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Leben wie in einer "Parallelwelt"

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Auslandssemester trotz Corona - Leben wie in einer "Parallelwelt"

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Von Quarantäne und Masken bis hin zu Kulturschocks im Supermarkt und bei der Begrüßung: Drei Studierende erzählen von ihrem Auslandssemester inmitten der Corona-Pandemie.

Die Corona-Pandemie hält die ganze Welt in Atem. Bedeutet sie auch das Aus für den Traum vom Auslandssemester? Drei Studierende berichten.

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Während der Corona-Pandemie ins Ausland - geht das überhaupt? Viele Studierende standen in diesem Sommer vor der Frage, ob sie ihre geplanten Auslandsaufenthalte umsetzen oder nicht. Drei Studierende, die es gewagt haben, erzählen von ihrer Entscheidung und ihrem Alltag vor Ort in Zeiten von Corona.

Lappland statt Berlin

Für Vanessa Hylton war die Entscheidung für ein Auslandsstudium in Finnland trotz Corona-Pandemie eine ganz klare. Die 22-jährige Berlinerin empfand das Risiko einer Corona-Infektion in Berlin als deutlich höher als in ihrer neuen Wahlheimat Lappland.

Während es in Berlin schier unmöglich sei, größere Menschenansammlungen zu vermeiden, sei das im ländlichen Lappland kein Problem. "Ich würde fast sagen, ich würde mich gerade an keinem Ort auf der Welt sicherer fühlen als hier in Lappland", so Hylton, die nun im Master Tourismusmanagement an der University of Lapland in Rovaniemi studiert.

eine undatierte elektronenmikroskopische aufnahme des «u.s. national institute of health» zeigt das neuartige coronavirus

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Strenge Quarantäne in Südkorea

Auch für Cara K.* hing die Entscheidung damit zusammen, dass sie sich im Ausland sicherer fühlt. Die Medizinstudentin ist seit August in Seoul, Südkorea. Bei ihrer Ankunft musste sie sich in eine strenge zweiwöchige Quarantäne begeben.

Man wurde auch mit einer App getrackt,

berichtet die 20-Jährige." Quasi zwei Wochen war mein Leben pausiert und erst ab Tag 15 war alles normal", sagt sie. Diese zwei Wochen seien hart gewesen, aber nach ihrer Quarantäne könne sie nun jeden Tag etwas unternehmen, Menschen treffen. Dazu habe sie ein gutes Gefühl, denn "man weiß auch, dass jeder diese Quarantäne gemacht hat".

Corona-Kulturschock auf Zypern

Vor Ort in Südkorea fühlt sich Cara "sehr sicher". Das habe auch mit dem Verhalten der Menschen in Südkorea im Corona-Alltag zu tun. Die Menschen würden überall ihre Masken tragen und sich an Corona-Maßnahmen halten, berichtet die Studentin.

Das ist eine sehr sehr hohe Adhärenz und Akzeptanz hier, die ich in Deutschland nicht mal annähernd so erlebt habe.

Südkorea gilt weltweit als Vorbild für effektive Virusbekämpfung. Massentests, Tracking, Quarantäne – damit scheint man das Coronavirus in den Griff zu bekommen. Nun hat Südkorea als erstes Land seit Ausbruch der Pandemie Parlamentswahlen abgehalten.

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Anders ergeht es Jan Michels. Der 23-jährige Student der Medienwissenschaften macht derzeit ein Praktikum auf Zypern. Dort würden die Menschen eher weniger auf Abstandsregeln und Masken achten. "Ich habe mich sogar teilweise ein bisschen merkwürdig gefühlt, wenn ich eine Maske getragen habe", berichtet Michels. Besonders "geschockt" sei er davon gewesen, dass die Menschen vor Ort sich zur Begrüßung die Hand geben.

Keine Maskenpflicht in Finnland

Einen ähnlichen Corona-Kulturschock hat Hylton in Lappland erlebt: "Für mich war es halt so, als würde ich irgendwie wie aus einer lahmgelegten Metropole hier in eine Kleinstadt von knapp 70.000 Einwohnern kommen, die jetzt aber lebendiger ist als Berlin." Zum einen sei das natürlich befreiend, aber es sei auch sehr erschreckend, besonders wenn man die Lage in anderen Ländern verfolge, so Hylton.

Man hat das Gefühl, wir leben hier in einer Parallelwelt, in der Corona gar nicht wirklich existiert.
Vanessa Hylton, Studentin in Lappland, Finnland

In Finnland gibt es keine Maskenpflicht. "Das war natürlich total befremdlich, einen Supermarkt ohne Maske zu betreten", erinnert sich die Studentin. Die Finnen gingen jedoch "sehr verantwortungsbewusst" mit dem Thema Coronavirus um. "Ich habe auch das Gefühl, dass generell da sehr respektvoll mit umgegangen wird, ohne dass man jetzt wirklich gesetzlich verpflichtet ist, eine Maske zu tragen", so Hylton.

Zwischen Sicherheit und Sorgen

Den nächsten Monaten blicken die Studierenden unterschiedlich entgegen. Michels erzählt, er habe "ein bisschen Panik", wenn er beobachte, wie auf Zypern mit der Pandemie umgegangen werde.

Da mache ich mir immer noch so ein bisschen Sorgen, ob es vielleicht doch hier eskalieren könnte und die Leute das nicht wirklich ernst genug nehmen.
Jan Michels, Student

Für Cara ist das hingegen kein Thema. Sie habe großes Vertrauen in das südkoreanische Gesundheitssystem und in den Umgang mit dem Coronavirus in dem Land. "Ich fühle mich hier wirklich mindestens genauso sicher und wohl wie in Deutschland, wenn nicht sogar noch sicherer", so die Studentin.

Über 6.000 Kilometer Luftlinie entfernt in Finnland fühlt sich auch Hylton "sehr sicher". Und sie ist überzeugt: "Sicherer als hier in Lappland kann man aktuell gar nicht wohnen."

*Ganzer Name ist der Redaktion bekannt.

Der Autorin auf Twitter folgen: @carolineleicht.

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von Tai Becker
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