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Bald "Probleme wie vor Sommerferien"

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Schulen und zweite Corona-Welle - Bald "Probleme wie vor Sommerferien"

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Im ZDFheute-Interview spricht Stephan Wassmuth vom Bundeselternrat über seine Sorgen vor einem Corona-Herbst an deutschen Schulen.

Schüler mit Masken im Lise-Meitner-Gymnasium in Unterhaching
Schüler mit Masken im Lise-Meitner-Gymnasium in Unterhaching
Quelle: dpa

ZDFheute: Der Virologe Christian Drosten sieht die deutschen Schulen ungenügend vorbereitet auf eine zweite Corona-Welle. Dort sei seit April "relativ wenig an zusätzlicher Arbeit geleistet" worden. Drosten sprach von einer "bunten Situation". Wird es Ihnen langsam zu bunt?

Stephan Wassmuth: Es ist nicht von der Hand zu weisen, was Drosten sagt. Wir vom Bundeselternrat bemängeln das genauso. Ein Beispiel: Gestern gab es eine Sitzung der Kultusministerkonferenz, an der neben Vertretern von Lehrergewerkschaften und mir auch fünf Virologen teilgenommen haben, die den Kultusministern klipp und klar gesagt haben: Leute, was ihr an den Schulen macht, ist untragbar!   

ZDFheute: Worauf bezog sich die Kritik genau?

Wassmuth: Da ging es zum einen um den baulichen Zustand der Schulen. Viele sind so heruntergewirtschaftet, dass sie den Herausforderungen, die Corona mit sich bringt, nicht gewachsen sind. Ein anderes großes Thema war das Belüften der Klassenzimmer. Es soll jetzt eine Empfehlung geben, die Unterrichtsstunden so aufzuteilen: 20 Minuten Unterricht, fünf Minuten Lüften, 20 Minuten Unterricht. Die Virologen sagen aber ganz klar: Das ist nicht die Lösung des Problems mit den Aerosolen.

Die bestehenden Hygienekonzepte müssen im Hinblick auf die kalten Jahreszeiten angepasst werden, sagt unter anderem der Virologe Christian Drosten.

Beitragslänge:
2 min
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ZDFheute: Wie könnte die Lösung aussehen?

Wassmuth: Maskenpflicht, Abstandsregeln, kleinere Lerngruppen, zum Teil Distanzunterricht. Sonst wird es in den Schulen ein Glücksspiel. Ein Virologe sagte, dass es ohne konsequentes Handeln ein Chaos geben werde und wir die Infektionsherde in den Schulen nicht kontrollieren könnten. Das ist das Ergebnis des Treffens. Das war schon ziemlich ernüchternd.

ZDFheute: Wie ist der Diskussionsstand um die Lüftungsanlagen?

Wassmuth: Die Virologen sagten, damit könne man die Raumluft teilweise sauber halten, aber man bringe die Corona-Infektionen nicht weg, weil die wohl im direkten Gespräch miteinander stattfinden. Die Lüftungsgeräte müssten also zwischen zwei Gesprächspartnern stehen. Aber das ist illusorisch. Die Geräte hängen irgendwo an der Decke, helfen also nur zum Teil weiter.

ZDFheute: Sie haben wiederholt kleinere Lerngruppen und einen Mix aus Präsenz- und Distanzunterricht in der Pandemiezeit gefordert…

Wassmuth: Ja, aber Stand jetzt sind zu viele Schulen nicht vorbereitet für den Distanzunterricht. Ganz viele haben zwar von den Landesbehörden die Anweisungen bekommen: Stellt sicher, dass Distanzunterricht reibungslos stattfinden kann. Das ist auch nett gemeint, aber viele Schulen können das allein nicht hinbekommen, weil die technische Infrastruktur fehlt und die Lehrkräfte nicht fortgebildet worden sind. Wir müssen davon ausgehen, dass wir in naher Zukunft dieselben Probleme haben werden wie vor den Sommerferien.

ZDFheute: Was löst das in Ihnen aus?

Wassmuth: Es wird immer mehr das Problem aufkommen, dass Schülerinnen und Schüler Bildungsungerechtigkeit erfahren. Das macht es so frustrierend.

Das Interview führte Marcel Burkhardt.

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von Tai Becker
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