Silva und lacht.

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