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Corona-Pandemie und Sprache - Krise! Hölle! Seuche!

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Wenn Worte Ängste schüren: Sprachliche Zuspitzungen tragen dazu bei, dass wir die Corona-Pandemie als noch dramatischer wahrnehmen, kritisieren Kommunikationswissenschaftler.

Eine Headline auf einer Tageszeitung in Köln
Sprache schlägt sich in unserer Wahrnehmung nieder. Viele Begriffe verschlimmern die Corona-Krise.
Quelle: picture alliance / NurPhoto

Es ist die Rede von "Corona-Hölle", "Durchseuchung" oder "Corona-Knast". Von Medien, Politikern, Wissenschaftlern und in den sozialen Netzwerken vielfach verwendet, beeinflussen Worte wie diese das Denken der Menschen und machen Angst, kritisieren Expertinnen im ZDFheute-Gespräch. Doch wie lässt sich eine weltumfassende Krisen-Situation angemessen beschreiben?

Sprachliche Zuspitzungen in Corona-Zeiten

Maike Braun wünscht sich einen sensibleren Umgang mit der Sprache in Corona-Zeiten. Die Wissenschaftlerin am Lehrstuhl für Sozialpsychologie der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg kritisiert: "Begriffe, die man häufig hört, werden selbst gebraucht, immer weiter verbreitet und können die Situation im Fall von Corona ungewollt sprachlich zuspitzen."

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Insbesondere der Begriff "Durchseuchung" ist Maike Braun ein Dorn im Auge. Einer breiten Öffentlichkeit ist dieses Wort zum ersten Mal während einer Pressekonferenz des Robert-Koch-Instituts bekannt geworden.

Durchseuchung: eine unglückliche Wortwahl

Eine unglückliche Wortwahl, findet die Wissenschaftlerin: "Mit einer Seuche verbinden viele automatisch eine katastrophale Situation. Im Kontext ist aber eigentlich etwas anderes gemeint: Erstmal geht es in der Sache aber nur um den Vorgang, dass sich eine bestimmte Anzahl an Menschen mit dieser Krankheit anstecken wird."

Das Robert Koch-Institut liefert die Zahlen, die die Grundlage für die Entscheidungen der Politik sind. Doch in den letzten Tagen häuft sich die Kritik an der Arbeit des RKI.

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Nur eines der Beispiele, das zeigt, wie wohl gewählt der sprachliche Umgang gerade in Krisenzeiten sein sollte. Denn negative Dinge haben eine stärkere Wirkung auf unser Denken, Fühlen und Handeln als positive oder neutrale Dinge. Negative Informationen bekommen dadurch mehr Aufmerksamkeit, werden besser gelernt und man erinnert sich auch besser an sie.

Wenn Sprache die Erinnerung negativ verzerrt

"Es liegt in der Natur der Sache, dass über die Corona-Pandemie, einer Krankheit, die sich global ausbreitet, auch mit negativen Informationen, wie die Anzahl der Todesfälle oder der Zustand in den Krankenhäusern, berichtet werden muss", sagt Professorin Diana Rieger. Alles andere wäre gelogen.

Für die Kommunikationswissenschaftlerin am Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung (IfKW) an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) steht dennoch fest: Die Verwendung von Sprache kann dazu beitragen, dass wir die "Krise" als noch dramatischer wahrnehmen und die Informationen auch negativ verzerrt wahrnehmen.

Corona-Knast, Corona-Krise: Es sind Worte, die im Kopf bleiben. Die Kommunikationswissenschaftlerin Diana Rieger erklärt die "negativity bias".

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Sie wünscht sich insbesondere in der medialen Berichterstattung eine Sprache, die uns dabei hilft, besser durch die Corona-Pandemie zu kommen:

Positive Randerscheinungen zu fokussieren und etwa während der Corona-Pandemie auch die Zahl der Genesenen zu nennen: Wege zu einer ausgeglichenen Berichterstattung.

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Maike Braun plädiert zudem für einen sprachlichen Perspektivwechsel: "Wenn wir von 'sozialer Distanzierung' sprechen, würde ich mir wünschen, dass wir mehr die Chance sehen, durch dieses Verhalten Tausende Menschen retten zu können, statt immer nur die Einschränkungen dadurch."

Echte begriffliche Alternativen zur negativen Bildsprache zu finden, fällt auch den Sprach- und Kommunikationsexpertinnen schwer. Am Ende kommt es in der Corona-Krise auch auf jeden Einzelnen an, seine Worte mit Bedacht zu wählen.

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