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Was hinter dem Wirbel ums Coronavirus steckt

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Ansteckung, Schutz, Symptome - Was hinter dem Wirbel ums Coronavirus steckt

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Experten beruhigen: Das Virus ist viel weniger ansteckend als Masern oder Grippe. Symptome, EU-Maßnahmen, Vorgehen im Notfall - ein Überblick über die Fakten.

Die Zahl der an dem Virus erkrankten steigt auch in Deutschland: In Bayern wurden drei weitere Patienten isoliert. Weltweit versuchen Mediziner, Behörden und Fluglinien das Virus zu stoppen.

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Es war der erste bestätigte Fall in Deutschland: Ein 33-Jähriger aus Bayern hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Es war die erste Mensch-zu-Mensch-Übertragung außerhalb Asiens - inzwischen sind vier Menschen in Deutschland infiziert. Aber muss man deshalb Angst vor dem Virus haben? Warum das Coronavirus weniger gefährlich als Grippe ist - ein Überblick.

Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr in Deutschland?

Virologen beruhigen: Eine Ansteckung hierzulande sei extrem unwahrscheinlich. Nach Einschätzung von Experten ist das neue Coronavirus ein vergleichsweise wenig ansteckender Erreger. Infizieren kann sich nur, wer direkt Kontakt mit einem Erkrankten hat. Es handelt sich um eine Tröpfcheninfektion - eine Ansteckung über kontaminierte Gegenstände gebe es daher nicht, sagt Jonas Schmidt-Chanasit vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin.

Die Infektionsfälle des Coronavirus in China steigen rasant. Einen ersten Infektionsfall gab es auch in Deutschland. Was schützt vor einer Ansteckung und wie läuft eine Behandlung ab?

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Vermutet wird derzeit, dass das Virus sich vor allem in den unteren Lungenbereichen ansiedelt und weniger ausgeprägt in den oberen Atemwegen. Das würde ein geringeres Ansteckungspotenzial bedeuten, da der Weg von Lunge zu Lunge weiter ist als etwa von Nase zu Nase.

Die meisten Fälle gebe es nach wie vor in der Millionen-Metropole Wuhan. Das Virus habe sich außerdem nicht sehr stark ausgebreitet, sagt Schmidt-Chanasit. "Vielfach geht das Virus höchstens auf einen weiteren Menschen über, dann läuft sich die Infektion tot", erklärte er.

Die Ansteckungefahr bei Grippe ist zum Beispiel sehr viel höher:

Was sind die Symptome bei einer Infektion mit dem Virus?

Ein Verdacht liegt nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) vor, wenn ein Mensch eine akute Infektion der unteren Atemwege wie zum Beispiel eine Lungenentzündung hat und wenn er bis maximal 14 Tage vor dem Beginn der Erkrankung in einem Risikogebiet - etwa in Wuhan in China - war. Typisch für das neuartige Coronavirus ist nach derzeitigem Stand, dass die oberen Atemwege kaum betroffen sind. Es gibt beispielsweise keinen Schnupfen.

Nach derzeitiger Einschätzung von Experten verläuft die neuartige Lungenkrankheit in den meisten Fällen mild, möglicherweise sogar ohne Symptome. Wer vor Kurzem in einem Risikogebiet war und mit einem infizierten Menschen Kontakt gehabt haben könnte, sollte sich deshalb bei einem Arzt melden, auch wenn er keine Symptome hat.

Welche Anlaufstellen gibt es für Verdachtsfälle?

Schon ein Verdachtsfall sollte der örtlichen Gesundheitsbehörde gemeldet werden. Danach wird ein Test durchgeführt, um die Diagnose Coronavirus zu stellen. Bislang gebe es etwa eine Handvoll Labore, die den Test anbieten, sagt Lars Schaade vom RKI. Das werde sich aber bald ändern. "Die Labore bereiten sich darauf vor, dass die Zahl der Verdachtsfälle steigt." Damit Ärzte Vorbereitungen treffen können, sollte man vor einem Arzt- oder Krankenhaus-Besuch vorher anrufen.

Frankreich: Isolierstation im Krankenhaus Pellegrin in Bordeaux.
Eine Isolierstation im Krankenhaus Pellegrin in Bordeaux: Hier würde ein Patient mit Coronavirus hinkommen.
Quelle: Picture Alliance/Stephane Lartigue/MAXPPP/dpa

Was passiert bei einem Verdacht auf Coronavirus?

Liegt ein Verdacht vor, muss der Patient in einem Krankenhaus isoliert werden. Der Betroffene wird dann in einem Einzelzimmer untergebracht und das Klinikpersonal muss Schutzkleidung tragen.

Bei der Untersuchung wird jeweils eine Probe aus den unteren Atemwegen genommen. Fällt das Testergebnis positiv aus, bleibt die Isolierung bestehen. Zudem müssen die Menschen, mit denen der infektiöse Patient Kontakt hatte, 14 Tage lang beobachtet werden. Sie werden namentlich registriert.

