ZDFheute

Ein halbes Jahr Corona in Deutschland

Sie sind hier:

Was hat sich verändert? - Ein halbes Jahr Corona in Deutschland

Datum:

Ein halbes Jahr ist es her, dass der erste Corona-Fall in Deutschland bekannt wurde. Damals wurde das Virus eingestuft als eines von vielen - doch dann kam alles anders.

Corona trifft nicht alle gleich – schwindet die Solidarität?
Während der Corona-Pandemie gab es einige Solidaritätsbekundungen.
Quelle: Reuters

Vor den Apotheken standen Menschen Schlange. Atemmasken waren ausverkauft. Wer Glück hatte, ergatterte noch Desinfektionsmittel. Cafés waren wie ausgestorben: Spätnachts am 27. Januar hatte das bayerische Gesundheitsministerium den bundesweit ersten Corona-Fall bekanntgegeben.

Es war ein Mitarbeiter des Autozulieferers Webasto in Stockdorf bei München. In diesem Ort herrschte in den Tagen danach Ausnahmezustand. Ein Blick zurück:

Während einer Schulung hat sich in Bayern ein 33 Jahre alter Mann bei einer chinesischen Mitarbeiterin mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Dennoch warnen Experten vor Alarmismus.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Sechs Monate später: Mehr als 9.000 Corona-Tote

Arztpraxen in Stockdorf berichteten in diesen Tagen von besorgten Anrufen von Patienten - viele Mediziner hielten das damals für übertrieben. Die Leute benähmen sich, als sei die Pest ausgebrochen, schimpfte ein Hausarzt. Keiner konnte damals vorhersehen, wie sich das Virus entwickeln wird.

Ein halbes Jahr später ist das Tragen von Mund-Nasen-Schutz in Deutschland Teil des Lebens, Regelbetrieb in Schulen ist noch Zukunftsmusik, die Wirtschaft ist nach dem mehrwöchigen Lockdown schwer angeschlagen. Bundesweit starben bislang mehr als 9.000 Corona-Infizierte, weltweit inzwischen sogar über 600.000.

Erste Einschätzung: Nicht schlimmer als Grippe

Den ersten 14 Infizierten - Mitarbeiter der Firma Webasto und Menschen, die Kontakt mit ihnen hatten - ging es bald wieder gut. Sie seien "pumperlgesund", sagte damals Clemens Wendtner, Chefarzt der Klinik für Infektiologie in der München Klinik Schwabing, nach deren Genesung. Die Patienten hatten vor allem grippeähnliche Symptome. Seine Einschätzung lautete deshalb damals: Nicht schlimmer als die Influenza. Doch es kommt anders - eine Chronologie:

Inzwischen hat Wendtner hunderte Patienten behandelt - und Virologen weltweit lernen stetig mehr über die Lungenkrankheit Covid-19. Bleibende Schäden seien nicht ausgeschlossen, sagt Wendtner heute. So litten viele Patienten an einer Covid-Lunge: Ihr Atemorgan ist häufig auch Monate nach der Genesung noch nicht wieder voll funktionsfähig.

"Keiner wäre heute so vermessen zu sagen: Wir haben damals alles richtig gemacht.", sagt Wendtner rückblickend. Inzwischen sorgt er sich um die Sorglosigkeit der Menschen - und fürchtet mit Blick über die Grenzen eine neue Infektionswelle.

Keiner wäre heute so vermessen zu sagen: Wir haben damals alles richtig gemacht.
Clemens Wendtner, Chefarzt der Infektiologie in der München Klinik Schwabing

Webasto - ein Vorbild für spätere Ausbrüche

Die Firma Webasto hat vor einem halben Jahr erfolgreich vorgemacht, wie man das Virus besiegen kann: mit einer kompletten Unterbrechung aller Kontakte, bei denen die Infektion übertragen werden kann. "Ich glaube, wir haben verdammt viel richtig gemacht", sagt Holger Engelmann heute.

Eine chinesische Kollegin hatte das Virus bei einer Dienstreise unwissentlich eingeschleppt. Kurz nach Bekanntwerden der Infektionen schloss das Unternehmen den Standort Stockdorf für 14 Tage; anschließend schickte die Firma Mitarbeiter ins Homeoffice. "Die Behörden haben an uns eine Art Probefall durchexerzieren können, der gut ausgegangen ist", sagt Engelmann.

