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Kommen auch bei uns bald Corona-Selbsttests?

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In Österreich erhältlich - Kommen auch bei uns bald Corona-Selbsttests?

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In Österreich werden sie bereits verkauft: Corona-Selbsttests für zuhause. Taugen die Tests und wird es so etwas auch in Deutschland geben? Ein Überblick.

BIPA-Filiale am Hohen Markt in Wien
Die Drogeriekette BIPA in Österreich hat sie schon im Sortiment: Corona-Selbsttests für Zuhause.
Quelle: imago

Testen, testen, testen: Das ist seit Beginn der Corona-Krise die Devise. Nur durch viele und gute Tests können infizierte Personen entdeckt und isoliert werden, um eine weitere Ausbreitung des Coronavirus zu verhindern. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach forderte nun im ZDF-Morgenmagazin, dass auch andere Testverfahren zugelassen werden sollten, um Ergebnisse noch schneller zu bekommen:

Wir müssen schneller und mehr testen und aus meiner Sicht auch mit anderen Tests arbeiten. Tests, die etwas billiger sind, vielleicht nicht ganz so gut, aber gut genug und das Ergebnis sehr viel schneller bringen.
Karl Lauterbach, SPD-Gesundheitsexperte

Der Gesundheitsexperte Karl Lauterbach (SPD) glaubt, dass "wir am Beginn einer zweiten Welle sind". Gerade die jüngere Generation unterschätze die Gefahr durch Corona.

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In Österreich gibt es bereits eine Alternative: Dort werden Corona-Selbsttests für zuhause in Drogeriemärkten verkauft. Kostenpunkt: 129 Euro bei der Rewe-Tochter Bipa, 119 Euro bei dm, dort kommen allerdings noch zehn Euro für den Versand der Probe hinzu. Das Ergebnis soll einen Tag nach dem Eintreffen der Probe im Labor bereits zugestellt werden. Sehr viel schneller als bei Tests in offiziellen Stellen.

Wie funktionieren die Tests?

Der Test basiert auf dem gängigen PCR-Testverfahren, das auch in Deutschland als Standard angewandt wird. Anders als bei einem oft unangenehmen Rachenabstrich beim Arzt, kann bei diesem Test eine Salzlösung in den Mund genommen werden, die dann auf das Proberöhrchen gespuckt werden muss. Bipa wirbt daher auch damit, dass der Test "schmerzfrei" sei.

Ein wichtiger Faktor: in einem früheren ZDF-Faktencheck zum Thema Corona-Tests hatte der Virologe Michael Müller vom Verband der Akkreditierten Labore erklärt, dass es ganz entscheidend sei, Material von der Rachenhinterwand zu testen. Das zu bekommen, sei eben unangenehm, doch nur mit einem guten Abstrich sei das Ergebnis des Corona-Tests verlässlich.

Medizinischer Mitarbeiter macht einen Nasenabstrich. Symbolbild

Fehlerquote bei Corona-Tests -
Die Tests sind okay, der Abstrich muss sitzen
 

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Problem Nr.1: "behördlich anerkannt"

Sowohl dm als auch Bipa werben damit, die Tests seien "behördlich anerkannt". Damit wird der Eindruck vermittelt, die Ergebnisse der Tests könnten als Legitimation gelten, wenn man etwa aus dem Urlaub aus einem Risikogebiet zurückkehrt. Dem ist allerdings nicht so: Um etwa eine Quarantäne zu vermeiden, muss weiterhin ein Test bei einem Arzt oder einem offiziellen Testzentrum gemacht werden.

Wie die österreichische "Kronenzeitung" berichtet, hat dm seine Testkits daher vorübergehend aus dem Sortiment genommen, nachdem das Bundesamt für Sicherheit und Gesundheitswesen die Kennzeichnungen bemängelt hat. Der Test des Konkurrenten Bipa ist weiterhin mit dem bemängelten Hinweis im Online-Shop verfügbar.

Corona Selbsttest LEAD HORIZON
Corona Selbsttest im BIPA-Online-Shop
Quelle: Screenshot

Problem Nr.2: Spielraum für Manipulationen

Um sicherzustellen, dass die Probe tatsächlich von der getesteten Person stammt, müssen sich die Nutzer während des Tests selbst filmen und zusätzlich noch einen Lichtbildausweis in die Kamera halten. Ob aber dann auch die entsprechende Probe an das Labor geschickt wird, kann nicht überprüft werden. Wer also dringend einen negatives Testergebnis benötigt, kann das System leicht hintergehen.

Wird es diese Tests auch in Deutschland geben?

Auf Anfrage von ZDFheute gab das Bundesgesundheitsministerium (BMG) an, dass Schnelltests auf Covid-19 aufgrund der Medizinprodukteabgabeverordnung (MPAV) nicht an medizinische Laien abgegeben werden. Durchführen dürften Tests nur Ärzte, Apotheken, Gesundheitseinrichtungen oder Gesundheitsbehörden.

Bei den Selbsttests in Österreich handelt es sich nach Ansicht des BMG allerdings nicht um komplette Testkits, da lediglich Utensilien zur Probenentnahme verkauft werden. Sie fallen also nicht unter das Abgabeverbot und dürften in Deutschland verkauft werden.

Auch das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte teilte mit, dass derartige Medizinprodukte nicht zulassungspflichtig seien und vom Hersteller eigenverantwortlich auf den Markt gebracht werden können.

BMG: Zweifel an den Ergebnissen

Das BMG ist aber derselben Meinung wie viele Virologen: Durch Fehler bei der Eigenabgabe der Proben können Testergebnisse falsch negativ ausfallen, infizierte also ein negatives Testergebnis bekommen. Dadurch würde ein "trügerisches Sicherheitsgefühl" vermittelt.

Für dm oder Rewe kommt die Vermarktung in Deutschland dennoch nicht in Frage. Hierzulande wären die österreichischen Testkits apothekenpflichtig und dürften nur dort verkauft werden. Auf Anfrage teilte dm mit:

Wir bei dm möchten gegenüber unseren Kunden unserer Verantwortung als kompetenter Anbieter von Gesundheitsprodukten gerecht werden und prüfen eingehende Angebote für Selbsttests. Bislang gibt es jedoch für den deutschen Markt keinen Test, der die rechtlichen Anforderungen erfüllt, um von uns an unsere Kunden verkauft zu werden.
Sebastian Bayer, dm-Geschäftsführer

Fazit: Aktuell sieht es nicht so aus, als würden Corona-Selbsttests auf den deutschen Markt kommen. Rechtlich wäre es möglich, sie in Apotheken zu verkaufen, die Zweifel an der Genauigkeit überwiegen aber bei den zuständigen Institutionen und Experten.

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