Wie wird das Virus behandelt?

Es gibt bisher keine Impfung oder Therapie zur Behandlung der Erkrankung. Die Symptome können aber mit Medikamenten abgemildert werden, zum Beispiel mit fiebersenkenden Mitteln, um bakteriellen Zusatzinfektionen vorzubeugen. Bei sehr schweren Fällen wird eine mechanische Beatmung eingesetzt.

Welche Menschen sind besonders gefährdet?

Besonders gefährdet sind Kleinkinder, ältere Menschen und alle Menschen mit Vorerkrankungen besonders im Herz-Lungenbereich. Die meisten Todesfälle in China gehen auf ältere stark vorerkrankte Patienten zurück.

Bricht ein neuartiges Virus aus, muss schnell gehandelt werden. Denn: Bereits vor den ersten Symptomen ist der Mensch ansteckend. So kann sich ein Virus schnell ausbreiten und es kann zu einer Epidemie oder gar Pandemie kommen.

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Wie gefährlich ist das Coronavirus?

August Stich, Chefarzt der Klinik für Tropenmedizin in Würzburg, rät angesichts der bundesweit ersten bestätigten Infektionsfälle mit dem Coronavirus in Bayern zu "aufmerksamer Gelassenheit". Die Hauptgefahr liege derzeit "in irrationalen und panischen Reaktionen". Das Gesundheitssystem erfahre schon jetzt eine enorme Mehrbelastung durch Menschen, die eine Abklärung wünschen.

Die Sterblichkeitsrate sei mit aktuell zwei Prozent nicht niedrig - aber im Vergleich mit zum Beispiel Ebola und auch dem Sars-Erreger deutlich geringer. Allein in Deutschland erkranken nach Angaben des Robert-Koch-Instituts pro Saison zwei bis 14 Millionen Menschen an der Grippe. Bei der Grippewelle im Winter 2017/18 starben 25.100 Menschen in Deutschland.

Ist eine Atemmaske als Schutz sinnvoll?

Dass einfache Atemmasken einen guten Schutz vor dem Virus bieten, wird von Experten angezweifelt. Im Zuge der Sars-Epidemie 2002/2003 hätten einige Studien sogenannten FFP3-Masken, spezielle Feinpartikelmasken, einen schützenden Effekt nahelegen wollen, erklärt der Berliner Virologe Christian Drosten. Mit solchen Masken könne man im Alltag aber nicht lange herumlaufen.

Gibt es Einschränkungen für Reisen nach China?

Derzeit liegt eine Reisewarnung für die Provinz Hubei vor: Das Risiko für deutsche Reisende in Wuhan werde als moderat eingeschätzt, jedoch könne es durch die enorme Beanspruchung des Gesundheitssystems zu Einschränkungen bei der allgemeinmedizinischen Versorgung kommen, schreibt das Auswärtige Amt.

Menschen mit Mundschutz in Taiwan
Menschen mit Mundschutz in Taiwan: Ist die Atemmaske wirklich notwendig?
Quelle: epa

Welche Vorsichtsmaßnahmen werden in Europa getroffen?

Am Flughafen Frankfurt werden nach einer Information des Sozialministeriums Hessen aus den Risikogebieten in China einreisende Passagiere mit Fieber untersucht. Auf der Reise Erkrankte werden bereits im Flugzeug isoliert und untersucht. Bei Verdacht auf eine Coronavirus-Infektion käme ein Patient ins Krankenhaus und die Mitreisenden würden informiert. Mit zwei Flugzeugen sollen EU-Bürger laut EU-Kommission aus der betroffenen Region in China herausgeflogen werden.

Warum wird so viel Wirbel um die Coronaviren gemacht?

Das Gefährliche an neuartigen und unbekannten Viren ist, dass sie mutieren und im Verlauf einer Epidemie ansteckender und gefährlicher werden können. Dabei passt sich das Virus durch Veränderungen im Erbgut an, um sich zum Beispiel leichter zu verbreiten oder schneller auszubrechen.

Coronaviren gelten als sehr anpassungsfähig und wandelbar. Bislang sei diese neue Art von Coronaviren aber stabil und es seien keine Mutationen beobachtet worden, sagt Michael Ryan, Direktor der WHO-Notfallprogramms, in Genf. "Wir sehen keine Veränderungen in der genomischen Sequenz des Virus."

Weiterführende Links:

  • Informationen des Robert-Koch-Instituts (RKI) zum neuen Coronavirus und dem Umgang damit
  • Informationen des RKI zur Abklärung eines Falls

Mehr zum Coronavirus lesen Sie hier:

Das chinesische Coronavirus.

Nachrichten -
Das Coronavirus
 

Das Coronavirus - Schutz, Symptome, Übertragung und Verlauf.

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