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Corona-Schulstudie - Epidemiologe: Schulöffnungen berechtigt

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Der Epidemiologe Gérard Krause fordert mehr Einsatz für den Schutz besonders Corona-gefährdeter Menschen. Schulöffnungen seien aber vorerst sinnvoll.

Mecklenburg-Vorpommern, Schwerin: Schüler einer ersten Klasse gehen in den Klassenraum.
Mecklenburg-Vorpommern macht den Anfang: Wie hier in Schwerin startete heute der Unterricht.
Quelle: dpa

ZDFheute: Die Uniklinik Leipzig hat heute erste Ergebnisse einer großangelegten Corona-Studie an sächsischen Schulen veröffentlicht. Was ist die für Sie wichtigste Erkenntnis?

Gérard Krause: Für die Bewertung des Infektionsgeschehens enthält die Studie eine wichtige Information, denn es verdichtet sich mehr und mehr die Evidenz, dass Kinder im Vergleich zu Erwachsenen eher weniger als stärker zur Übertragung des Virus beitragen.

ZDFheute: Und wenn sich Kinder doch infizieren?

Krause: Wenn Kinder infiziert sind, dann haben sie sich die Infektion eher bei Erwachsenen geholt, als dass Kinder dazu beitragen, dass Erwachsene Infektionen bekommen. Die politische Konsequenz, den Regelbetrieb an Schulen wieder einzuführen, halte ich demnach nach derzeitigem Stand für schlüssig.

ZDFheute: Dennoch haben vor allem viele ältere Lehrer Sorge um ihre Gesundheit.

Krause: Im Einzelfall mag die Sorge berechtigt sein. Deshalb müssen wir differenziert Prävention verstärken und insbesondere diejenigen schützen, von denen wir wissen, dass sie eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine schwere Infektion haben. Aber typischerweise sind das nicht die Schüler und auch nicht der Großteil der Lehrkräfte.

Die Universität Leipzig hat erneut Schüler untersucht und befragt. Das Ergebnis: Es haben sich wenig Schüler mit Corona angesteckt, aber viele von ihnen vermissen den Schulalltag und ihre Freunde.

Beitragslänge:
2 min
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ZDFheute: Aktuell steigt erneut die Sorge vor einer zweiten Corona-Welle. Wie bewerten Sie das Geschehen?

Krause: Wir sollten die Infektionszahlen hauptsächlich als Indikator für die Dynamik der Pandemie sehen und nicht als Indikator für die Schwere der Pandemie. Die Infektionszahlen sind sehr stark abhängig davon, wie niedrigschwellig wir testen. Unser eigentliches Ziel ist doch aber schwere Erkrankungen zu vermeiden. Dieses Ziel riskieren wir mit alleinigem Blick auf die reinen Infektionszahlen aus den Augen zu verlieren.

In Mecklenburg-Vorpommern startet heute wieder die Schule. Damit einher geht die bundesweite Diskussion ob es in Schulen, außerhalb des Unterrichts, eine Maskenpflicht geben sollte.

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1 min
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ZDFheute: Aber zwischen der Anzahl der Infizierten und der Zahl der Erkrankten gibt es doch einen direkten Zusammenhang. Deshalb macht es doch Sinn, die Infektionszahlen niedrig zu halten, nicht wahr?

Krause: Ja und nein. Natürlich sind Maßnahmen richtig und wichtig, um das Infektionsgeschehen im Griff zu behalten. Aber wir werden eine zweite Welle nicht stoppen können. Aber wir können einiges tun, um die Zahl der schweren und tödlichen Infektionen möglichst gering zu halten, auch wenn wir diese schweren Verläufe nicht vollständig vermeiden können. Das müssen wir akzeptieren.

ZDFheute: Was empfehlen Sie?

Krause: Es scheint derzeit relativ wenig Aufmerksamkeit für den direkten Schutz besonders verletzlicher Menschen zu geben. Da müssen wir kreativer werden. Es braucht ein Abwägen, Abstufen in der Intensität der Maßnahmen. Das kostet natürlich Zeit und Geld und man muss zum Beispiel damit anfangen, bessere Arbeitsbedingungen in der Altenpflege zu schaffen, dort mehr Personal einstellen und besser schulen.

Das Interview führte Marcel Burkhardt.

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