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Diskussion um Elterntaxis - Sicher zur Schule trotz Corona

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Die Corona-Krise hat die Probleme mit überfüllten Schulbussen verstärkt. Viele Eltern bringen ihre Kinder nun wieder mit dem Auto zur Schule. Warum auch das Gefahren birgt.

Polizei kontrolliert "Elterntaxis" vor Hamburger Schule
Polizei kontrolliert "Elterntaxis" vor Hamburger Schule.
Quelle: ZDF

Die Corona-Pandemie fordert in nahezu allen Lebensbereichen kreative Lösungen, wie der Alltag in der Krise zu bewältigen ist. Auch der tägliche Schulweg der Kinder macht keine Ausnahme.

Das Problem: Abstand halten im überfüllten Bus

Schon vor der Pandemie waren Schulbusse zu Stoßzeiten vielerorts mehr als ausgelastet. Mit der Maßgabe, möglichst 1,5 Meter Abstand zu halten, stoßen die Busse an ihre Kapazitätsgrenzen. Auch ist vielen Eltern das Risiko einer Corona-Infektion trotz Maske und Abstand - sofern er möglich ist - zu hoch für die Kinder.

Die (vermeintliche) Lösung

Viele Eltern bringen daher seit Beginn des neuen Schuljahres ihre Kinder mit dem Auto zur Schule - im "Elterntaxi". Damit soll das Infektionsrisiko verringert und der öffentliche Nahverkehr entlastet werden. Im südniedersächsischen Landkreis Northeim wird das Elterntaxi sogar finanziell gefördert: Seit Ende April können dort 20 Cent pro Kilometer beantragt werden. Ein ähnliches Förderprogramm war auch im Landkreis Peine angedacht, wurde jedoch schon vor der Testphase gestoppt:

Eine erste Auswertung und zahlreiche Gespräche unter anderem mit Schulen, Beförderungsunternehmen und der Polizei haben gezeigt, dass die geplante Entschädigung für Eltern, die ihre Kinder statt mit dem Bus mit dem Auto zur Schule bringen, viele andere Probleme mit sich bringt.
Fabian Laaß, Kreissprecher Peine

Was sind die Probleme der Elterntaxis?

Der ADAC sieht im Hol- und Bringverkehr der Eltern direkt vor der Schule eine Gefahr für die Sicherheit der Kinder. Verkehrsverstöße unmittelbar vor Grundschulen seien demnach eher die Regel als die Ausnahme. Gefährdungen und Behinderungen resultieren überwiegend aus dem Fehlverhalten von Eltern:

Abenteuerliche Wendemanöver, mehrfaches Rangieren, Parken im Halteverbot. Das ist eine Katastrophe.
Thomas Müther, ADAC Nordrhein e.V.

Oft spiele dabei auch Zeitdruck eine Rolle, da viele Eltern die Kinder auf dem Weg zur Arbeit oder zu einer anderen Verpflichtung ablieferten. Die Elterntaxis vermittelten ein "falsches Gefühl von Sicherheit". Auch wenn die Anzahl der gemeldeten Schulwegunfälle leicht rückläufig sind, verunglücken oder sterben immer noch die meisten Kinder (im Alter von sechs bis neun) im Auto.

Außerdem hätten Untersuchungen gezeigt, dass ein Schulweg zu Fuß viele andere positive Effekte habe. So steigere er die Fitness der Schüler, stärke das Sozialverhalten und die Eigenständigkeit der Kinder und führe zu besserer Konzentrationsfähigkeit im Unterricht durch die frische Luft auf dem Weg.

Abwälzung öffentlicher Verantwortung auf Eltern?

Ilka Hoffmann ist bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) für den Bereich Schule zuständig. Für sie werde mit der Förderung von Elterntaxis eine öffentliche Verantwortung ins Private, nämlich auf die Eltern, abgewälzt. Die Schülerbeförderung mache schon seit Jahren Probleme: Zu wenige Busse, keine Beaufsichtigung und teilweise Übergriffe auf Kinder. Natürliche müsse man in der Corona-Krise kreativ werden, es sei jedoch auch eine Chance, die Schülerbeförderung grundsätzlich neu zu organisieren, etwa mit mehr Bussen:

Wir wollen ja weg vom Individualverkehr, wegen der Staus und auch wegen des Klimas. Wenn wir ehrlich über Klimaschutz reden sollen, dann müssen wir den ÖPNV stärken und nicht den Individualverkehr.
Ilka Hoffmann, GEW

Für Hoffmann könne die Förderung für Elterntaxis nur ein "Notanker während der Pandemie sein". An sich sei es aber ein Impuls in die falsche Richtung.

Die (andere) Lösung

Solange das Infektionsrisiko in überfüllten Bussen für Eltern zu hoch ist, empfiehlt der ADAC die Einrichtung von Hol- und- Bringzonen einige hundert Meter entfernt von der Schule. Dort sollen die Kinder sicher abgeliefert werden und die letzten Meter zu Fuß zur Schule gehen.

Diese Zonen könnten zu den Stoßzeiten für Eltern freigehalten werden. Alternativ könne man die ohnehin freien Stellflächen nutzen, wie Supermarktparkplätze, die zum Unterrichtsbeginn am Morgen meist noch nicht so stark frequentiert seien.

Grafik Aerosolverbreitung in Klassenzimmer

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