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Warum die Todesrate in den USA kaum steigt

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Trotz Rekorden bei Infektionen - Warum die Todesrate in den USA kaum steigt

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Die USA verzeichnen immer weiter neue Höchststände bei Corona-Neuinfektionen. Doch die Todesrate bleibt im Vergleich dazu noch relativ niedrig. Wie kann das sein? Ein Faktencheck.

USA, St. Louis: Ein geschlossenr Spielplatz einer Grundschule.
USA, St. Louis: Ein geschlossenr Spielplatz einer Grundschule.
Quelle: AP

Erst am Freitag verzeichneten die USA wieder einen Rekordanstieg bei den Coronavirus-Infektionen: Binnen 24 Stunden wurden fast 78.000 Neuinfektionen registriert, wie aus einer Zählung der Johns-Hopkins-Universität hervorgeht. Es war der dritte Höchststand bei den täglich festgestellten Neuinfektionen in Folge. In Städten wie San Antonio und Corpus Christi bestellten die Behörden wegen drohenden Platzmangels in Leichenhallen und Krematorien Kühlwagen, um sich auf das Schlimmste vorzubereiten.

Doch während die Zahl der Infizierten explosionsartig zunimmt, steigt die Anzahl der Corona-Toten in den USA deutlich weniger stark. Seit Anfang Juni liegt die tägliche Anzahl der gemeldeten Todesfälle meist unter 1.000, während es im Mai teilweise über 2.700 waren. Für die bisher relativ niedrige Todesrate in der Statistik gibt es mehrere Gründe:

1. Zeitverzögerung der Statistik

Nach Daten der amerikanischen "Centers for desease control and prevention" (CDC) dauert es bei Todesfällen im Schnitt rund zwei Wochen von den ersten Symptomen bis ein Patient verstirbt. Bis der Tod den Behörden gemeldet wird und in die Statistik eingeht, vergeht eine weitere Woche.

Insgesamt wirken sich steigende Infektionszahlen also erst nach drei Wochen auf die Todeszahlen aus. Ob sie künftig ansteigen werden, bleibt abzuwarten.

2. Mehr bestätigte Infektionen durch mehr Tests

Kein anderes Land testet inzwischen mehr auf Corona als die USA. Lag die Anzahl der Tests Anfang März noch bei wenigen hundert am Tag, werden heute nach Zahlen des "Covid Tracking Projects" täglich rund 800.000 Tests durchgeführt.

Wenn man mehr testet, entdeckt man auch mehr Fälle, vor allem Infizierte mit milden oder gar keinen Symptomen, die sonst unerkannt geblieben wären. Dennoch haben diese harmlosen Fälle so gut wie keine Auswirkungen auf die Todeszahlen.

Mehr als 77.000 Neuinfektionen mit dem Coronavirus gibt es in den USA inzwischen jeden Tag. Über eine Maskenpflicht ist man sich im Land trotzdem nicht einig.

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3. Offizielle Todeszahlen sind offenbar zu niedrig

Ein weiterer Aspekt ist, dass offenbar doch mehr Menschen an Corona sterben als in den offiziellen Statistiken genannt. Denn die Sterblichkeit der Bevölkerung insgesamt ist seit dem Corona-Ausbruch deutlich gestiegen: Allein in den Monaten März bis Mai sind über 120.000 Menschen mehr gestorben als im gleichen Zeitraum der Vorjahre. Das ergibt sich aus Analysen der Todesfallstatistik, die die Fachzeitschrift der amerikanischen Ärztekammer veröffentlicht hat.

Diese sogenannte Übersterblichkeit liegt fast 30 Prozent über den offiziell gemeldeten Corona-Todesfällen von rund 95.000 bis Ende Mai. Das weise darauf hin, "dass die offiziellen Zahlen die Todesfälle aufgrund des Virus vermutlich unterschätzen", so die Autoren.

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4. Vor allem junge Menschen infizieren sich

Das durchschnittliche Alter der Covid-Patienten in den USA ist heute deutlich geringer als noch im Frühjahr. Beispiel Arizona: Nach Daten des dortigen "Department of Health Services" ist etwa die Hälfte aller gut 93.000 Patienten im Alter zwischen 20 und 44.

Ende Juni sagte Vize-Präsident Mike Pence, dass sogar die Hälfte aller neuen Fälle Patienten unter 36 seien. Auch wenn die Zahl der jungen Menschen mit schweren Symptomen zunimmt, das Sterberisiko ist für sie deutlich geringer als bei älteren Patienten.

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