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"Wir sind Opfer der Bayern-Panne"

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Ärger bei Gesundheitsämtern - "Wir sind Opfer der Bayern-Panne"

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Die Panne in Bayern sorgt vielerorts für Ärger. Corona-Tests ohne rasche Ergebniskommunikation bereiten den Behörden Probleme. ZDFheute hat bei Gesundheitsämtern nachgefragt.

Archiv: Registrierung für Corona-Tests bei Trier
Spät übermittelte Corona-Testergebnisse sorgen bei Gesundheitsämtern für Probleme.
Quelle: Reuters

Reiserückkehrer kommen aus ihrem Urlaub in einem Corona-Nichtrisikogebiet zurück, machen "zur Sicherheit" freiwillig einen Corona-Test und warten lange auf ein Ergebnis. Sie fühlen sich gesund, gehen unter Leute, leben ihr Leben – einer Quarantänepflicht unterliegen sie schließlich nicht.

Dass reichlich verspätet übermittelte Testergebnisse für viel Wirbel sorgen können, zeigen inzwischen zahlreiche Fälle. Häufig erhalten zuständige Gesundheitsämter die Informationen zunächst auch nur mündlich. Das ist das Ergebnis einer stichprobenartigen ZDFheute-Umfrage.

Die Amtsärztin Dr. Eugenie Kontzog, Leiterin des Gesundheitsamtes des Landkreises Börde (Sachsen-Anhalt) etwa schreibt:

Hier entscheiden wir beim angeblich positiven Testergebnis im Einzelfall, ob wir nachtesten lassen oder die Übermittlung des Ergebnisses abwarten.
Amtsärztin Dr. Eugenie Kontzog, Landkreis Börde

Dies hänge zum Beispiel davon ab, ob der Reisende oder mögliche Kontaktpersonen zur Risikogruppe gehörten.

Negativ-Test muss nicht Ende der Quarantäne bedeuten

Andere Gesundheitsämter hingegen fordern bei positiven Testergebnissen, bei denen noch ein Laborbefund aussteht, direkt einen zweiten Corona-Test. Derweil müssen sich der vermeintliche Covid-19-Fall und all seine engeren Kontaktpersonen in Quarantäne begeben.

Noch immer haben Bayerns Behörden nicht alle Reiserückkehrer ermittelt, deren Corona-Tests positiv waren. Von 949 Befunden konnten bislang 903 den Betroffenen zugeordnet werden.

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Auch wenn der zweite Test negativ ausfällt, muss es nicht heißen, dass alle Kontaktpersonen die Quarantäne sofort wieder verlassen dürfen, wie ein Fall aus Rheinland-Pfalz zeigt: Während sich der Reiserückkehrer wieder frei bewegen darf, sitzen Bekannte, für die ein anderes Gesundheitsamt zuständig ist, weiter daheim fest.

Gesundheitsämter reagieren unterschiedlich

Eine Sprecherin des Robert-Koch-Instituts erklärt dazu auf ZDFheute-Anfrage: "Wir geben Empfehlungen heraus, für die Umsetzung sind aber die Gesundheitsämter vor Ort verantwortlich; sie haben Ermessens- und Handlungsspielräume." Der Grund: Die Risikolage sei nicht überall gleich. Dass das Prozedere für Unverständnis sorge, versteht die Sprecherin:

Diskrepanzen lassen sich da leider nicht vermeiden.
Sprecherin des Robert Koch-Instituts

Ärger in Kassel: "Wir sind Opfer der Bayern-Panne"

Für massiven Ärger bei den Gesundheitsämtern sorgt indes das verspätete Übermitteln von Testergebnissen der Rückkehrer aus Corona-Risikogebieten. Am deutlichsten wird ein Sprecher der Stadt Kassel: "Wir sind Opfer der Bayern-Panne", sagt er im Gespräch mit ZDFheute.

In einer offiziellen Mitteilung der Stadt vom 15. August heißt es: "Die Zahl der aktuell mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infizierten Personen liegt bei 44, das sind 16 mehr als noch am Tag zuvor. Im Landkreis Kassel stieg die Zahl der aktuell Infizierten um 6 auf 24."

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Ein Großteil der betroffenen Personen sei von Reisen aus der Balkanregion zurückgekehrt – und habe sich bei der Einreise nach Deutschland an der Grenze in Bayern testen lassen. Erst deutlich später seien die Ergebnisse nach Kassel übermittelt worden. Für Infizierte und deren enge Kontaktpersonen ordnete die Stadt umgehend eine häusliche Quarantäne an.

Corona-Testpannen stellen Gesundheitsämter vor Mammutaufgabe

Die Testpannen setzen viele Gesundheitsämter erheblich unter Druck. Ein Sprecher, der nicht namentlich erwähnt werden möchte, sagt:

Es ist wahnsinnig aufwendig und eigentlich kaum machbar, nachzuvollziehen, wann die Leute wo durch die Gegend gelaufen sind und wen sie dabei alles getroffen haben.
Sprecher eines Gesundheitsamtes

Das Geschehen zeigt: Im Kampf gegen Corona sind Tests nur der erste Schritt, der ohne eine schnelle Kommunikation der Ergebnisse seinen Wert verliert. Dabei scheint noch einiges im Argen zu liegen. "Die Meldung der Ergebnisse klappt noch nicht überall gut", bestätigt eine Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums. Angesichts rasch steigender Covid-19-Fallzahlen in Deutschland läuten dort die Alarmglocken.

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