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Warum ist die Corona-Todesrate hier geringer?

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Deutschland im Vergleich - Warum ist die Corona-Todesrate hier geringer?

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Die Corona-Pandemie hat die ganze Welt im Griff. Im Verhältnis zu den vielen Corona-Infektionen in Deutschland ist die Zahl der Todesfälle erstaunlich gering. Was sind die Gründe?

Archiv: Ein medizinischer Mitarbeiter mir einem Corona-Test am 23.03.2020 in München
Ein medizinischer Mitarbeiter mir einem Corona-Test
Quelle: Reuters

Die Welt ist wegen der Coronavirus-Pandemie im Ausnahmezustand. Das Virus Sars-CoV-2 macht vor keiner Grenze halt. Regierungen von Australien über Asien, Europa, Afrika und Amerika bereiten sich auf das Schlimmste vor. Und dennoch gibt es markante Unterschiede bei den Totenzahlen.

Deutschland sticht mit einer relativ niedrigen Zahl von Toten gemessen an der Gesamtzahl der registrierten Fälle - der sogenannten Fallsterblichkeitsrate - hervor. Bis Dienstag hatte etwa Italien nach Zahlen der Johns-Hopkins-Universität mehr als doppelt so viele Fälle wie Deutschland, die Fallsterblichkeit lag dort aber mehr als 20 Mal höher als in Deutschland. Warum?

Wir wissen ehrlich gesagt noch zu wenig. Die Fallsterblichkeitsrate ist rätselhaft.
Richard Pebody, Weltgesundheitsorganisation

Richard Pebody, Experte der Weltgesundheitsorganisation (WHO), warnt davor, Länder zu vergleichen, denn die Rahmenbedingungen seien in jedem Land anders. "Das ist wie Äpfel mit Birnen vergleichen." Es gibt aber mehrere Erklärungsansätze, die alle eine Rolle spielen.

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Der Epidemiezeitpunkt

"Italien, Spanien, diese Länder sind wahrscheinlich schon weiter in der Epidemie als Deutschland", sagt Pebody. Dort dürften die ersten Fälle schon viel früher unentdeckt aufgetaucht sein und das Virus habe sich wahrscheinlich unbemerkt in der Bevölkerung verbreitet.

Es dauere nach der Infektion eine Weile, bis sich Komplikationen einstellten. Viele Patienten seien wochenlang auf der Intensivstation, bevor sie sterben.

Das Alter

Weil in vielen Ländern sehr wenig getestet wird, kennt man nur das Durchschnittsalter der nachweislich Infizierten. Es dürfte aber viele jüngere Leute geben, die das Virus ebenfalls schon hatten und keine oder nur milde Symptome spürten - und die in keiner Statistik auftauchen. Gerade mit Blick auf Italien ist wichtig zu betonen: Es geht um nachgewiesene Fälle.

Unter den nachweislich Infizierten ist das Durchschnittsalter in Italien viel höher als in anderen Ländern. "Durchschnittsalter Corona-Fälle Deutschland: 45 Jahre. Italien: 63 Jahre", twitterte der deutsche Bevölkerungsforscher Andreas Backhaus Anfang der Woche.

Auf der Online-Plattform Medium vergleicht er Südkorea und Italien zu Stichtagen, an denen beide etwa gleich viele Fälle hatten. In Südkorea waren von den bestätigten Infizierten knapp neun Prozent über 70, in Italien mehr als 40 Prozent.

Das Robert-Koch-Institut (RKI) in Deutschland nennt nur die Altersgruppe "ab 60 Jahren", die Gruppe ab 70 Jahren wird nicht extra aufgeführt. Anfang der Woche waren 19 Prozent der nachweislich Infizierten in Deutschland über 60, mehr als die Hälfte waren zwischen 35 und 59.

Das Testen

Die Altersstruktur in verschiedenen Ländern sagt vor allem etwas über das Testen in den Ländern aus. Würden in Italien mehr Jüngere getestet, sähe die Fallsterblichkeit wahrscheinlich ganz anders aus. Der Nothilfe-Koordinator der WHO, Michael Ryan, verweist auf die hohe Dunkelziffer bei den Infektionen: "In Deutschland gibt es eine sehr aggressive Teststrategie, deshalb dürften dort unter der Gesamtzahl der bestätigten Fälle mehr milde Fälle sein."

WHO-Experte Pebody sagt, in manchen Ländern werde bei Verstorbenen nachträglich ein Test gemacht, in anderen nicht. Auch das beeinflusse die Statistik. Und: Je weiter fortgeschritten eine Epidemie, desto schwieriger werde es für ein Land, viel zu testen, weil das Gesundheitssystem einfach überfordert sei.

Die Qualität des Gesundheitswesens

Je besser Krankenhäuser vorbereitet seien, desto mehr Leben könnten gerettet werden, sagt WHO-Koordinator Ryan:

Wenn die Krankenhäuser von der Zahl der Patienten überwältigt werden, ist es eine simple Frage der Möglichkeiten, inwieweit angemessene Pflege geleistet werden kann und ob man auf jede Veränderung im Zustand des Patienten auf der Intensivstation reagieren kann.
Michael Ryan, WHO

Drei Faktoren seien entscheidend, sagt Pebody: die Zahl der Intensivbetten, ausreichend Schutzkleidung und gut ausgebildetes Personal auf den Intensivstationen.

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Italien mit rund 60 Millionen Einwohnern hatte vor der Krise nach Behördenangaben 5.000 Intensivbetten. Weitere wurden inzwischen geschaffen. Großbritannien mit 66 Millionen Einwohnern hatte nach Angaben des nationalen Gesundheitsdienstes 4.100 Intensivbetten. In Deutschland mit rund 80 Millionen Einwohnern gibt es etwa 28.000, die Zahl soll nun verdoppelt werden.

Insgesamt sind Experten einig, dass rigoroses Testen, Isolieren von Infizierten sowie Quarantäne für Menschen, die mit Infizierten in Kontakt waren, die Epidemie bremsen. Südkorea und Singapur zum Beispiel haben das konsequent umgesetzt. Die Fallsterblichkeitsrate - in Deutschland zurzeit etwa 0,4 Prozent - beträgt in Südkorea gut ein Prozent, in Singapur etwa 0,3 Prozent.

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