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"Makaber" - Empörung über Schlauchboot-Party

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Party-Protest in Berlin - "Makaber" - Empörung über Schlauchboot-Party

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Hunderte Menschen dicht gedrängt am und im Wasser: Die Schlauchboot-Party in Berlin sorgt für Empörung. SPD-Politiker Lauterbach nennt sie "makaber", Minister Spahn ist besorgt.

Raver in Schlauchbooten am 31.05.2020 auf dem Landwehrkanal in Berlin
Raver-Demo am Pfingstsonntag auf dem Landwehrkanal in Berlin.
Quelle: Imago

Es ist strahlender Sonnenschein, die Leute strömen ins Freie, genießen die Feiertage. In Berlin - mitten in Kreuzberg - wummern am Pfingstsonntag laute Beats. Menschentrauben versammeln sich am Ufer des Landwehrkanals, hören Techno, Hunderte schippern mit Schlauchbooten übers Wasser.

Auf Bildern und Videos ist zu sehen, dass ausgelassen gefeiert wird bei dem Party-Protest, zu dem unter dem Motto "Für die Kultur - Alle in einem Boot" einzelne Akteure aus der Clubszene aufgerufen hatten. 100 Menschen waren dafür angemeldet. Am Ende zählt die Polizei etwa 1.500 Menschen und bis zu 400 Schlauchboote. Von Mindestabstand oder Mundschutz keine Spur - trotz Corona-Pandemie.

Raver in Schlauchbooten am 31.05.2020 auf dem Landwehrkanal in Berlin
Party-Protest am Pfingstsonntag in Berlin: "Für die Kultur - Alle in einem Boot"
Quelle: ZDF/Dominik Rzepka

Spahn: "Diese Bilder bereiten mir Sorgen"

Der Veranstalter beendeten zwar die Veranstaltung - doch die Party sorgt für Kritik und Empörung. "Diese Bilder bereiten mir Sorgen", schreibt Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) auf Twitter. "Beim Feiern verbreitet sich das Virus besonders leicht." Zwar seien die Infektionszahlen in Deutschland aktuell auf niedrigem Niveau. "Gleichwohl sind wir noch mitten in der Pandemie. Lasst uns das Erreichte sichern und weiterhin im Alltag aufeinander Acht geben."

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Auch in den sozialen Netzwerken hagelte es Kritik - die Demo sei "rücksichtslos", "unverantwortlich" und "saudumm", heißt es unter anderem auf Twitter. Von einem "ignoranten Zynismus" ist die Rede. Das sieht auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach so - er nennt die Veranstaltung "makaber". Denn der Bootskorso endete vor dem Urban-Krankenhaus. Während draußen dicht gedrängt in Booten gegen Corona-Maßnahmen protestiert wurde, kämpfen in den Krankenzimmern Covid-19-Patienten um ihr Leben.

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"Kann man unsere Arbeit noch mehr verhöhnen?"

Diese Party-Bilder haben auch den 38-jährigen Ricardo Lange aus Berlin mitgenommen. Er arbeitet als Intensivpfleger in Berlin, hat Kontakt zu Corona-Patienten und weiß um die Gefährlichkeit des Virus. "Kann man unsere Arbeit noch mehr verhöhnen?", fragt er empört in einem Beitrag für den Berliner "Tagesspiegel". Nicht nur Corona-Patienten, auch ihre Pfleger kämpfen in den Kliniken um ihr Leben - nach wie vor sei auch das medizinische Personal einem besonderen Risiko ausgesetzt.

Der Party-Protest mit 400 Schlauchbooten auf dem Berliner Landwehrkanal an Pfingsten sorgt für Empörung. Ein Pfleger, der Corona-Patienten betreut, schreibt, warum es ihn verletzt.

Beitragslänge:
1 min
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Ricardo Lange kritisiert auch die fehlende Unterstützung der Politik. Der von Spahn versprochene "Corona-Bonus" sei weder bei ihm noch bei seinen Kollegen auf der Intensivstation angekommen. Zudem fehle es weiter an Personal - obwohl die Zahl der erkrankten Patienten auf seiner Station steige: "Denn obwohl ich lese, dass in einigen Kliniken die Zahlen der Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen sinken - bei uns sind sie seit letzter Woche deutlich gestiegen."

Veranstalter entschuldigen sich

Mittlerweile haben sich die Veranstalter des Party-Protests entschuldigt. Sie hätten nicht "mit dieser Größenordnung gerechnet", erklären sie auf Facebook. Dass die Demo ausgerechnet vor dem Urban-Krankenhaus endete, wo möglicherweise Covid-19-Patienten behandelt werden, sei "mehr als schlecht gewählt und symbolisch völlig unangemessen", dafür "möchten wir uns aufrichtig entschuldigen".

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