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Wegen Coronavirus: Gestrandet in Togo

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ZDF-Reporterin Susana Santina - Wegen Coronavirus: Gestrandet in Togo

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Unsere Reporterin Susana Santina hängt seit Tagen in Togo fest. Hier erzählt sie, wie das Coronavirus das Land im Griff hat - und was sie sich jetzt am meisten wünscht.

Susana Santina
ZDF-Reporterin Susana Santina mit Mundschutz in Togos Hauptstadt Lomé.
Quelle: Susana Santina/privat

Liefe alles planmäßig, wären wir seit Dienstagmittag wieder in Deutschland. Nach zwei Wochen Urlaub in Togo. Doch was läuft schon planmäßig, seit das Coronavirus mit voller Wucht in vielen Ländern ausgebrochen ist und auch Europa nicht verschont hat.

Vergangene Woche hat deswegen die togolesische Regierung beschlossen, alle Flüge nach Europa zu streichen, betroffen war auch unser Flug mit Air France über Paris nach Frankfurt.

Hoffen auf die Rückholaktion des Auswärtigen Amtes

Für uns bedeutet es nun, dass wir hier festsitzen und nur noch eine Hoffnung haben, um hier zeitnah herauszukommen: Die Rückholaktion des Auswärtigen Amtes. Wir stehen auf der sogenannten Krisenvorsorgeliste, und man hat uns zugesichert, dass sie uns berücksichtigen werden, die Frage ist nur wann.

Hier in Togo ist die Zahl der Corona-Virus-Infizierten nach offiziellen Angaben noch relativ niedrig. Von 20 Erkrankten (Stand 25.03.2020) ist die Rede und rund 50 Verdachtsfällen. Aber wie hoch die Zahl tatsächlich ist, weiß man angesichts der Armut in diesem westafrikanischen Land nicht.

Keine Krankenversicherung, schlechtes Gesundheitssystem

Viele Tests werden sicherlich nicht gemacht, sie können auch nicht gemacht werden. Rund acht Millionen Einwohner hat Togo, und das Gesundheitssystem gehört zu den schlechtesten der Welt. Eine Krankenversicherung gibt es nicht.

Wer erkrankt, muss es sich leisten können, behandelt zu werden. Ob man auch gut behandelt wird? Wohl eher selten.

  • Marode, verdreckte Krankenhäuser,
  • fehlende Medikamente und medizinische Geräte und
  • wenig gut ausgebildetes Personal

sind dafür verantwortlich, dass hier viele Menschen an Krankheiten sterben, die bei uns gut behandelbar wären.

"Malaria, Diabetes, oder Bluthochdruck sind hier oft tödlich", sagt die togolesische Journalistin Fabbi Kouassi. Und bringt es drastisch auf den Punkt:

Die Krankenhäuser in Togo sind Sterbeanstalten.
Fabbi Kouassi, Journalistin

Den Krankenhäusern fehlen die einfachsten Dinge

In vielen Krankenhäusern fehle es an elementaren Produkten wie Alkohol, Äther, fließendem Wasser oder einfach nur Betten. Viele europäische Staaten stoßen bei der Behandlung der Erkrankten an ihre Grenzen, in Togo und in weiteren armen afrikanischen Ländern wären die meisten Infizierten wohl ihrem Schicksal überlassen.

Sollte die Zahl der Infizierten tatsächlich hier noch niedrig sein, hätte man die Chance, das Virus noch rechtzeitig einzudämmen. Doch sind es tatsächlich nur 20 Infizierte? Und wenn ja, wird genug dafür getan, um die Ausbreitung des Virus zu verhindern?

Geschlossene Grenze ist ein wichtiger Schritt

Der Präsident des Landes, Faure Gnassingbé, gab gestern bekannt, dass ein Krisenkommitee unter seiner Leitung  eingerichtet worden sei. Die Schließung der Grenzen ist sicherlich ein wichtiger Schritt. Tourismus gibt es hier zwar wenig, aber die Hauptstadt Lomé hat z.B. einen großen Hafen, wo auch Schiffe aus China regelmäßig anlegten.

Außerdem sind seit dieser Woche Schulen, Kirchen, Moscheen und viele andere öffentliche Einrichtungen bis auf Weiteres geschlossen. Polizisten, Supermarktangestellte und Straßenverkäufer sind angehalten, Atemschutzmasken zu tragen. Aber erst gestern haben wir in Lomé gesehen, dass sich viele nicht daran halten.

Präsident Gnassingbe spricht nach seinem Wahlsieg zu seinen Anhängern
Togos Präsident Gnassingbe (Archiv): Krisenkommittee eingerichtet, Grenzen geschlossen.
Quelle: Reuters

Zum Einkauf in den Supermarkt nur noch mit Mundschutz

Ein Marktverkäufer sagte uns, dass er nicht daran glaube, dass er sich mit dem Virus infizieren könnte, und es sei doch so heiß. So ähnlich hören wir es auch von anderen. Die, die Atemschutzmasken tragen, machen sich Sorgen, weil sie die Nachrichten aus China und Europa gehört haben.

Schon gestern musste man sich beim Eintritt in den Supermarkt in Lomé die Hände desinfizieren. Ein Angestellter stand mit Desinfektionsgel bereit. Nun kommt niemand mehr ohne Atemschutzmaske rein, wer keine hat, muss sie sich kaufen. Umgerechnet 80 Cent kostet ein einfacher Mundschutz hier.

Straßenszene Lomé
Straßenszene Lomé: Hilft die Hitze gegen das Virus?
Quelle: Susana Santina/privat

Hygienetipps kommen via Social Media

Zudem werden über die klassischen Medien und Social Media Hygienetipps erteilt: Hände oft mit Seife waschen, in den Ellbogen niesen und husten, enge Körperkontakte vermeiden. Hygienesprays oder -gels waren vorher kaum verfügbar und sind es jetzt auch nicht.

Die Journalistin Fabbie Kouassi macht sich Sorgen, weil viele, vor allem einfache, ungebildete Menschen auf Hygienetipps nichts geben. Einige denken, es sei eine Krankheit der Weißen, andere meinen, man könne sich mit bestimmten afrikanischen Kräutern vor dem Coronavirus schützen.

Der beste Schutz vor Corona: Bloß nicht ins Krankenhaus

Generell gelte in Togo, der beste Schutz sei immer noch, nicht in ein togolesisches Krankenhaus eingewiesen werden zu müssen. Spätestens da finde man den Tod.

Markt Lomé
Ein Frau unterwegs in Lomé: Ein Mundschutz kostet hier etwa 80 Cent.
Quelle: Susana Santina/privat

Klingt sarkastisch, aber ich verstehe, was damit gemeint ist. Meine Familie und ich gehen nur noch mit Atemschutzmasken auf die Straßen von Lomé. Wir gehen ohnehin nur noch raus, um einzukaufen oder mal am einsamen Strand spazieren zu gehen. Schwimmbäder und öffentliche Badestellen am Meer wurden dicht gemacht.

Rückholaktion ist die große Hoffnung

Wir hoffen, dass es bald eine Rückholaktion des Auswärtigen Amtes auch von Togo aus gibt, und wir dann wieder nach Deutschland können.

Den Menschen hier drücke ich ganz fest die Daumen, dass sich der Virus nicht massenhaft ausbreitet. Die Konsequenzen wären verheerend.

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