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Corona-Krise und Overtourism - Chance für Neuausrichtung des Tourismus?

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Sogenannter Overtourism war vor Corona ein großes Problem. Dass die Tourismusbranche die Krise nutzt, um die richtigen Lehren zu ziehen, scheint aber fraglich.

Das Coronavirus bringt die Welt aus dem Gleichgewicht – vor allem die Reisebranche leidet. Doch liegt in der Tourismus-Krise auch eine Chance?

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Die Travel-Bloggerin Madeleine Schneider-Weiffenbach verdient ihr Geld mit Urlaubsfotos und -videos, die sie auf Instagram veröffentlicht. Mit ihren Beiträgen erreicht sie 1,1 Millionen Menschen. Gerade jetzt in der Krise ist das ein wichtiges Marketinginstrument für die Tourismusbranche: "Wir sind eigentlich wie so eine Art Botschafter, weil die Leute natürlich jetzt besonders schauen: Wie ist das Reisen in einem Land?"

Dennoch wird die Reichweite von Influencern immer wieder auch unterschätzt. Fotos lösten bereits in der Vergangenheit Massenanstürme aus, auf die viele Urlaubsorte kaum vorbereitet waren. Selbst in diesem Sommer hatten einige deutsche Reiseziele deshalb mit sogenanntem Overtourism zu kämpfen.

Beispielsweise dann, wenn die Infrastruktur den Besucherandrang nicht mehr bewältigen konnte. Im Nationalpark Berchtesgaden etwa sorgte das unfreiwillige Marketing dafür, dass jetzt ein Teil des Parks für Besucher gesperrt wird.

Overtourism: Wenn Besucher die Urlaubsorte überrollen

Zunehmender Wohlstand in den Schwellen- und Entwicklungsländern begünstigte vor der Krise steigende Reisebewegungen. 2019 wurde mit rund 1,5 Milliarden internationalen Reiseankünften ein neuer globaler Rekord erreicht.

Faktoren wie billige Flüge und Share Economy sorgten ebenfalls dafür, dass sich immer mehr Menschen das Reisen leisten konnten. So wuchsen aber auch die Belastungen auf beliebte Urlaubsorte durch Overtourism. In den letzten Jahren wurden besonders im europäischen Raum zahlreiche Bürgerorganisationen gegründet, die sich gegen den wachsenden Massentourismus auflehnen.

Tourismusbranche in der Krise

Aktuelle Zahlen der Welttourismusorganisation UNWTO zeigen die verheerenden Auswirkungen der Corona-Pandemie auf das erste Halbjahr 2020. Insgesamt gingen die Touristenankünfte weltweit in diesem Zeitraum um 65 Prozent zurück. Bis zu 120 Millionen Jobs stehen dadurch auf dem Spiel.

Der Tourismusforscher Harald Zeiss befürchtet, dass der Urlaub in Zukunft teurer werden könnte. Doch er sieht in der Krise auch eine Chance: "In dem Moment, wo das wieder anläuft, werden die gleichen Probleme wieder da sein. Die Tourismusbranche wäre deshalb gut beraten, wenn sie diese Probleme adressieren würde - gerade jetzt, wo vielleicht Zeit ist, um sich um diese Dinge zu kümmern. Denn der Tourismus ist auf die Umwelt angewiesen."

Amsterdam will Tourismuskonzepte überdenken

Tatsächlich haben einige Reiseziele inzwischen verkündet, ihre Konzepte zu überdenken. In Amsterdam etwa möchte die Stadt Besuche künftig nachhaltiger gestalten. Etwa durch Besucherlenkung und die Umverteilung auf weniger populäre Stadtteile. Vor der Krise hatte die Stadt mit rund 21,7 Millionen Besuchern jährlich zu kämpfen, die sich überwiegend auf die Altstadt konzentrierten - bei insgesamt nur 873.000 Einwohnern.

Über 30.000 von ihnen haben jüngst eine Petition unterschrieben, die eine Neuausrichtung des Tourismus nach Corona fordert. Doch der Amsterdamer Tourismusexperte Stephen Hodes zweifelt an einer Veränderung: "Ich habe 30 Jahre lang zugesehen, wie die Stadt behauptet, dass sie Touristen zeitlich und räumlich umverteilen will. Und 30 Jahre haben sie nichts erreicht. Der Grund dafür ist: Menschen folgen Menschen. Menschen gehen dorthin, wo die Massen sind."

Er wird wohl Recht behalten: Denn aktuell wird der Flughafen Schiphol um ein weiteres Terminal erweitert, das Platz für 14 Millionen Reisende zusätzlich schafft. Und die werden auch nach Amsterdam kommen.

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