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Uni in Corona-Zeiten - "Viele haben ihr Studium abgebrochen"

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Prüfungen, Praktika, Auslandsstudium: Nichts davon vermittelt Normalität im zweiten Corona-Semester. Viel liegt auf Eis. Wie gehen Studierende damit um? ZDFheute hat nachgefragt.

Die Corona-Pandemie hat auch Auswirkungen auf Universitäten und Studierende. Ein leerer Hörsaal (Symboldbild).
Die Corona-Pandemie hat auch Auswirkungen auf Universitäten und Studierende.
Quelle: dpa/Klaus-Dietmar Gabbert

Die Corona-Infektionsschutzmaßnahmen wirbeln das Hochschulstudium von rund 2,9 Millionen jungen Frauen und Männern in Deutschland weiter durcheinander. Das zeigt sich derzeit auch bei Klausuren und Prüfungen.

Von Corona an der Uni ausgebremst, von der Politik unbeachtet

In Berlin etwa hat die Technische Universität geplante Präsenzprüfungen zunächst bis Ende Januar untersagt. In der Hauptstadt und anderswo beklagen Hochschüler, dass ihr Studium nicht mehr planbar sei. Dass sie sich ausgebremst und von der Politik unbeachtet fühlten.  

Zum einen befürchten Studenten, dass derzeit abgesagte Prüfungen später gehäuft in kurzer Zeit nachgeholt werden - zulasten der Ergebnisse. Zum anderen schildern viele, dass ihre Motivation bei dem Gefühl, dass nichts mehr vorangehe, in den Keller rutsche.

Wenn Technik-Tücken Online-Klausuren sabotieren

Um mehr Sicherheit zu schaffen, setzen viele Hochschulen deshalb verstärkt auf Online-Klausuren. Aber auch die haben Tücken.

Zwar schätzen die Unis ihre digitale Infrastruktur fast durchweg als gut ein, dennoch gibt es immer wieder Klagen über technische Pannen, etwa, weil die Software streikt oder Internetverbindungen blockiert sind.

In die Uni gehen, seine Freunde sehen, in Lerngruppen arbeiten - alles nicht mehr möglich durch Corona. Der neue Uni-Alltag? Am Laptop sitzen.

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Zudem können sich bei weitem nicht alle Studierende ausreichend gutes technisches Equipment leisten, was generelle Fragen zur Chancengleichheit aufwirft.

Die Münchner Studentin Julia Kriegl formuliert es so:

Die technische Ausrüstung darf kein Faktor sein, der über Bestehen oder Nichtbestehen einer Uniklausur entscheidet.
Julia Kriegl, Studentin

Die Universität Bremen etwa hat das Problem erkannt und sorgt mit einem Testzentrum dafür, dass Prüfungsteilnehmer die gleichen Bedingungen haben.

Anderswo müssen Studenten in Zoom-Meetings ihren privaten Arbeitsraum abfilmen, zur Identifikation den Personalausweis in die Kamera halten und erklären, in der Klausur keine unerlaubten Hilfsmittel zu verwenden. Die Praxis zeigt aber: Schummler lassen sich so nicht aufhalten.

Diskussion über Aussagekraft von Online-Prüfungen

Die Universitäten versuchen es deshalb auch mit "Open Book"-Online-Klausuren. Das heißt: Die Studenten dürfen ihre Notizen nutzen, um die Aufgaben zu lösen. Kritiker monieren dabei aber die fragwürdige Werthaltigkeit der Ergebnisse.

Auch die Studentin Duygu Ogur befürchtet, dass der Eindruck entstehen könnte, dass Hochschülern in der Pandemie etwas geschenkt worden sei, dabei sei das Studium unter Corona-Bedingungen für viele "zehn Mal belastender". Die Politikwissenschaftsstudentin sagt:

Die Realität ist, dass viele psychisch sehr mit der Situation zu kämpfen haben.
Duygu Ogur, Studentin

Freude verloren: "Viele haben ihr Studium abgebrochen"

Julia Kriegl, die Kommunikationswissenschaft und Psychologie studiert, bestätigt diese Eindrücke: "Viele meiner Kommilitoninnen haben ihr Studium abgebrochen, weil es ihnen keinen Spaß mehr macht", sagt sie. Die ganze Zeit allein daheim lernen, das verlange nicht wenigen zu viel Selbstdisziplin und Durchhaltevermögen ab.

Zoom-Meetings ersetzen eben keine Klassenräume und ein Zehn-Quadratmeter-Studentenzimmer ersetzt keine Bibliothek zum Lernen.
Julia Kriegl

"Tagein tagaus allein vor dem Computer zu sitzen statt in der Uni mit den Kommilitoninnen zu sein, das schlägt nicht nur mir aufs Gemüt, sondern uns allen", berichtet auch die Studentin Marie Hofer.

Alles liegt auf Eis, nur das Gedankenkarussell dreht sich

Die Zeit in der Isolation und gleichzeitige Unsicherheit, wie es weitergehen soll, kann zermürben. Alles liegt auf Eis. Nur das Gedankenkarussell bewegt sich: Wo kann ich noch ein Praktikum machen, das ich brauche? Geht noch was mit dem Auslandsstudium? ...

Auch Julia Kriegl macht sich solche Gedanken. Um ihr Studium zu Ende bringen zu können, muss sie - wie viele andere auch - einige Pflichtpraktika absolvieren. Doch Unternehmen haben nun oft andere Sorgen und verzichten darauf, Praktikanten an Bord zu holen.  

Hoffen auf die Zeit nach Corona

Wer jetzt ein Auslandssemester mache, sitze dort auch nur zu Hause rum, sagt Kriegl. So ergebe das keinen Sinn. Sie konzentriert sich derzeit auf ihre Online-Klausuren. Durch die Digital-Semester ist sie bislang gut gekommen.

Eine neue Kultur kennenlernen, andere Leute, und Fremdsprachenkenntnisse intensivieren, das hebt sie sich für die Post-Corona-Zeit auf.

Jan, Vanessa und Cara haben trotz der Pandemie das Abenteuer gewagt und erleben nun ganz unterschiedliche Corona-Situationen in ihren Gastländern.

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