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Coronavirus: Südafrika stößt an seine Grenzen

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Steigende Infektionszahlen - Coronavirus: Südafrika stößt an seine Grenzen

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Südafrika hatte früh eine der weltweit strengsten Ausgangsperren verhängt. Nun ächzt die Wirtschaft und die Infektionszahlen steigen rasant. Wie lange hält das Land das noch durch?

Archiv: Ein Corona-Test im Tembis Township in Johannesburg, Südafrika, aufgenommen am 19.05.2020
Besonders das medizinische Personal ist in Südafrika gefährdet.
Quelle: AP

Spät jeden Abend twittert Gesundheitsminister Zweli Mkhize die Zahlen der Infektionen - und die geben Anlass zur Besorgnis. Insgesamt haben sich in Südafrika 124.590 Menschen mit Covid-19 infiziert, davon sind 64.111 genesen und 2.340 verstorben - bleiben 58.139 aktive Infektionen (Stand: 26. Juni 2020).

Epizentrum der Pandemie war zunächst das Westkap mit seiner bei Touristen so beliebten Hauptstadt Kapstadt, doch inzwischen hat die Provinz Gauteng das Westkap an aktiven Infektionen längst überholt.

Aktuell (Stand: 26. Juni 2020) sind dort 24.063 Menschen infiziert, bei einer Bevölkerungszahl von geschätzt rund 15 Millionen Menschen - die meisten Infektionen gibt es in Johannesburg.

In Südafrika ist die Zahl der Corona-Infektionen binnen sieben Tagen um 50 Prozent angestiegen. Besonders betroffen von der Pandemie: die Metropole Kapstadt.

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In Nelson Mandela Bay sind die Krankenhäuser überfordert

Am dramatischsten ist die Lage derzeit allerdings am Ostkap. Zwar gibt es dort derzeit nur 10.218 aktive Infektionen, doch das Gesundheitssystem ist bei weitem nicht so gut aufgestellt wie in den Provinzen Gauteng und Westkap.

In Nelson Mandela Bay schaffen es die Krankenhäuser Berichten zufolge kaum noch, mit dem Ansturm der Patienten fertig zu werden. Die Zeitung "Daily Maverick" zitiert Lungile Pepeta, den Dekan des "Department of Health Sciences" von der Universität Nelson Mandela Bay, Anfang der Woche so:

Wir verenden in unseren Bunkern. (…) In zehn Tagen werden wir vielleicht 100 Intensivbetten in der Stadt brauchen - wo werden wir die herbekommen?
Lungile Pepeta, Universität "Nelson Mandela Bay"

Südafrika kämpft an zwei Fronten

Dabei kämpft Südafrika an zwei Fronten. Zum einen gibt es - insbesondere in den staatlichen Krankenhäusern - nicht viele Intensivbetten, geschweige denn Beatmungsmöglichkeiten.

Zum anderen infizieren sich immer mehr Mitarbeiter aus dem Gesundheitswesen, wie Ärzte und Krankenschwestern. Laut Gesundheitsminister Mkhize sind es mindestens 3.583 landesweit (Stand: 16. Juni). Das macht die Lage umso schwieriger.

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Lungile Pepeta sagt: "Der Realitätstest wird sein, dass Du zwar Ventilatoren einfliegen kannst, Du kannst sie gespendet bekommen, aber das Hauptproblem ist, dass Du keine menschlichen Ressourcen spenden kannst. Meine größte Sorge sind die Ärzte und Krankenschwestern, die die Patienten behandeln müssen. (..) Wir sollten inzwischen Antworten dafür haben."

Deutschland hilft mit 5,2 Millionen Euro

Doch genau an denen fehlt es teilweise. Deutschland versucht zu helfen, die Bundesregierung unterstützt Südafrika mit 5,2 Millionen Euro. Von dem Geld wurde in Nelson Mandela Bay ein Feldlazarett aufgebaut, die ersten Betten stehen schon, insgesamt sollen es laut Gesundheitsminister Mkhize 3.300 werden.

Bei der Eröffnung sprach er von einem "Zeichen der Solidarität" im Kampf gegen Corona. Auch Schutzausrüstung soll von dem Geld für die Region beschafft werden.

Trotzdem ist die Lage am Ostkap bereits kritisch, Medienberichten zufolge wurden bereits Patienten von Krankenhäusern abgewiesen.

Experten fordern, den Fokus auf die Hotspots zu legen

Experten wie Alex van den Heever von der WITs Universität befürchten, dass das Gesundheitssystem insgesamt an seine Grenzen stoßen wird.

"Ich denke, es wird knapp - bezogen auf bestimmte Provinzen. Am Ostkap sieht es sehr schlecht aus. Gauteng muss dafür sorgen, dass ihre Präventionsstrategie funktioniert. Sie haben es schon nicht geschafft, die Test- und Tracking-System großflächig in Gang zu setzen. Der Fokus muss auf den Hotspots liegen, das ist wichtig - das haben wir am Westkap gesehen. Aber das Westkap wird sehr viel besser geführt."

Restaurants sollen wieder öffnen - trotz steigender Infektionszahlen

Hinzu kommt die schwierige wirtschaftliche Lage. Südafrika hatte ab dem 27. März eine der weltweit härtesten Ausgangssperren verhängt, um Zeit zu gewinnen. Doch das Land kann sich einen Stillstand der Wirtschaft nicht mehr leisten.

Seit Juni werden die strengen Maßnahmen Stück für Stück immer weiter aufgehoben. Auch Restaurants sollen bald wieder öffnen - und das ausgerechnet während die Zahl der Infektionen so stark steigt.

Die Aussichten sind alles andere als rosig, der Gesundheitsminister sagt, Südafrika steuere in einen "dezimierenden und verheerenden" Sturm.

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