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Schutz oder Ausgrenzung? - Was Corona mit Risikopatienten macht

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"Wir müssen die Risikogruppe schützen": Warum dieser Satz zwar gut gemeint ist, aber in der Corona-Krise zunehmend am Thema vorbei geht.

Nicht nur alte Menschen, auch Menschen mit Behinderung gehören zur Risikogruppe. Sie werden in der Debatte jedoch häufig vergessen.

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Corona fordert einen hohen Preis von ihr: Katharina Eichner ist seit acht Monaten isoliert. Eine junge Frau, mit lautem Lachen und einer Behinderung namens Spina Bifida. Wegen einer Fehlbildung ihrer Wirbelsäule ist in ihrem verengtem Oberkörper kaum Platz für Organe. Eine Erkrankung mit Sars-CoV-2 würde die 33-Jährige wahrscheinlich nicht überleben.

Die Konsequenz: Katharina Eichner bleibt zu Hause. Sie trifft sich höchstens mal im Freien mit den engsten Menschen, die sie hat. Aber nur wenn sie genau weiß, wo diese vorher waren. Eichner gehört zur sogenannten Risikogruppe – und damit in gewisser Weise nicht mehr zum Rest der Gesellschaft, sagt sie.

Ich habe das Gefühl, ich schaue allen Leuten beim Leben zu und ich bin kein Teil mehr davon. Auch wenn mir niemand das Gefühl absichtlich gibt.
Katharina Eichner, Risikopatientin
Katharina Eichner
Katharina Eichner
Quelle: Privat

Niemand kann etwas dafür, das weiß die Musikproduzentin. Doch die Corona-Krise habe zum Ausdruck gebracht, was schon vorher Realität gewesen sei: Menschen mit Behinderung würden nicht dazu gehören. "Wir müssen die Risikogruppe schützen" - diese Sätze würden gar die Spaltung befeuern.

Auch wenn es gut gemeint ist: Die Kategorisierung als Risikogruppe stehe für eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, kritisiert auch Jessica Schröder von der "Interessenvertretung Selbstbestimmt Leben" (ISL). Dadurch bekomme die sogenannte Risikogruppe zunehmend das Gefühl:

Wir gehören nicht dazu, wir sind die Anderen. Wegen uns müssen die sich jetzt einschränken.
Katharina Eichner, Risikopatientin

Gut gemeint – aber am Thema vorbei?

Natürlich sei Corona für Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen gefährlicher, räumt Raul Krauthausen ein. Der 40-jährige Rollstuhlfahrer ist in der Krise zum Gesicht jener Risikogruppe geworden.

INFORMR Vox // Raul Krauthausen über Political Correctness
Raul Krauthausen
Quelle: funk

Er befürchtet, dass die Unterscheidung zwischen Risikopatienten und dem "Rest" der Bevölkerung es den Menschen zu einfach mache. Schließlich könne der Verlauf der Krankheit bei allen dramatisch enden – eine Differenzierung sei nicht hilfreich im Kampf gegen das Virus.

Mehr Corona-Hilfen für Behinderte

Es sei zwar richtig, die besonders gefährdeten Menschen schützen zu wollen. Doch das greife nicht weit genug, findet auch Katharina Eichner. "Man darf jetzt nicht sagen, ok wir sperren euch alle ein und dadurch seid ihr geschützt. Weil dadurch ist man zwar körperlich geschützt – aber nicht psychisch."

Die Regierung müsse Benachteiligten konkrete Hilfen zusichern – statt sie durch ihre Rhetorik zu isolieren. Im Konjunkturpakt der Bundesregierung würden Menschen mit Behinderungen "total hinten runter fallen", kritisiert auch Schröder vom ISL. Ihre Organisation hat deshalb ein Thesenpapier mit konkreten Forderungen formuliert.

Mehr Verständnis, mehr Solidarität

Katharina Eichner versteht, dass die Leute in den Urlaub wollen. Dass sie Essen gehen wollen, leben wollen. "Aber das will ich auch", sagt die 33-Jährige. Maskenverweigerer, Super-Spreader-Events – sogar Treffen von Freunden im privaten Bereich. All das trage dazu bei, dass ihre Selbstisolation noch länger andaure, weil sich das Virus weiter ausbreiten könne.

"Ich würde mir einfach wünschen, dass die Leute ein bisschen weniger egoistisch sind", so Eichner. Das Virus könne nur gemeinschaftlich besiegt werden. Und je schneller, desto kürzer muss sie leiden, die sogenannte Risikogruppe.

funk | Bubbles - Die #Risikogruppe – gehörst du auch dazu? 

Die #Risikogruppe – gehörst du auch dazu? Jan hat die Aktion #risikogruppe gestartet, die zeigt, dass auch junge Leute zur Risikogruppe gehören können, weil...#risikogruppe #bleibtzuhause #bubbles

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Aktuelles zur Coronavirus-Krise

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