Denn danach wird mit Corona-Ausbrüchen in Schulen, Firmen oder Schlachtbetrieben ähnlich umgegangen. Und viele Firmen führen ebenfalls für ihre Mitarbeiter das Arbeiten von zu Hause ein: Während der Corona-Krise hat sich der Anteil der Beschäftigten im Homeoffice in Deutschland mehr als vervierfacht. Eine Entwicklung, die bleiben könnte - Homeoffice ist beliebt.

"Wir werden Covid-19 ins Jahr 2021 tragen"

Ein Ende der Pandemie ist bisher nicht erkennbar. Die Hoffnung ruht deshalb vor allem auf einer Impfung gegen das Virus, und es gibt ermutigende erste Ergebnisse. Bis ein Impfstoff jedoch verfügbar ist, wird noch einige Zeit vergehen: Experten erwarten eine Zulassung frühestens im Lauf des nächsten Jahres.

Forscher in Deutschland und Großbritannien vermelden vielversprechende Zwischenergebnisse. Die jeweils erforschten Impfstoffe lösen eine sogenannte "doppelte Immunreaktion" durch Antikörper und T-Zellen aus. Nun sollen weltweit Massentests beginnen.

Beitragslänge:
2 min
Datum:

Parallel wird auch weiter an Medikamenten gearbeitet. Bisher ist nur das ursprünglich gegen Ebola entwickelte Mittel Remdesivir für Covid-19 in der EU zugelassen. Es kann schwere Verläufe abmildern; die Krankheit heilen kann das Medikament jedoch nicht.

Sorge bereitet Ärzten auch ein mögliches Zusammentreffen der üblichen Grippewelle im kommenden Winter mit einer neuen Corona-Welle. Wendtner rät deshalb gerade dieses Jahr zur Grippeimpfung. "Wir werden Covid-19 weiter in das Jahr 2021 tragen", ist sich der Mediziner sicher.

Ein Computermodell des Coronavirus

Nachrichten | In eigener Sache -
Jetzt das ZDFheute Update abonnieren
 

Sie wollen morgens und abends ein praktisches Update zur aktuellen Lage? Dann abonnieren Sie unser ZDFheute Update.

Das Virus als Modell

Nachrichten | Politik -
Corona in 3D: Wie ist das Virus aufgebaut?
 

Corona bestimmt seit Monaten weltweit den Alltag der Menschen. Doch wie ist das Virus aufgebaut, was passiert im Körper und wie kann es bekämpft werden? Ein Überblick in 3D.

Aktuelles zur Coronavirus-Krise

Dunkle Regenwolken hängen über einem Feld voller gelber Senfblüten in der hessischen Rhön bei Poppenhausen.

Wie verändert uns Corona?‎ -
"Die Rhön ist auch schön"
 

Auch in Pandemiezeiten wollen die Deutschen reisen und entdecken ‎"notgedrungen" andere Ziele für sich. Das hat auch Auswirkungen auf die Reisebranche.

von Marcel Burkhardt
Pflegerin auf einer Intensivstation bereitet sich vor

Infektionen, Schwerkranke, Tote -
Wie die Corona-Zahlen steigen
 

Fast 15.000 Neuinfektionen an einem Tag. Mehr als 10.000 Corona-Tote seit Pandemie-Beginn. Doppelt so viele …

Gemerkt auf Mein ZDF! Merken beendet Bewertet! Bewertung entfernt Zur Merkliste hinzugefügt! Merken beendet Embed-Code kopieren HTML-Code zum Einbetten des Videos in der Zwischenablage gespeichert.
Bitte beachten Sie die Nutzungsbedingungen des ZDF.

Um zu verstehen, wie unsere Webseite genutzt wird und um dir ein interessenbezogenes Angebot präsentieren zu können, nutzen wir Cookies und andere Techniken. Hier kannst du mehr erfahren und hier widersprechen.

Um Sendungen mit einer Altersbeschränkung zu jeder Tageszeit anzuschauen, kannst du jetzt eine Altersprüfung durchführen. Dafür benötigst du dein Ausweisdokument.

Du wechselst in den Kinderbereich und bewegst dich mit deinem Kinderprofil weiter.