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IT-Ausstattung - "Schulen, die wie Wüsten anmuten"

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Heute starten wieder drei Bundesländer in den Präsenzunterricht. Bildungsexperte Olaf Köller kritisiert, dass die Bundesländer sich zu sehr auf einen Erfolg verlassen.

Schule in Corona-Zeiten
Masken und Hygiene-Regeln: Schulalltag in Corona-Zeiten.
Quelle: obs

Die Kultusminister haben es angeordnet, die Schulen umgesetzt: Jedes Bundesland legt fest, wie der Unterricht im Klassenzimmer in Zeiten von Corona durchgeführt wird. Hygienevorgaben, Pausenregelungen, Schutzvorkehrungen, Unterrichtsgestaltung. Auf andere Corona-Szenarien sind die Schulen jedoch kaum vorbereitet, kritisiert Psychologe Olaf Köller, Geschäftsführender Direktor des Leibniz-Instituts in Kiel.

ZDFheute: Sind unsere Schulen gut auf das Ende der Sommerferien vorbereitet?

Olaf Köller: Wenn man die offiziellen Verlautbarungen hört, ja. Aber mein Eindruck ist, dass viele Schulen nicht wirklich darauf vorbereitet sind. Sie sind hauptsächlich auf den Präsenzbetrieb vorbereitet, also darauf, dass die Schülerinnen und Schüler wieder in die Schule kommen. Aber auf den Tag, an dem wieder eine Klasse oder ein Jahrgang geschlossen wird, sind die Schulen unzureichend vorbereitet.

ZDFheute: Nun ist die Pandemie nicht vom Himmel gefallen. Wir haben seit Monaten damit zu tun. Wer hat in Ihren Augen geschlafen?

Köller: Sicherlich haben wir in den ländlichen Regionen oftmals überhaupt noch keine Infrastruktur, keine Netzanbindung. Wir haben zum Teil Schulen, die wie Wüsten anmuten. Man hat dort keine vernünftigen Rechner, man hat dort kein Internet.

Man hat teilweise Schulleitungen, die nicht einmal einen vernünftigen Arbeitsrechner haben. Und man hat zum Teil Lehrkräfte, die nur wenig mit digitalen Medien vertraut sind.

Eigentlich hatte man nicht erst seit den Sommerferien Zeit, sondern seit Mitte März, um rasch Lösungen zu finden für Distanzlernen und häusliches Lernen.

ZDFheute: Haben sich die Schulen zu sehr auf Hygiene-Konzepte konzentriert und zu wenig auf pädagogische Konzepte?

Köller: Sie können 100 Millionen Masken in China bestellen, aber Sie können nicht 1.000 fortgebildete Lehrerinnen und Lehrer aus dem Boden stampfen. Es ist natürlich schneller, Hygiene-Konzepte zu entwickeln. Wenn Sie pädagogische Konzepte entwickeln, dann haben Sie Fortbildungsbedarf, Sie müssen eine völlig neue Infrastruktur aufbauen.

Während sich viele Schulen gut auf den Präsenzbetrieb vorbereitet haben, bleiben Konzepte zum erneuten Homeschooling auf der Strecke.

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ZDFheute: Wie kann ein krisenfestes Schulsystem aussehen?

Köller: Wir brauchen ganz schnell ein Konzept, damit Schulen Schul-Clouds bekommen. Auf diesen Clouds brauchen wir Standard-Software zum Präsentieren, zum Schreiben, auch zum Recherchieren. Und: Wir haben einen riesigen Bedarf an IT-Kräften, die sich dann natürlich auch um die Schulen kümmern müssen. An Universitäten und Forschungseinrichtungen haben wir überall IT-Kräfte. Nur Schulen haben keine.

Das sind Betriebe mit teilweise über 150 Lehrkräften und mehr als 1.000 Schülerinnen und Schülern. Aber es gibt keine IT-Fachkräfte. Das muss man dringend abstellen.

ZDFheute: In einer Stellungnahme der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina schreiben Sie und Ihre Mitautoren, die Schließung von ganzen Bildungseinrichtungen solle verhindert werden. Glauben Sie daran?

Köller: Man kann es verhindern, wenn man ein kluges Konzept von epidemiologischen Gruppen hat. Das sind Gruppen in der Schule, die man konstant hält, die sich miteinander austauschen, aber möglichst keinen Kontakt zu anderen Gruppen haben. Das kann die Klasse sein. Wenn sich dann ein Schüler oder eine Schülerin infiziert hat, dann muss man nur diese Klasse isolieren. Alle anderen können weiterhin kommen. Wenn man nicht in der Lage ist, so kleine Gruppen zu bilden, dann wird es ganz schnell wieder auch wieder zu kompletten Schulschließungen kommen.

In NRW gelten an allen weiterführenden und berufsbildenden Schulen strenge Verhaltensregeln und eine Maskenpflicht.

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ZDFheute: Haben Sie die Befürchtung, dass in einigen Jahren von einer Corona-Generation die Rede sein wird, die einen wesentlichen Teil schulischer Bildung verpasst hat?

Köller: Ich hoffe, dass insbesondere die sozial benachteiligten Schülerinnen und Schüler Zusatzangebote bekommen, am Wochenende oder in den Ferien. Man muss aber schon die Sorge haben, dass diese Jahrgänge lange mit diesem Malus herumlaufen werden. Denn wir wissen aus der Vergangenheit:

Wenn verringerte Schulzeiten aufgetreten sind, kann man das bei den betroffenen Menschen auch nach Jahrzehnten noch sehen.

Sie sind vermindert leistungsfähig im Vergleich zu denen, die normal beschult wurden.

Das Interview führte Simon Pfanzelt.

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