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Hunderttausende Seeleute sitzen fest

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Corona-Krise trifft Schifffahrt - Hunderttausende Seeleute sitzen fest

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Wegen der Corona-Pandemie können weltweit Hunderttausende Seeleute nicht von ihren Schiffen runter. Für die Crews ist das eine schwere Belastungsprobe.

90 Prozent des grenzüberschreitenden Warenverkehrs findet auf dem Seeweg statt. Derzeit können etliche Seeleute nicht von ihren Schiffen.

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Duschgel, Einwegrasierer, Zahnbürsten - Sören Wichmann packt eine Art Care-Paket. Die Regale im kleinen Shop des Seemannsclub Duckdalben sind noch gut gefüllt. Doch die Anlaufstelle der Deutschen Seemannsmission im Hamburger Hafen ist wegen der Corona-Krise geschlossen. Weil die Seeleute nicht zum Club kommen können, fährt der Sozialarbeiter nun raus zu den Schiffen.

Wir bringen ihnen vor allem Dinge des täglichen Bedarfs und Süßigkeiten, damit sie das alles besser ertragen. Vor allem Schokolade.
Sören Wichmann, Sozialarbeiter
Hamburger Hafen - Schiff Sonderborg
Das Schiff Sonderborg im Hamburger Hafen.
Quelle: ZDF

Die Situation für die Besatzungen ist extrem schwierig. Einige seien seit fast einem Jahr auf ihren Schiffen, erzählt Matthias Ristau, Seemannspastor der Nordkirche. "Wer im Homeoffice sitzt, kann sich das vorstellen: Es beginnt stressig zu werden, wenn man nicht weiß, wie lange man noch an Bord bleiben muss."

Social-Distance trifft auch die Seeleute

Ristau baut mit ehrenamtlichen Helfern gerade einen Chatraum für die Seeleute auf, damit sie den Kontakt nach außen und vor allem mit ihren Familien aufrechterhalten können. Normalerweise würden jeden Monat rund 100.000 Besatzungsmitglieder ausgetauscht, doch die Crewwechsel sind fast vollständig zum Erliegen gekommen, sagt Christian Denso vom Verband Deutscher Reeder.

Aber wir sind mit der Bundesregierung im Gespräch und hoffen, dass es da bald eine Lösung gibt.
Christian Denso, Verband Deutscher Reeder

Beschränkungen treffen Seeleute hart

Schwierige Zeiten. Auch für den Seemansclub selbst, der sich durch Umsätze und Spenden finanziert. Die Billardtische sind verwaist, ebenso der Shop und die Bar. Im Büro nimmt Leiterin Anke Wibel derweil unermüdlich per E-Mail Bestellungen der Besatzungen entgegen, organisiert die Lieferung zu den Schiffen.

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Besonders dramatisch sei die Situation der vielen philippinischen Seeleute, die derzeit ihren Familien noch nicht einmal Geld schicken könnten, weil sie nicht von Bord dürften. "Im Hafen liegen zwei Kreuzfahrtschiffe, die den Betrieb eingestellt haben. Da sind jeweils noch 350 Besatzungsmitglieder drauf. Die dürfen abwechselnd mal runter in den Terminal, mehr nicht."

Seemannsmission unterstützt in Corona-Krise

Und so macht sich Sören Wichmann mit einem Transporter der Seemannsmission auf den Weg zur "Sonderborg", die gerade im Hafen festgemacht hat. An der Gangway wird er bereits sehnsüchtig erwartet. Betreten darf er das Containerschiff nur mit Mundschutz, Gummihandschuhen und nach nochmaliger Händedesinfektion.

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Auch auf der "Sonderborg" stünde in den nächsten Wochen ein Crewwechsel an, der wahrscheinlich nicht stattfindet. "Die Besatzung ist darüber natürlich nicht glücklich, aber das ist eben die Situation gerade. Die ganze Welt leidet und so müssen auch wir mit den Umständen leben", erzählt der Erste Offizier Alexey Karchevskiy.

Hamburger Hafen - Schiff Sonderborg
Das Schiff Sonderborg liegt derzeit im Hamburger Hafen.
Quelle: ZDF

Gleich 13 Sim-Karten kauft die Crew - Ukrainer, Russen und Philippiner - bei Wichmann. Seit Tagen hatten sie keinen Kontakt mehr zu ihren Familien. Am Ende schenkt der Sozialarbeiter ihnen noch einen Karton mit Leckereien. Wie dankbar die Seeleute der "Sonderborg" sind, lässt sich hinter ihren Schutzmasken nur erahnen.

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