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Mecklenburg-Vorpommern - Ein Schulstart, fast als gäbe es kein Corona

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In Mecklenburg-Vorpommern geht heute die Schule wieder los. Geplant ist ein vollständiger Regelbetrieb: keine Maskenpflicht, oftmals kein Sicherheitsabstand. Wie funktioniert das?

"Home-Schooling, da hatte man mehr Stress, immer kamen neue Aufgaben dazu. Ich hab auch die Hofpausen mit den Kumpels vermisst", sagt Schüler Simon Eggert beim Warten vor einem Schweriner Schreibwarenladen.

Sein Vater Marco ist auch froh, dass die Schule endlich wieder fast normal laufen soll. "Vorher haben meine Frau und ich immer hin und her geswitcht, um die Betreuung hinzubekommen". Doch die Angst sei da, dass sich nicht mehr alle an die Hygieneregeln halten, gesteht der Familienvater.  

Die Feiern zur Einschulung können stattfinden

Auch in Mecklenburg-Vorpommern steigen die Neuinfektionen mit dem Coronavirus wieder an. Nach einer Familienfeier im Süden des Landes gibt es 15 Infizierte, 160 Kontaktpersonen mussten in Quarantäne. Das Gesundheitsamt des Kreises Ludwigslust-Parchim sieht bislang keinen Grund, Schulen und Kitas im besonders betroffenen Hagenow nicht zu öffnen.

Einschulungsfeiern können bei Einhaltung der Abstandsregeln stattfinden. Doch gerade hier kommen am Wochenende vor dem Schulstart viele Menschen zusammen - die Einschulung wird in Ostdeutschland traditionell im großen Familienkreis gefeiert.

Der Schulstart ist aber dringend nötig, sagt Bettina Martin (SPD), Kultusministerin von Mecklenburg-Vorpommern.

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Für die Schüler gibt es keine Maskenpflicht

In den Grundschulen werden etwa bis zu 400 Kinder in einer Gruppe gefasst, in weiterführenden Schulen bilden zwei Jahrgänge eine Gruppe. Und so regelt die Landesregierung das praktisch:

  • Präsenzbetrieb in festen Gruppen
  • Gruppen sollen sich im Schulgebäude/in der Pause nicht begegnen
  • Kein Mindestabstand im Klassenzimmer
  • Keine Maskenpflicht
  • Zeitversetzter Unterricht und getrennte Hofbereiche
  • Teilweise verkürzte Stunden, Stoßlüften ist Pflicht
  • Musik-, Sport- und Schwimmunterricht finden unter Auflagen statt
  • Lehrer können sich freiwillig alle zwei Wochen testen lassen.

Dazu kommen getrennte Eingänge - und ein Leitsystem auf den Schulfluren sollen verhindern, dass sich die Gruppen begegnen. Das Risiko einer Ansteckung wird damit trotzdem einkalkuliert. Direktorin Heike Walter von der Schule am See in Satow bei Rostock sieht das Konzept mit gemischten Gefühlen. Einerseits freue sie sich auf die Schüler.

"Doch dass die Fachlehrer von Gruppe zu Gruppe hüpfen, ist für mich sehr bedenklich", betont Heike Walter. Als Direktorin finde sie es jedoch praktisch, weil sie so natürlich gut planen könne.

Lehrer können sich freiwillig testen lassen

Grundschullehrerin Diana Bechtloff hätte gerne eine Plexiglasscheibe im Klassenzimmer, denn die Sorge vor einer Ansteckung sei auf jeden Fall da. Aber das oder Maskentragen sei bei den jüngsten Schülern nicht praktikabel.

In Satow war bis zum Schulstart nicht klar, ob alle Lehrer aus der Risikogruppe in die Schule zurückkehren. Mit freiwilligen Tests für jeden Lehrer im Zwei-Wochen-Takt soll zumindest ein Gefühl von mehr Sicherheit fürs Unterrichten ohne Abstand erzeugt werden.

Ein Virologe gibt grünes Licht

Andreas Podbielski, Virologe der Universitätsmedizin Rostock findet die weitgehenden Lockerungen im Schulbereich richtig:

Zurückrudern kann man immer noch. 
Andreas Podbielski, Virologe

Die jüngsten Corona-Fälle im Land hätten mit Hort und Kita nichts zu tun gehabt. Ausbrüche in Urlaubsorten blieben bisher aus.  

Der Elternrat rechnet mit weiteren Lockdowns

Präsenzunterricht, jetzt, und flächendeckend - das sei einfach extrem wichtig, sagt auch Kay Czerwinski vom Landeselternrat. Eltern müssten arbeiten, Schüler dürften nicht noch mehr Stoff verpassen. Czerwinski hofft, dass durch die Verfolgung der Infektionsketten im Ernstfall auch klappt und man einen Corona-Ausbruch regional eingrenzen kann.

Es wird Schulschließungen geben, es wird Lockdowns geben, auch hier. Aber bitteschön nur begrenzt, dass wir so viel wie möglich Präsenzunterricht für alle Schüler haben.
Kay Czerwinski, Landeselternrat

Czerwinski appelliert an die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregeln. Nur so kann es ein Erfolg werden, das "Pilotprojekt Regelbetrieb" an den Schulen in Mecklenburg-Vorpommern. 

Anja Kapinos ist Korrespondentin im ZDF-Landesstudio Mecklenburg-Vorpommern.

Fußgängerinnen und Fußgänger und Deutschlandkarte mit Inzidenzen
Grafiken

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