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Hohe Datenmengen - Überlastet Streaming das Netz?

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In Deutschland startet heute der Streamingdienst Disney+. Die Nutzer freuen sich schon enorm, haben aber Angst, dass das Streaming die Netze überlastet.

Netflix und Youtube haben schon reagiert. Sie streamen ihre Videos nach eigener Aussage nur noch in Standardauflösung. Hochauflösende Videos benötigen nämlich eine Bandbreite von ungefähr fünf Megabit pro Sekunde. Die Standardauflösung gibt sich mit etwa drei Megabit zufrieden.

Internetknoten haben Reserven

Begründet wird die Reduktion der Bildqualität mit der stärkeren Beanspruchung der Netze in der Corona-Krise. Netflix will die Datenreduzierung für zunächst 30 Tage einführen. Google betont, dass es sich um eine vorübergehende Datenreduzierung handele.

Facebook und TikTok wollen ebenfalls bei der Datenreduzierung mitmachen, scheinen aber noch nicht genau zu wissen, wie. Und mit welcher Auflösung Disney+ an den Start gehen will, sagt das Unternehmen bisher nicht. Ein Unternehmenssprecher betont lediglich, man wolle maximale Unterhaltung bieten.

Wir bauen unsere Kapazitäten immer weiter aus, sobald 63 Prozent der vorhandenen Kapazitäten erreicht werden.
Carsten Titt vom DECIX

Beim weltweit größten Internet-Knoten DECIX in Frankfurt am Main hält man Datenreduzierungen beim Streaming aus Kapazitätsgründen bisher für nicht notwendig.

Und sofort fügt er an: "Weltweit haben wir über alle Internet-Knoten seit Anfang März einen Anstieg des Bedarfs an zusätzlichen Kapazitäten um 20 Prozent zu verzeichnen". Insofern wäre also noch genügend Luft nach oben.

Bloße Ankündigungsstrategie

Bisher ist im Übrigen auch noch gar nicht so richtig klar, wie die Streaminganbieter den Datendurchsatz reduzieren. So wurden zum Zeitpunkt der Recherche zwar Youtube-Videos mit der sogenannten 720p-Auflösung übertragen. Das ist die geringste Auflösung, die das High-Definition-Format zu bieten hat.

In einigen Fällen war aber die Umstellung auf das hochauflösendere 1080p-Verfahren (Full-HD) manuell noch möglich. Tatsächlich scheinen aber einige – vor allen Dingen private – Videoproduzenten zurzeit verstärkt Videos in der 480p-Auflösung zu rendern. Das ist das eigentliche Standardformat.

"Eine reine PR-Aktion" nennt der IT-Spezialist Felix von Leitner die Ankündigung von Datenreduzierungen beim Video-Streaming. Denn ein Provider wie die Deutsche Telekom AG halte längst eigens eingerichtete Server mit Videos von Youtube, Netflix und anderen vor.

Provider haben eigene Videoschränke

Die stünden im Provider-Rechenzentrum, müssten also nicht mehr über externe Internetknoten bezogen werden. Im Interview mit dem Branchenmagazin Meedia fasste es Felix Leitner so zusammen:

Wenn der Provider also in eine Corona-Pandemie reinläuft und plötzlich mehr Kunden Netflix gucken wollen, dann kann der einfach ein weiteres Kabel anschließen und die Kuh ist vom Eis
Felix von Leitner, IT-Spezialist

Auch Kollegen in Italien haben während der vergangenen Tage Youtube-Videos auf ihre Auflösung hin angeschaut. Auch sie berichten vom Streaming mit der geringsten Auflösung des High-Definition-Standards, also 720p.

Die italienische Kommunikationsbehörde AGCOM teilte denn auch auf Anfrage mit, dass eine Einschränkung beim Video-Streaming derzeit nicht geplant sei. Dabei hat sich der Datendurchsatz am Internet-Knoten in Mailand Anfang März glatt mehr als verdoppelt. Dort passieren sekündlich mehr als 1.100 Gigabit in der Sekunde die Vermittlungsrechner.

Verdopplung der Datendurchsätze in Madrid

Auch beim Internet-Knoten Madrid sind die Datendurchsätze erheblich gestiegen. Ivo Ivanoc, Chef von DECIX International, sieht auch hier eine Verdoppelung. Die aber ist nach seiner Einschätzung leicht zu stemmen.

Die freien Netzkapazitäten bieten Ivanov zufolge auch bei noch stärkerer Streaming-Nutzung genügend Spielraum für ein ruckelfreies Sehvergnügen.

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von Jacqueline Vieth

Mehr Streaming am Morgen

Das Telekommunikationsunternehmen Nokia hat sich genauer angeschaut, welche Dienste die Internet-Nutzer seit Verschärfung  der Maßnahmen im Kampf gegen eine Ausbreitung des Coronavirus stärker nutzen.

Für Westeuropa stellten die Nokia-Analysten für die Zeit nach dem 9. März 2020 zwar insgesamt einen hohen Datenanstieg des Gesamtverkehrs fest. Allerdings verlief die Verteilung unerwartet. Die höchsten Zuwächse stellten die Analysten mit 97 Prozent morgens fest, während der Anstieg am Abend nur 20 Prozent betrug.

"Insgesamt beginnen die Menschen früher am Tag mit dem Streaming", urteilt Dr. Craig Labovitz von Nokia. Spitzenzeiten beim Streaming stellt er am Morgen und am frühen Nachmittag fest.

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