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Russlands Impfstoff: Gefahr oder Meilenstein?

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"Sputnik V" - Russlands Impfstoff: Gefahr oder Meilenstein?

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Als erstes Land weltweit hat Russland nach eigenen Angaben den ersten Corona-Impfstoff entwickelt. Die WHO äußert sich über den Erfolg aber zurückhaltend. Fragen und Antworten.

Archiv, Moskau: Eine Mitarbeiterin des Nikolai Gamaleya Nationalzentrums für Epidemiologie und Mikrobiologie hält den neuen Corona-Impfstoff in der Hand.
Impfstoff aus Moskau: Was steckt hinter der Erfolgsmeldung?
Quelle: dpa

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat zurückhaltend auf einen möglichen Impfstoff gegen Covid-19 aus Russland reagiert und will die Studien zum Corona-Impfstoff überprüfen. Parallel haben einige Länder schon Interesse bekundet. Gefahr für die Bevölkerung oder Meilenstein im Kampf gegen das Coronavirus? Die wichtigsten Infos im Überblick.

Was wissen wir über den Impfstoff?

Insgesamt ist wenig über den Impfstoff "Sputnik V" des staatlichen Gamaleja-Institut für Epidemiologie und Mikrobiologie in Moskau bekannt: Die Ergebnisse wurden noch nicht für eine unabhängige Bewertung veröffentlicht. Der Wirkstoff ist unter dem Namen "Gam-COVID-Vac Lyo" in einer Datenbank für klinische Studien registriert. Es handelt sich um einen sogenannten Vektorimpfstoff. Dabei wird ein harmloses Virus - hier Adenoviren - als Transporter genutzt, um genetische Informationen für ein Eiweiß des Sars-CoV-2-Virus in den Körper zu schleusen. Ziel ist es, das Immunsystem dazu zu bringen, Antikörper gegen das Eiweiß zu bilden.

Wirkt der Impfstoff wirklich?

Ohne konkrete Daten ist es für Experten schwer, die Wirksamkeit des Impfstoffes einzuschätzen. Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg sieht die Zulassung allerdings "sehr, sehr zurückhaltend". Ärztepräsident Klaus Reinhardt kritisierte sogar das Vorgehen Russlands scharf: "Die Zulassung eines Impfstoffs ohne die entscheidende dritte Testreihe halte ich für ein hochriskantes Experiment am Menschen".

Wie sicher ist der Impfstoff?

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Wurde der Impfstoff genügend getestet?

Medienberichten zufolge soll Russland den neuen Impfstoff nur an maximal 50 Personen getestet haben. Seltene Nebenwirkungen werden in der Phase-III-Prüfung mit mehreren Tausend Probanden erkannt - von einer abgeschlossenen Phase-III-Studie mit dem russischen Impfstoff ist aber noch nichts bekannt. Laut Gesundheitsminister Michail Muraschko soll diese Testphase unabhängig von der Zulassung anlaufen. Ein sehr ungewöhnliches Prozedere.

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Wie reagiert Russland auf die Zweifel?

Russland weist die Bedenken zurück: "Ausländische Kollegen versuchen offenbar, irgendeine Meinung zu äußern, die nach unserer Ansicht absolut unbegründet ist", sagte Gesundheitsminister Muraschko der Agentur Interfax zufolge. Nach Muraschkos Angaben wird die erste Charge des neuen Impfstoffes innerhalb der nächsten zwei Wochen erwartet. Die Produktion in Russland sei in erster Linie zur Impfung der eigenen Bevölkerung ausgerichtet. Russland werde aber dem Ausland anbieten, selbst den russischen Impfstoff zu produzieren.

Welche Länder haben sich schon russische Impfstoffdosen gesichert?

Der Chef des russischen Investmentfonds, Kirill Dmitrijew, nannte Brasilien, die Philippinen und die Vereinigten Arabischen Emirate als Länder, die Interesse an einer Produktion von "Sputnik V" hätten. Es gebe darüber hinaus auch Interesse aus dem Ausland, an der dritten Testphase teilzunehmen. Auch Israel bekundete Interesse.

Was hat der Impfstoff politisch zu bedeuten?

Putin steckt wegen seiner zögerlichen Corona-Politik und der schwächelnden Wirtschaft in einem Umfragetief - die Erfolgsmeldung über den Impfstoff scheint da gerade recht zu kommen. Zudem hat Putin "Sputnik V" wohl nicht zufällig nach dem sowjetischen Satelliten benannt, der als erster eine Erdumlaufbahn erreichte.

Bei der Zulassung des russischen Impfstoffs warnen Experten vor einem Sicherheitsmangel durch zu große Eile. Sie fordern internationale Standards, so Phoebe Gaa aus Moskau.

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Wie weit ist die Entwicklung anderer Impfstoff-Kandidaten?

Derzeit laufen weltweit mehr als 170 Impfstoffprojekte, aber nur sechs befinden sich nach Angaben der WHO in der fortgeschrittenen Phase III der klinischen Prüfung. Aus Deutschland mischt das Mainzer Unternehmen Biontech ganz vorne mit. Auch beim Unternehmen Curevac aus Tübingen laufen Testreihen. Einige Länder haben sich schon Impfstoffdosen mit Milliardenverträgen gesichert.

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