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Hotel-Quarantäne in Singapur

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Erfahrungsbericht - Hotel-Quarantäne in Singapur

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Wer derzeit nach Singapur zurück fliegt, muss unmittelbar in eine Hotel-Quarantäne. Essen wartet dreimal am Tag vor der Tür im Flur. Verstöße gegen die Isolation werden geahndet.

Singapur - Für zwei Wochen der Ausblick aus dem Hotelzimmer
Singapur - Für zwei Wochen der Ausblick aus dem Hotelzimmer
Quelle: André Groenewoud

Als die Tür von Zimmer 1075 hinter einem ins Schloss fällt, fällt auch erst mal die Anspannung. Es hätte schlimmer kommen können, als in einem Luxushotel die von der Regierung in Singapur festgelegten 14 Tage Quarantäne verbringen zu müssen.

Der Blick aus dem Fenster geht auf mehrere unansehnliche Wohnblocks, aber dazwischen wehen Palmen im Wind. Die 'Nachbarn' von gegenüber putzen ihre Balkone oder hängen Wäsche auf. Ein schönes Leben da draußen, in 50 Meter Entfernung.

Singapur: Quarantänepflicht für Einreisende

Singapur kennt kein Pardon: jeder Einheimische oder Ausländer mit Arbeitserlaubnis, der ins Land zurückfliegt, muss für zwei Wochen in die Hotel-Quarantäne. Wer das Zimmer verlässt, dem drohen empfindliche Strafen.

Der Stadtstaat hat das Coronavirus gut im Griff. Insgesamt verzeichnet Singapur zwar mehr als 57.000 Fälle, doch aktuell liegen die Zahlen stabil bei unter 20. Touristen werden schon seit Monaten nicht mehr hineingelassen.

Wer in Singapur lebt, muss seine geplante Rückkehr vom Arbeitsministerium genehmigen lassen. Und bereit sein, seine persönliche Freiheit für 14 Tage abzugeben.

Direkt vom Flughafen in die 14-tägige Hotel-Quarantäne

Am Flughafen Changi werden Rückkehrer direkt vom Gepäckband zu einem Bus geleitet und in ihr Hotel gebracht. Wohin es geht, ist ein Lotteriespiel. Die Hotels sind alle in der gehobenen Kategorie, doch die meisten von ihnen haben kein Fenster, das sich öffnen lässt.

Nachdem bekannt wurde, dass in einem bestimmten Quarantäne-Hotel die Zimmer zwar Balkone haben, diese aufgrund der zu geringen Nähe zum Nachbarbalkon aber verschlossen sind, haben nun einige der Rückkehrer Schraubenschlüssel im Gepäck.

Die Zimmertür darf man nur öffnen, wenn die drei Mahlzeiten pro Tag auf einem Stuhl davor abgelegt werden.

Singapur - Das Essen und Lieferungen von Freunden werden auf einem Stuhl vor der Zimmertür abgestellt.
Das Essen und Lieferungen von Freunden werden auf einem Stuhl vor der Zimmertür abgestellt.
Quelle: André Groenewoud

Sport gegen Corona-Koller

Ein Unternehmensberater aus dem Erzgebirge ließ sich vor ein paar Tagen eine Rudermaschine bringen. Es muss ein schönes Bild gewesen sein, als plötzlich das kolossale Sportgerät in dessen Hotellobby stand und von zwei kräftigen Kerlen auf sein Zimmer geliefert wurde.

Einige machen nun Sport, nehmen Internet-Herausforderungen an (Burpees, Liegestütze), andere wiederum laufen einen Halbmarathon ums Bett, um die Zeit totzuschlagen.

Der Preis für diesen Gefängnis, pardon - diesen Hotel-Aufenthalt: 2.000 Singapur-Dollar (ca. 1.250 Euro), zudem fallen Kosten für einen Covid-19-Test an.

Ausnahmeregeln für Deutsche stießen auf Kritik

Vor einigen Wochen bot sich deutschen Expats die Möglichkeit, die 14 Tage zu Hause über sich ergehen zu lassen. Zwar mit Fußfessel, die den Aufenthaltsort kontrolliert, aber immerhin in den eigenen vier Wänden. Diese Sonderregelung galt nur für Deutsche und sorgte für Unmut bei den Regierungen anderer Schengen-Staaten.

Schnell machte Singapur - pragmatisch wie das Land eben ist - offiziell einen Rückzieher, besänftigte somit so manch europäischen Partner, ließ aber inoffiziell die Sonderregelung für Deutsche bestehen. Doch nach dem Anstieg der Coronafälle in Deutschland zog Singapur komplett die Reißleine.

Singapur verhängt harte Strafen

Sich nun während der Hotel-Quarantäne zu verdrücken, ist schwierig. Die Regierung stellt eine App parat, die ständig den Aufenthaltsort checkt. Wer nun das Zimmer verlässt, seine Temperatur nicht drei Mal am Tag kontrolliert, in eine App einträgt und dabei zur Kontrolle jedes Mal ein Selfie macht, muss mit drastischen Konsequenzen rechnen.

Es drohen 10.000 Dollar (ca. 6.250 Euro) Strafe, sechs Monate Gefängnis - und die Ausweisung aus dem Land. Singapur hat schon oft bewiesen, dass es keinen Spaß versteht.

Gibt es auch Lichtblicke? Zumindest im Grand Hyatt, in dem der Autor die 14 Tage verbringen muss, kann man Essen à la Carte bestellen. Das Barramundi-Fillet schmeckt vorzüglich, der Cheeseburger mit Gurke und Tomate ist lecker und das Muesli zum Frühstück besser als zu Hause.

Singapur - Das Essen wird in recyclebarem Plastik geliefert
Das Essen wird in recyclebarem Plastik geliefert.
Quelle: André Groenewoud

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