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Schulstart im Herbst : Filter oder Fenster? Länder uneins

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In vielen Bundesländern haben die Ferien noch nicht mal angefangen. Aber es tobt eine Debatte, ob die Zehntausenden Schulen und Kitas ausreichend für den Neustart vorbereitet sind.

In einem Klassenraum steht ein Luftreiniger, der die Corona-Infektionsgefahr während des Unterrichts senken soll.
In einem Klassenraum steht ein Luftreiniger, der die Corona-Infektionsgefahr während des Unterrichts senken soll.
Quelle: dpa

"Kinder und Jugendliche haben es verdient, dass es die oberste Priorität ist, dass Schulen nach den Ferien so normal wie möglich starten können", sagt Gesundheitsminister Jens Spahn. Doch schon die Anschaffung von Lüftungsgeräten, die die in der Luft befindlichen Viren absaugen sollen, ist umstritten.

Bayern sprintet vor - Land übernimmt Hälfte der Kosten

In Bayern kritisierte Ministerpräsident Markus Söder etwa vor wenigen Tagen:

Wir haben fast 100.000 Klassenzimmer und Übungsräume, aber die Kommunen haben nur 14.000 Filteranlagen angeschafft oder bestellt. Das reicht nicht.

Er kündigte an, dass sein Land 50 Prozent der Kosten der Kommunen für die Lüfter übernehmen will. Dies würde entsprechende Bundesprogramme ergänzen.

Erst am 12. Mai beschloss das Bundeskabinett etwa eine Förderung von stationären Luftfiltern in Schulen, in denen unter 12-Jährige unterrichtet werden. Der Grund: Diese werden im Herbst anders als die Älteren noch nicht geimpft, also besonders anfällig für Covid-Infektionen sein. Bis zum 1. Juli waren nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums 176 Anträge für den Neueinbau eingegangen, bisher wurden 84 Zusagen mit einem Volumen von rund 21 Millionen Euro verschickt.

Viele Bundesländer setzen auf Frischluft statt Filter

Die geringen Zahlen zeigen schon, dass nur wenige begeistert dem bayerischen Vorbild folgen. "Uns ist bisher keine wissenschaftliche Stellungnahme bekannt, die sagt, dass der Einsatz von Lüftungsanlagen uns selbst bei starkem Infektionsgeschehen einen Präsenzunterricht sicher gewährleisten könnte", heißt es etwa im Kultusministerium im benachbarten Baden-Württemberg. "Vielmehr kommen beispielsweise das Bundesumweltamt und auch der Expertenkreis Aerosole des Landes Baden-Württemberg zum Ergebnis, dass Luftfilter zwar als zusätzliche Maßnahme sinnvoll sein können, sprechen sich aber nicht für einen generellen Einsatz dieser Geräte aus."

Das stimme zwar, heißt es im Bundesgesundheitsministerium. Aber Spahn verweist darauf, dass es in der ganzen Corona-Bekämpfung darum gehe, das Risiko einer Ansteckung mit verschiedenen Maßnahmen zu minimieren - dazu könnten Luftfilter ein Beitrag sein. Der Chef des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, beklagte über Monate, dass Gemeinden und Schulen die RKI-Empfehlungen nur bedingt umsetzten.

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Länder wie das Saarland oder Hessen wollen aber nur abgestuft vorgehen: Das Land fördere die Anschaffung solcher Geräte durch die Schulträger "bedarfsorientiert" mit vier Millionen Euro, heißt es im Kultusministerium in Saarbrücken. Bis Mitte Mai seien rund 200 Klassenräume mit entsprechenden Geräten ausgestattet worden. Rund 480.000 Euro der Fördersumme seien durch die Schulträger abgerufen worden. Ähnlich sieht es im deutlich größeren Hessen aus: Das Kultusministerium teilt mit, dass von den bereitgestellten 75 Millionen Euro bisher 40 Millionen investiert worden seien. "Der Einsatz ist aber nur dort vorgesehen und sinnvoll, wo nicht gelüftet werden kann", heißt es dazu.

Empfehlungen des Umweltbundesamts als Richtschnur

In etlichen Bundesländern passiert wenig: In Niedersachsen etwa wurde nur eine Million Euro für mobile Lüftungsgeräte ausgegeben. Und in Thüringen, Brandenburg oder Sachsen-Anhalt bremst man die Debatte - und verweist auf das Umweltbundesamt: Luftreiniger seien nur eine der Maßnahmen, die Schulträger ergreifen könnten, betont das Kultusministerium in Erfurt. "Die Empfehlungen des Umweltbundesamtes ... lassen sich zugespitzt folgendermaßen zusammenfassen: Der beste Luftreiniger ist das geöffnete Fenster."

Auch das Bildungsministerium in Potsdam verweist auf das Umweltbundesamt. Jede Schule habe aber zwei sogenannte Luftgüteampeln erhalten, die anzeigen, wann gelüftet werden muss. In Sachsen-Anhalt ist das Bildungsministerium noch zurückhaltender: "Falsch aufgestellte Geräte und Luftreiniger mit unwirksamen Filtern führen nicht zu einem Mehr an innenraumlufthygienischer Sicherheit, sondern können die Situation sogar verschlechtern", argumentiert das Kultusministerium. In Rheinland-Pfalz wiederum heißt es: "In den meisten unserer Schulen erfolgt eine Fensterlüftung."

Die Antworten der Länder deuten auf einen erneuten Flickenteppich unterschiedlicher Regelungen in den Schulen im Herbst hin. Der Städte- und Gemeindebund weist vorsorglich die Verantwortung der Kommunen für einen verschleppten Einbau von Filtergeräten in Klassenzimmern zurück. "Was es nicht gab, war eine Bestandsaufnahme der Kultusminister und eine klare Erwartungshaltung der Landesregierungen", sagt ein Sprecher auf Anfrage. Sicher dürfe man jetzt nicht wieder Zeit vertrödeln. Aber ohne finanzielle Hilfe von Bund und Ländern könnten die Kommunen und Schulträger diese Aufgabe ohnehin nicht bewältigen.

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